Bei den Winterstürmen in den USA konnten Batteriespeicher ihr netzstabilisierendes („dispatch“) Potenzial unter Beweis stellen. Allein in Texas gibt es bereits 17 Gigawatt an installierter Batteriekapazität, in Deutschland bisher 3 bis 4 Gigawatt an installierten Großspeichern mit über 1 Megawatt Leistung. Doch der Ausbau schreitet weiter voran, vor allem, auch weil auslaufende EEG-Förderungen und Redispatch-Regeln Batteriespeicher noch attraktiver machen:
In den vergangenen Jahren hat sich der Batteriespeichermarkt bei Photovoltaik-Anlagen von einer optionalen Ergänzung zu einem integralen Bestandteil moderner Kraftwerkskonzepte entwickelt. Insbesondere im Kontext von Post-EEG-Photovoltaik-Anlagen entsteht durch die Nachrüstung mittelgroßer Batteriespeichersysteme (typisch 2,5 bis 10 Megawatt/5 bis 20 Megawattstunden) eine neue Anlagenklasse: das hybride Photovoltaik-Speicherkraftwerk.
Erzeugung, Speicherung, Netzinteraktion und Marktintegration werden dabei nicht mehr getrennt betrachtet, sondern über eine gemeinsame technische Betriebslogik zusammengeführt. Zentrales Element ist der Erzeugungsanlagen-Regler, der als regelungstechnisches Bindeglied zwischen Netzanschlusspunkt, Erzeugungseinheiten und Speicher fungiert. Ohne eine solche übergeordnete Regelung stehen Photovoltaik-Anlage und Speicher technisch nebeneinander; mit ihr entsteht ein steuerbares, zertifizierbares und marktfähiges Gesamtsystem.
Mit dem Auslaufen der 20-jährigen EEG-Förderung stehen zahlreiche Photovoltaik-Großanlagen vor einer wirtschaftlichen Neuorientierung. Gleichzeitig verschärfen negative Strompreise und Redispatch-Maßnahmen die Erlössituation. Die Kombination aus EEG-Förderungsende und zunehmender Netzrestriktion verändert die Logik des Photovoltaik-Anlagenbetriebs grundlegend. Die systemische Antwort darauf ist das hybride PV-Speicherkraftwerk in Co-Location-Struktur.
Wie stark dieser strukturelle Wandel ist, zeigt sich insbesondere bei Anlagen, deren EEG-Förderung bereits ausgelaufen ist oder in den kommenden Jahren endet.
Repowering von Post-EEG-Photovoltaik: technische und systemische Synergien
Die technische Lebensdauer von Photovoltaik-Anlagen reicht in der Regel deutlich über die 20 Jahre der EEG-Förderung hinaus. Nach üblicher Degradation verfügen viele Solarmodule in den Großanlagen zu diesem Zeitpunkt noch über rund 85 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung. Wirtschaftliche Einschränkungen resultieren daher weniger aus der Technik als aus dem Wegfall der Fördermechanik.
Mit dem Förderende entfällt die planbare Einspeisevergütung. Erlöse müssen nun vollständig am Markt erzielt werden – inklusive Preisvolatilität, negativer Stundenpreise und potenzieller Abregelungen im Redispatch-Fall. Die technische Restlebensdauer der Anlage steht somit einer neuen wirtschaftlichen Realität gegenüber.
Die Integration eines Batteriespeichers im Zuge des Repowerings eröffnet mehrere systemische Synergien:
- Entkopplung von Erzeugung und Einspeisung am Netzanschlusspunkt
- Flexibilisierung der Anlagenfahrweise trotz limitierter Anschlussleistung
- Möglichkeit, den Austausch bestehender Photovoltaik-Wechselrichter zeitlich zu optimieren oder mit der Speicherintegration zu kombinieren
Damit wird das Repowering nicht nur zu einer technischen Ertüchtigung, sondern zu einer funktionalen Aufwertung der gesamten Anlage.
Entscheidend ist jedoch, dass diese funktionale Aufwertung nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie entfaltet ihr volles Potenzial erst im Zusammenspiel mit dem bestehenden Netzanschlusspunkt – und damit im Co-Location-Modell.
