Stresstests für resilientere Stromnetze

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Die TU Darmstadt und die e-netz Südhessen AG haben im Rahmen des Forschungsprojekts CyberStress eine Methodik entwickelt, um Stromnetze gezielt auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen zu testen. Ziel des Projekts ist es, die Versorgungssicherheit in einer zunehmend digitalisierten Energiewelt zu stärken und konkrete Schutzmaßnahmen für Netzbetreiber zu etablieren.

Die Energiewende macht Stromnetze moderner und digitaler. Das eröffnet neue Chancen: Erzeuger, Speicher und Verbraucher lassen sich intelligent vernetzen, die Versorgung wird effizienter und flexibler. Doch mit der Digitalisierung wächst auch die Angriffsfläche für Cyberkriminelle: Bei Kunden installierte, vernetzte Geräte können manipuliert werden. Etwa durch die feindliche Übernahme aller Ladesäulen eines Herstellers könnten Hacker das Stromnetz aus dem Gleichgewicht bringen. Obwohl diese Ladepunkte nicht im direkten Einflussbereich der Netzbetreiber liegen, kann ihr massenhaftes, normwidriges Verhalten die Netzstabilität gefährden.

Vor diesem Hintergrund entwickelte das Forschungsprojekt CyberStress eine Stresstest-Methodik für Stromnetze, vergleichbar mit bereits etablierten Verfahren im Bankensektor. Auf Basis der Projektergebnisse hat das Konsortium konkrete Empfehlungen für eine gesetzliche Verankerung von Stresstests an die Bundesnetzagentur als regulierende Behörde übergeben. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und den gesellschaftlichen Schutz zu stärken, indem systematisch überprüft wird, wie robust Stromnetze gegenüber IT-Angriffen sind.

Heute präsentierten die Technische Universität Darmstadt und die e-netz Südhessen AG einen im Projekt entwickelten Realdemonstrator, der in einer Transformatorenstation des Verteilnetzbetreibers verbaut wurde. Ein von der TU Darmstadt entwickelter Algorithmus erkennt und warnt vor Anomalien im Stromnetz, zum Beispiel bei plötzlich auftretenden Laständerungen durch manipulierte Ladevorgänge von E-Autos, die die elektrische Leistung in kürzester Zeit stark ansteigen lassen.

„Der Realdemonstrator erlaubt uns, reale Angriffsszenarien nachzustellen und Detektions- sowie Abwehrstrategien unter realistischen Bedingungen zu erproben. So schaffen wir die Grundlagen, damit Netzbetreiber künftige Risiken frühzeitig erkennen und die Energieversorgung auch in einer zunehmend digitalen Welt zuverlässig sicherstellen können“, erklärt Professor Florian Steinke vom Fachgebiet Energy Information Networks and Systems der TU Darmstadt.

Ines Schultze, kaufmännische Vorständin der e-netz Südhessen, betont: „CyberStress hilft uns dabei, unser Netz gezielt auf Cyberangriffe zu testen und Maßnahmen abzuleiten, um es noch widerstandsfähiger zu machen. Besonders wertvoll war die enge Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt, den Projektpartnern und der Bundesnetzagentur als unsere Regulierungsbehörde. So fließen wissenschaftliche Expertise, praktische Betriebserfahrung und regulatorische Perspektive zusammen und stärken gemeinsam die Sicherheit der Energieversorgung.“

CyberStress ist ein gemeinsames Projekt der TU Darmstadt, der e-netz Südhessen AG, der Q-Group GmbH sowie der Universität zu Köln (Lehrstuhl Recht der Digitalisierung, Institut für Digitalisierung). Assoziierte Partner sind die Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unter dem Förderkennzeichen 13N16628, betreut wird es durch das VDI Technologiezentrum GmbH.