pv magazine Podcast: Matthias Karger, was passiert beim Redispatch und wie schütze ich meine Erträge?
Waren es bisher eher größere Anlagen, Wind- oder Solarparks, die abgeschaltet wurden, wenn es im Stromnetz zu voll wurde, trifft es nun zunehmend auch kleinere Photovoltaik-Dachanlagen. Im Prinzip kann jede Anlage einbezogen werden, die fernsteuerbar ist, und das sollen künftig alle sein, die eine Leistung über zwei Kilowatt haben. Besonders hart trifft es Anlagen in der Nähe von Netzengpässen. Und oft sogar Anlagen, die eigens für den Eigenverbrauch errichtet wurden. Viele von ihnen werden nicht nur am Einspeisepunkt begrenzt, sondern direkt am Wechselrichter abgeregelt.
Hören Sie den Podcast:
Im Podcast spricht pv magazine Redakteurin Cornelia Lichner mit Matthias Karger. Er ist Geschäftsführer von Node Energy, das er 2016 mitgegründet hat. Das Unternehmen hat heute mehr als 90 Mitarbeiter, unterstützt Anlagenbetreiber bei der kaufmännischen Betriebsführung. Das bedeutet häufig, genau die Zeitreihen durchzugehen, zu schauen, welche Abregelungen marktbedingt durch den Direktvermarkter erfolgt sind und welche netzbedingt durch den Netzbetreiber. Obwohl Betreiber durch Redispatch-Maßnahmen nicht schlechter gestellt werden sollen, als wenn sie tatsächlich den Strom hätten nutzen oder vermarkten können, müssen sie in Wahrheit mit deutlichen Einbußen leben, berichtet Karger. Der BDEW-Mischpreis, der zur Bewertung der abgeregelten Strommengen herangezogen werde, biete nur eine Näherung an die tatsächlichen Marktpreise. Geradezu absurd werde es, wenn der Mischpreis negativ wird, so dass Betreiber abgeregelte Mengen bezahlen müssen.
Auch Jochen Siemer, Redakteur bei pv magazine, nimmt am Gespräch teil. Für die September-Ausgabe des Magazins hat er über den Redispatch als Zukunftsfrage geschrieben. Dafür sprach er auch mit Betreibern, die versuchen, durch das Anmelden von sogenannten Nichtverfügbarkeiten ihren Eigenverbrauch vor dem Redispatch zu schützen. Nicht immer gelingt das, weil die Anlagen zu klein für die Direktvermarktung sind und die Prozesse für eine erfolgreiche Kommunikation mit dem Netzbetreiber fehlen. Matthias Karger spricht sich dafür aus, zunächst deutschlandweit verbindliche Prozesse für Redispatch und Direktvermarktung zu schaffen, bevor immer mehr kleinere Anlagen einbezogen werden.
Pessimistisch blicken beide auch auf den geplanten Redispatch-Vorbehalt, der Netzbetreibern erlauben soll, bis zu 20 Prozent der potenziellen Stromerzeugung entschädigungslos abzuregeln. Dieser Vorbehalt gefährde die Planungssicherheit von langlaufenden Projekten, wie den Bau von Großanlagen und die Wirtschaftlichkeit von Anlagen innerhalb der betroffenen Gebiete für sechs oder sogar sieben Jahre. Sie hoffen auf deutliche Änderungen im parlamentarischen Prozess, der für das Netzpaket noch aussteht.
Node Energy ist Initiativpartner dieses Podcasts.
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