Co-Location als neue Normalform: Vom EEG-Kraftwerk zum Hybridkraftwerk
Ein wachsender Anteil neuer Speicherprojekte entsteht heute als Co-Location an bestehenden oder geplanten Solarparks. Ausschlaggebend sind weniger die Batteriesysteme selbst als vielmehr knappe Ressourcen wie Fläche, Genehmigungsfähigkeit und Netzanschlusskapazität sowie immer wieder auftretende negative Strompreise.
Bestehende Post-EEG-Anlagen verfügen in der Regel über einen genehmigten und netzseitig gesicherten Netzanschlusspunkt. Genau dieser Anschluss wird im Co-Location-Modell zur Plattform für Flexibilität.
Technisch bedeutet Co-Location, dass Photovoltaik-Anlage und Speicher eine gemeinsame Einspeisegrenze und somit einen gemeinsamen Netzanschluss nutzen. Die Herausforderung liegt nicht in der Installation, sondern in der regelungstechnischen Koordination zwischen Photovoltaik-Wechselrichtern, Batteriespeicher-Power-Converter-System, Transformatoren und Parkregler. Entscheidend ist eine klar definierte Regelhierarchie mit schnellen lokalen Regelkreisen und einer übergeordneten Anlagenregelung.
Richtig umgesetzt folgt diese Komplexität bekannten physikalischen und regelungstechnischen Prinzipien und ist reproduzierbar beherrschbar. Die eigentliche wirtschaftliche Relevanz dieser Struktur zeigt sich im operativen Netzbetrieb – insbesondere im Kontext von Redispatch-Maßnahmen.
Batteriespeicher, Photovoltaik und Redispatch – systemischer Zusammenhang
Sogenannte Redispatch-Maßnahmen betreffen Photovoltaik-Anlagen typischerweise durch die Abregelung der Einspeisung bei Netzengpässen. Ohne Speicher führt dies unmittelbar zu Erzeugungsverlusten.
Während EEG-geförderte Anlagen Abregelungen kompensiert bekommen, treffen Redispatch-Eingriffe ausgeförderte Photovoltaik-Anlagen unmittelbar wirtschaftlich, da entgangene Marktpreise nicht vollständig planbar sind.
Ein Co-located-Batteriespeicher verändert dieses Wirkprinzip grundlegend: Überschüssige Photovoltaik-Leistung kann lokal aufgenommen und zeitlich verschoben werden, ohne den Netzanschlusspunkt zusätzlich zu belasten.
Damit reduziert ein Batteriespeicher sowohl die Häufigkeit als auch die Tiefe von Redispatch-Eingriffen auf Photovoltaik-Anlagen. Redispatch wird von einer rein verlustbehafteten Maßnahme zu einem steuerbaren Flexibilitätseinsatz. Für ausgeförderte Photovoltaik-Anlagen verbessert sich dadurch die Erlösstabilität, während gleichzeitig ein netzdienlicher Beitrag zur Engpassbewirtschaftung geleistet wird.
Entscheidend ist dabei, dass im Co-Location-Betrieb die Redispatch-Logik des Netzanschlusspunktes dominiert, nicht die einzelne Erzeugungs- oder Speichereinheit. Der Speicher agiert innerhalb dieser Vorgaben als technisches Flexibilitätsinstrument.
Diese systemische Rolle des Speichers macht deutlich, dass es sich nicht um ein additiv installiertes Equipment handelt, sondern um einen integralen Bestandteil der Kraftwerksarchitektur.
Schlussfolgerung
Mit dem Auslaufen der EEG-Förderung wird die Hybridisierung bestehender Photovoltaik-Anlagen nicht zur Option, sondern zunehmend zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Co-Location mit Batteriespeichern ist dabei keine Zusatzfunktion, sondern eine strukturelle Weiterentwicklung des Kraftwerkskonzepts. Das hybride Photovoltaik-Speicher-Kraftwerk ist im Jahr 2026 technisch anspruchsvoll, aber beherrschbar. Alle relevanten Effekte – von Regelung über Netzintegration bis hin zu Redispatch – sind bekannt, modellierbar und planbar. Wer Speicher frühzeitig als integralen Bestandteil des Kraftwerks denkt, kann Repowering- und Co-Location-Projekte stabil, bankfähig und langfristig erfolgreich realisieren.
