Rechenzentren scheitern am selben Nadelöhr wie Speicher – und die Lösung ist dieselbe
In Frankfurt bekommt heute niemand mehr einen Netzanschluss für ein neues Rechenzentrum. Vor 2030 läuft dort praktisch nichts. Die Speicherbranche kennt dieses Gefühl. Rund 9700 Anschlussanfragen für große Batteriespeicher lagen zuletzt bei den deutschen Netzbetreibern vor. Nur etwa ein Drittel erhält eine Zusage. Der Rest wartet. Oft Jahre.
Was in der Branche als Speicherproblem diskutiert wird, ist in Wahrheit ein Systemproblem. Denn an derselben Tür stehen inzwischen alle: Photovoltaik-Kraftwerke, Ladeinfrastruktur und seit kurzem mit voller Wucht die Rechenzentren.
Die Rechenzentrums-Debatte führt am Kern vorbei
Deutschland diskutiert über KI-Gigafactories, über Chips und über digitale Souveränität. Das eigentliche Nadelöhr ist banaler: Strom. Genauer gesagt der Anschluss an das Netz. In Frankfurt, dem größten deutschen Rechenzentrumsstandort, sind neue Großprojekte vor 2030 praktisch chancenlos. Bundesweit stecken zehntausende Projekte in den Netzanschluss-Warteschlangen. Der VDE hat den Netzanschluss im Juli offiziell zum Nadelöhr für KI-Rechenzentren erklärt.
Das ist keine vorübergehende Störung. Es ist die Konsequenz eines Denkmusters: groß, zentral, an wenigen Knoten konzentriert. Genau dort, wo alle hinwollen, ist nichts mehr frei. Gleichzeitig liegen im Niederspannungsnetz überall Kapazitäten brach. An Ortsnetzstationen. An Gewerbetrafos. An Anschlüssen, die für Lasten dimensioniert wurden, die nie kamen.
Was Schwarmspeicher bewiesen haben
Wir haben bei Aurivolt aus dieser Beobachtung ein Geschäftsmodell gemacht. Statt auf einen großen Anschluss zu warten, nutzen wir viele kleine. Unsere Batteriespeicher stehen dezentral auf gepachteten Gewerbeflächen, angeschlossen ans Niederspannungsnetz, dort, wo Kapazität vorhanden ist. Die Flotte handelt automatisiert an der Epex Spot, Day-ahead und Intraday. Kein Fundament, keine Baugenehmigung, keine jahrelange Warteschlange.
Der Schwarm ist dem Einzelprojekt nicht unterlegen. Er ist schneller. Und er ist resilienter, weil er nicht von einem einzigen Anschlusspunkt abhängt.
Dieselbe Logik funktioniert für Rechenleistung
Diese Logik übertragen wir jetzt auf Rechenzentren: Schwarm-Rechenzentren. Kleine, verteilte Recheneinheiten dort, wo Netzkapazität frei ist, statt Großprojekte an überlasteten Knoten. Eine Einheit braucht etwa die Fläche eines Pkw-Stellplatzes.
Das löst gleich mehrere Probleme auf einmal. Erstens die Anschlussfrage, denn der Schwarm wartet nicht auf Frankfurt. Zweitens die Abwärmepflicht aus dem Energieeffizienzgesetz: Ein kleines Rechenzentrum neben einem Gewerbebetrieb findet reale Wärmeabnehmer. Ein Hyperscaler auf der grünen Wiese nicht. Drittens die Energiefrage, denn dezentrale Einheiten lassen sich mit Photovoltaik vor Ort koppeln.
Und die Nachfrage ist da. Eine repräsentative Bitkom-Umfrage vom Juli zeigt: 100 Prozent der befragten deutschen Unternehmen würden Deutschland als Standort für ihre Cloud-Daten bevorzugen. Für 97 Prozent ist der Serverstandort ein Auswahlkriterium bei der Anbieterwahl. Die USA nennen nur 12 Prozent.
Die Lehre für die Energiewende
Die Speicherbranche und die Rechenzentrumsbranche kämpfen mit demselben Engpass. Beide können dieselbe Antwort geben: nicht auf zentrale Kapazität warten, sondern dezentrale Kapazität nutzen. Das Netz, das wir brauchen, existiert bereits. Es ist nur nicht dort, wo alle suchen.
Energie war zentral. Die Zukunft ist ein Schwarm.
— Der Autor Markus Baumann ist Gründer und CEO der Aurivolt GmbH in Löhne. Das Unternehmen betreibt dezentrale Batteriespeicher im Niederspannungsnetz und überträgt das Schwarmkonzept aktuell auf dezentrale Rechenzentren. —
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Ein mittelgroßes, neues Rechenzentrum hat heute 2000 Racks. Wenn wir bei der heutigen Dichte mal nur 50 kW Leistungsbedarf pro Rack unterstellen, braucht das etwa 100 MW. (Es sind längst Racks mit über 100 kW Leistungsbedarf pro Rack machbar.)
Wenn wir nun ein kleines Rechenzentrum mit 40 Racks unterstellen, dann braucht das 2 MW. Das ist auf Niederspannungsebene schon enorm viel. Dann kommt aber hinzu, dass man 50 solcher kleinen Rechenzentren braucht, um ein großes zu ersetzen, und jedes dieser 50 Rechenzentren braucht redundanten Stromanschluss, redundanten Datenanschluss an mehrere Backbones, Notstromdiesel usw. Die ganze Administration verteilt sich auf 50 Standorte statt auf einen.
Wie das finanziell aufgehen soll, dafür würde ich gern eine konkrete Rechnung sehen.