Ausfall des Umspannwerks von Amprion verursacht Preisspitzen
Der 1. September war kein einfacher Tag für deutsche Übertragungsnetzbetreiber. Am Morgen musste 50 Hertz eine vermeintliche Sachbeschädigung auf mehrere seine Leitungen nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde melden. Kurzzeitig sei es zu einer Leitungsunterbrechung gekommen, die aber schnell behoben wurden. „Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln. Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden“, teilte 50 Hertz mit. Die allgemeine Stromversorgung sei aber zu keiner Zeit beeinträchtigt gewesen.
Am Abend des Tages kam es dann zu einem Vorfall an einem Amprion-Umspannwerk im Rheinland, wie RWE mitteilte. Kraftwerke des Energiekonzerns mit insgesamt 4,2 Gigawatt Leistung gingen daraufhin vom Netz. Der Vorfall ereignete sich gegen 20 Uhr, als die betroffenen Kraftwerke etwa 3 Gigawatt ins Netz einspeisten. Die beiden Kraftwerksblöcke Neurath G und Niederaußem H sind RWE zufolge wie geplant Mittwochvormittag wieder ans Netz gegangen. Der Block Neurath F sollte bis zum Abend folgen. Mit der Wiederinbetriebnahme der Kraftwerksblöcke Niederaußem G und K sei weiterhin im Laufe des kommenden Wochenendes zu rechnen, teilte RWE weiter mit.
Zum „Vorfall“ am Umspannwerk Rommerskirchen erklärte Amprion: „Die Ursache des Ereignisses ist derzeit Gegenstand laufender polizeilicher Untersuchungen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist von einer Fremdeinwirkung auszugehen.“ Gesicherte Erkenntnisse zu den Hintergründen lägen noch nicht vor. Allerdings sei die allgemeine Stromversorgung und Systemstabilität zu keinem Zeitpunkt davon betroffen gewesen.
In puncto Systemstabilität klingt dies auch so bei den Analysten von Montel. Die Stromversorgung sei stabil geblieben, allerdings gab es durchaus Auswirkungen auf die Preise an den Strommärkten. Nach Angaben von Montel sei Deutschland in Folge des Ausfalls der RWE-Erzeugungskapazitäten „zeitweise mit bis zu 2,2 Gigawatt short“ gewesen. Diese angespannte Situation habe etwa anderthalb Stunden angedauert. In dieser Zeit gab es auch nur begrenzte zusätzliche Importmöglichkeiten, wie die Montel-Analysten am Mittwoch erklärten. Der Intraday-Preis stieg demnach in der Viertelstunde bis 21 Uhr auf rund 4500 Euro pro Megawattstunden, also 4,50 Euro pro Kilowattstunde. Der Preis für Ausgleichsenergie erreichte sogar 5000 Euro pro Kilowattstunde.
Nach Angaben von Montel wurden während der Knappheit zunehmend Regelenergiereserven aktiviert. So seien über einen längeren Zeitraum etwa 60 Prozent des sogenannten automatic Frequency Restoration Reserve (aFRR)-Stacks genutzt worden. aFRR wurde früher als Sekundärregelleistung benannt. Ebenfalls in der Viertelstunde zwischen 20:45 und 21:00 Uhr wurden zudem nahezu der gesamte mFRR-Stack aktiviert, mit Preisen bis zu 15.000 Euro pro Megawattstunde. mFRR steht für manual Frequency Restoration Reserve und ist die Abkürzung für Minutenreserve.
„Die Ereignisse vom 1. September zeigen, dass das deutsche Stromsystem trotz des plötzlichen Ausfalls erheblicher Erzeugungskapazitäten stabil geblieben ist. Gleichzeitig zeigen sie, was ein solcher unerwarteter Schock für die kurzfristigen Strommärkte bedeutet: Je länger die Unterdeckung anhielt und je stärker günstigere Regelenergiereserven ausgeschöpft wurden, desto schneller stiegen die Preise auf extreme Niveaus“, sagt Vincent Thevenin, Analyst und Experte für den deutschen Strommarkt bei Montel. Durch die europäische Marktkopplung waren die Preiseffekte zudem über Deutschland hinaus zu spüren.“
Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel nachträglich bearbeitet und den Absatz zu den Auswirkungen auf den europäischen Ausgleichsenergiepreis gelöscht. Dieser ist nach Angaben von Montel nachträglich deutlich nach unten korrigiert worden.
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