—- Der Autor Daniel Stitz ist Business Development Manager bei der Lion Smart GmbH. Das Unternehmen ist ein Anbieter von Batteriespeicherlösungen und Engineering-Dienstleistungen. Mit der bereits eingeführten 5-Megawattstunden-Containerlösung und umfassender Entwicklungs-, Test- und Simulationskompetenz bietet Lion Smart eine technisch ausgereifte, serviceorientierte Lösung für industrielle und netzgebundene Großspeicheranwendungen. —
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Spannender Ansatz, das würde die Probleme mit den verfügbaren Netzanschlüssen lösen oder wenigstens stark reduzieren.
Ich habe jedoch keinen Überblick wieviele große PV-Freiflächenanlagen mit mehr als 1 MW bis 2006 ans Netz gegangen waren und jetzt potentiell zur Verfügung stehen.
Vielleicht mag ja jemand Zahlen ergänzen.
Könnten nicht WKA die aus der Förderung fallen ähnliche Potentiale bieten?
Mit Inbetriebnahme vor 01.03.2006 sind 48 Stück mit 97.569,991 kWp im Marktstammdatenregister zu finden.
Siehe: https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR/Einheit/Einheiten/OeffentlicheEinheitenuebersicht
In Texas sind nicht nur die Speicher integraler Bestandteil des Energiemarktes sondern auch zunehmend mehr die Bitcoin Mining Industrie.
Texas – jahrzehntelang Symbol für Öl, Cowboys und Steaks – entwickelt sich still und leise zum Energie-Labor der Zukunft. Bitcoin-Mining: Der unwahrscheinliche Katalysator für günstigere Energie in Texas …
https://www.forbes.com/sites/beccabratcher/2025/11/02/bitcoin-mining-the-unlikely-catalyst-for-cheaper-energy-in-texas/
Auch hierzulande gibt es sinnvolle Möglichkeiten EE-Überschüsse mittels Bitcoin Mining zu monetarisieren anstatt abzuregeln. So auch im Heimbereich sollten die EEG Vergütung für PV Überschüsse wegfallen. Einen gebrauchten Bitcoin Miner bekommt man schon für unter 1000 Euro. Bei einer Leistungsaufnahme von ca. 3 KW kann man 4 – 8 Cent pro eingesetzter kWh monetarisieren. Die gezielte Nutzung der Abwärme kommt noch on top ….
Hört sich klassse an… aber warum hier nicht noch einen Schritt weiter gehen und noch zusätzlich ein gesichertes Backup mit der vorgegebenen Anschlussleistung garantieren können… oder Flexibilitätsabnehmer wie Industrie, Ladestationen oder Wärmespeicher systemisch integrieren?
Eigentlich sind solche Modelle für Kommunen interessant. So können sie Unabhängigkeit und stabil günstige Energiekosten in ihrer eigenen Energiezelle anbieten und gleichzeitig vielfältige Partnerschaften und Synergien mit heimischer Industrie, Erzeugern und alle Arten von Abnehmern aufbauen. Günstiger in Sachen Netzausbau für ganz Deutschland kann es nicht werden, ein effizienteres (lokales) Management kann ich mir kaum vorstellen und nicht zuletzt bietet eine Vielzahl solcher Zellen Versorgungssicherheit und mit netzbildenden Wechselrichtern ein hochstabiles Netz und Systemsicherheit bzw. Resilienz. Und die Backbones bzw. die dicken Leitungen können max. marktwirtschaftlich im EU-Verbund oder im Transport von Windstrom von Nord nach Süd eingesetzt werden, sie müssen in einem dezentralen System nur sehr wenig bzw. nur im Notfall für Versorgungssicherheit sorgen.
Solche Kombi-Kraftwerke sollte aus meiner Sicht der Staat unbedingt vielzählig mit in den Kapazitätsmarkt einbinden… falls er dann kommen sollte. Dürfte je nach lokalen Gegebenheiten (Biogas, Geothermie, Wasser, simple Gasturbine, Fernwärmenetz, Flusswasser, WP und und und) für Deutschland erheblich günstiger und flexibler in der Struktur sein, als sich jetzt schon auf wenige zentrale Gaskraftwerke festzulegen, die schon im Ansatz neuen Platz für dezentrale Backup-Innovationen unmöglich machen würden.