Chinesische Hardware und deutsche Software. Diesen Weg geht jetzt Tesvolt. Mit dem „PowerCore G-2“ stellt das Unternehmen erstmals einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 500 Kilowattstunden für Anwendungen in Gewerbe und Industrie sowie kleineren Utility-Scale-Projekten vor.
Im Zentrum der Neuausrichtung steht eine veränderte Aufgabenteilung zwischen Hardware und Software. Während Tesvolt bislang stark auf eigene Systementwicklung setzte, basiert der neue Speicher auf Hardware des chinesischen Herstellers WHES. Tesvolt wählt die Systeme nach eigenen Angaben gezielt aus, unterzieht sie technischen Prüfungen und integriert anschließend eigene Software. Hintergrund ist die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Anbieter im Segment für Gewerbe- und Großspeicher, die in den vergangenen Jahren ihre Systeme technologisch weiterentwickelt und gleichzeitig die Kosten gesenkt haben. Tesvolt will diesen Kostenvorteil nutzen, ohne die Kontrolle über Systemintegration, Betrieb und Vermarktung aufzugeben.
„Bis vor Kurzem waren Gewerbespeicher aus deutscher Fertigung noch wettbewerbsfähig“, sagt Simon Schandert, CTO und Co-Founder von Tesvolt. „In den vergangenen Jahren haben chinesische Hersteller aber so massiv in die Entwicklung von Gewerbe-, Industrie- und Utility-Scale-Speichern investiert, dass sie heute technologisch ausgereifte Systeme zu deutlich geringeren Kosten anbieten. Das nutzen wir nun für Tesvolt.“
Die Differenzierung soll künftig vor allem über Software erfolgen. Tesvolt integriert ein eigenes Gateway, ein Energiemanagementsystem sowie den „Tesvolt Energy Controller“, die die gesamte interne und externe Kommunikation des Speichers steuern. Nach Angaben des Unternehmens werden Software-Updates über kontrollierte, temporär freigegebene Schnittstellen durchgeführt, während die Datenkommunikation vollständig verschlüsselt ist. Ziel ist es, die Cybersicherheit zu erhöhen und gleichzeitig unabhängig vom Hardwarehersteller die Systemkontrolle zu behalten.
Technisch ist der „PowerCore G-2“ als Outdoor-System ausgelegt und nutzt 306 Amperestunden Lithium-Eisenphosphat-Zellen des chinesischen Herstellers CATL. Es ist als Zwei-, Vier-, Sechs- und Acht-Stundensystem auslegbar und bis zu sechs Einheiten können im Parallelbetrieb arbeiten. In maximaler Auslegungsgröße wäre das ein System mit 1,5 Megawatt Leistung und 3 Megawattstunden Kapazität. Eine Einheit hat eine Lade- und Entladeleistung von rund 250 Kilowatt. Der Ladestrom beträgt 102 Ampere. Das System wird bei 832 Volt betrieben. Am Netzanschluss kommen 360 bis 440 Volt bei 360 Ampere heraus. Das System kann laut Hersteller bei Umgebungstemperaturen von minus 20 bis plus 55 Grad Celsius betrieben werden und ist mit der Korrosionsschutzklasse C5 auch für anspruchsvolle Umgebungen wie Küstenregionen geeignet. Der Geräuschpegel im Betrieb soll bei 65 Dezibel liegen. Es erfüllt die Anforderungen der VDE-Anwendungsregel 4110 für den Anschluss an Mittelspannungsnetze. Der Wechselrichter ist vollständig integriert. Zudem verfügt das System über ein mehrstufiges Sicherheitskonzept mit aktiven und passiven Brandschutzmaßnahmen. Die zugrunde liegende Plattform ist nach Angaben von Tesvolt bereits in mehr als 1.000 Projekten weltweit im Einsatz.
Durch die Kombination aus zugekaufter Hardware und eigener Software sollen sich die Systemkosten deutlich reduzieren. Das wirkt sich laut Hersteller direkt auf die Wirtschaftlichkeit aus. Für Anwendungen wie die Lastspitzenkappung gibt Tesvolt Amortisationszeiten von etwa drei bis vier Jahren an, bei Renditen im Bereich von 20 bis 25 Prozent. Auch Multi-Use-Anwendungen sowie die Nutzung dynamischer Stromtarife sollen sich mit dem System wirtschaftlicher darstellen lassen.
Die Auslieferung des „PowerCore G-2“ ist ab Mai 2026 geplant.
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