The smarter E im Zeichen von „Erneuerbare 24/7“
2662 Aussteller nehmen an der Münchener Messe The smarter E Europe 2026 teil. Im letzten Jahr waren es mit rund 2700 zwar etwas mehr, trotzdem sind die 19 Hallen der Messe München komplett ausgebucht. Die 206.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind belegt, wie Markus Elsässer, Geschäftsführer des Veranstalters Solar Promotion, zufrieden feststellt.
Sein Unternehmen ist gemeinsam mit der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe für die Veranstaltung verantwortlich und hat sie in diesem Jahr noch mehr als sonst unter das Zeichen der Komplettversorgung mit erneuerbaren Energien gestellt: „Das ist, was wir schon immer als Vision hatten“, so Elsässer vor Journalisten bei der Eröffnung. Vor diesem Hintergrund ist die diesjährige Sonderschau „Renewables 24/7“ aus Sicht von Solar Promotion kein Programmpunkt wie jeder andere, sondern „das absolute Highlight“, das den erwarteten rund 100.000 Besucherinnen und Besuchern deshalb dringend empfohlen wird.
Einen wichtigen Grund, warum die Erneuerbaren-Branche durchaus den Anspruch erheben kann, nicht erst in ferner Zukunft die Energieversorgung rund um die Uhr und überall auf der Welt zu bestreiten, nannte Jaran Rystad in seinem Vortrag zur Messeeröffnung: Alle Prognosen zum Ausbau der Photovoltaik, so der Gründer und CEO des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Rystad Energy, lagen immer zu niedrig – auch die aus eigenem Hause, obwohl sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oft als utopisch bezeichnet wurden. Mit den im letzten Jahr erreichten Zahlen – der europäische Branchenverband Solar Power Europe nannte auf der Messe 664 Gigawatt weltweiten Zubau – hätte jedenfalls vor zehn Jahren so gut wie niemand gerechnet. Für Batteriespeicher gilt seit einiger Zeit das gleiche, auch hier liegen die Zubauzahlen weit über den Prognosen. Bei Onshore-Wind haben sich die Vorhersagen von Rystad recht genau bewahrheitet, nur Offshore-Windkraft blieb zurück – jedenfalls bislang.
Studie zur Transformation
Die Verfügbarkeit von Erzeugungsanlagen ist jedenfalls nicht das Problem, und ganz besonders die Photovoltaik hat auch bei den Kosten je Kilowattstunde alle Erwartungen übertroffen – oder in diesem Fall: unterboten. Dies sind wiederum wichtige Grundlagen für die Ergebnisse einer Studie des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme ISE, die im Auftrag von The smarter E und gewissermaßen als wissenschaftlicher Unterbau für die Sonderschau erstellt wurde. Genau genommen ist die Arbeit mit dem Titel „Kostenoptimale Transformation des deutschen Energiesystems bis 2045“ die aktuelle Version einer Studie, die das Fraunhofer ISE in ähnlicher Form erstmals 2021 vorstellte, seither kontinuierlich fortschreibt und Ende 2024 auch in einer detaillierten Modellierung auf Bundesländer-Ebene vorlegte.
Auf Basis ihrer riesigen Datensammlung legten die beiden Hauptautoren Charlotte Senkpiel und Christoph Kost bei der Eröffnung der The smarter E auch dar, warum sie etwa die Dunkelflaute für ein durchaus lösbares Problem halten. Hinsichtlich der Strompreisbildung, so Kost, sei sie „eigentlich nicht besonders wichtig“, es gehe schließlich nur um rund ein Prozent aller Stunden eines Jahres. Und in technischer Hinsicht bauen die Szenarien der Studie für das Jahr 2045 – dem angestrebten Zeitpunkt der Klimaneutralität – auf rund 140 Gigawatt regelbarer Kraftwerksleistung auf, hiervon wiederum rund zwei Drittel mit Wasserstoff. Allerdings wäre das nur ein recht geringer Anteil von circa 15 Prozent an der Gesamtleistung, die dann wegen der weitgehenden Elektrifizierung bei über 900 Gigawatt läge. Und weil die steuerbaren Kraftwerke auch nur bei Bedarf laufen würden, käme die benötigte Stromerzeugung von jährlich gut 1600 Terawattstunden zu 90 Prozent Windkraft und Photovoltaik.
Es passte also gut, dass gleich im Anschluss an Solar Promotion auch der Bundesverband Solarwirtschaft einige Informationen und Einschätzungen liefern konnte. Schon am Vortag der Messe hatte der Verband vor regulatorischen Hindernissen insbesondere bei Batteriespeichern gewarnt, und auch am Eröffnungstag mahnte er verbesserte statt verschlechterte Marktbedingungen an. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, konnte zwar etliche Erfolge vermelden, darunter vor allem den Umstand, dass Photovoltaik inzwischen mit 19 Prozent Anteil an der Nettostromerzeugung hinter Windkraft die zweitwichtigste Stromerzeugungsart in Deutschland ist. Wie schon seit Monaten warnte er aber auch vor bremsenden Effekten für den weiteren Zubau vor allem durch das Netzpaket der Bundesregierung und die geplanten Streichungen der Vergütung für kleine Aufdachanlagen. Schließlich müsse der Zubau, auch wenn er in den letzten Jahren im Soll lag, noch ganz erheblich beschleunigt werden, um die deutschen Klimaziele – und ein „Renewables 24/7“ – zu erreichen.
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