Im kommenden Oktober werden die alle zwei Jahre aktualisierten Netzausbaupläne (NAP) der deutschen Verteilnetzbetreiber erwartet. Als Vorstufe hierzu haben die Unternehmen nun ihre jeweils zehn Monate vor dem Netzausbauplan vorzulegenden Regionalszenarien erstellt und auf der Plattform „VNB digital“ veröffentlicht.
Die Erstellung dieser Szenarien für die sechs Regionen Nord, Mitte, West, Ost, Südwest und Bayern erfolgte zuletzt durch die 82 Verteilnetzbetreiber mit mehr als 100.000 Anschlüssen in der jeweiligen Region, in diesem Jahr haben sich nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW auch die Unternehmen als 100.000 Kunden in den Prozess eingebracht.
Photovoltaik mal vier, Windkraft mal drei
In der Gesamtschau ergeben die Prognosen teils dramatische Steigerungen der an die Verteilnetze angeschlossenen Verbrauchs- und Erzeugungsleistung. Laut BDEW werden im Jahr 2045 insgesamt 425 Gigawatt Photovoltaik-Leistung erwartet, fast viermal soviel wie heute (aktuell sind bundesweit insgesamt rund 117 Gigawatt Photovoltaik am Netz). Bei Windkraft an Land rechnen die Verteilnetzbetreiber mit einer Verdreifachung der an ihre Netze angeschlossenen Leistung auf rund 175 Gigawatt.
Auf der Verbrauchsseite werden insbesondere bei Rechenzentren enorme Steigerungen von heute zwei auf dann 37 Gigawatt Anschlussleistung erwartet. Auch in anderen Bereichen prognostizieren die Verteilnetzbetreiber eine Vervielfachung der Last. So geht das Szenario für die Planungsregion Nord beispielsweise von 1,5 Gigawatt elektrischem Bedarf für zentrale Wärmelösungen und 8,7 Gigawatt für dezentrale Lösungen, namentlich Wärmepumpen, im Jahr 2045 aus; heute sind es 0,18 beziehungsweise 0,14 Gigawatt. Der Bedarf für Elektromobilität steigt dem Szenario zufolge von heute 0,5 auf knapp 13 Gigawatt. Die anderen Regionalszenarien weisen ähnliche Steigerungen aus.
Besonders sticht die erwartete Entwicklung bei Großbatteriespeichern heraus. Aktuell sind nach BDEW-Angaben bundesweit rund zwei Gigawatt auf Verteilnetzebene angeschlossen, bis 2045 werden knapp 37 Gigawatt erwartet.
BDEW fordert höhere Renditen
Insgesamt, so der BDEW, bewegen sich die Prognosen der Verteilnetzbetreiber „in einem ähnlichen Feld wie jene des Szenario B der Übertragungsnetzbetreiber aus dem jüngsten Szenariorahmen.“ Die Regionalszenarien selbst enthalten aber auch Hinweise darauf, dass sich die Entwicklung letztlich nur schwer abschätzen lässt. So heißt es etwa im Regionalszenario Ost, man habe beispielsweise bei Rechenzentren oder größeren Industrieansiedlungen nur die den Verteilnetzbetreibern bekannten Projekte „mit einer gewissen Realisierungswahrscheinlichkeit“ berücksichtigen können. Bei Batteriespeichern habe man „neben den bereits bekannten Projekten mit hoher Realisierungswahrscheinlichkeit nahezu keine sogenannten Stand-Alone-Speicher verortet, sondern den Ansatz der Kombination mit Erzeugungsanlagen gewählt“. Auf Ableitungen aus den bekannten Netzanschlussanfragen für Stand-alone-Speicher habe man in diesem Segment bewusst verzichtet, „da dieses bereits heute jegliche Langfristprognose für das Jahr 2045 deutlich übersteigt“.
Der BDEW nutzte die Zahlen, um erneut seine Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für die Netzbetreiber zu bekräftigen. Aus Sicht des Verbands komme es für den Netzausbau darauf an, „dass eine deutlich höhere Verzinsung als bisher gewährt wird“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Die Verteilnetzbetreiber stünden „angesichts des Ausbaus Erneuerbarer Energien, der Elektromobilität sowie Speichern vor einer Herkulesaufgabe“. Viele Kunden der Verteilnetzbetreiber sehen das indes anders. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) etwa prangert regelmäßig die nach seinen Berechnungen exorbitant hohen Eigenkapitalrenditen der Netzbetreiber an.
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Wieviele der heute in Betrieb befindlichen Windräder müssen denn bis 2045 ersetzt werden? Doch eigentlich alle, oder? Manche fast 2x bis dahin. Letztlich muss der Ausbau wachsen, aber wegen zunehmend notwendigen Ersatz der bestehen WKA wird das doch eine echte Mammutaufgabe?
Das Gesetz für Ersatzbauten wird geändert, s.d. es keine neuen Umweltverträglichkeitsgutachten etc. mehr in der früheren Extremversion geben soll. Damit sollte Repowering dann deutlich einfacher gelingen.
https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/K/presse/entwurf-infrastruktur-zukunftsgesetz.pdf?__blob=publicationFile
Sehr lustig am Gesetzentwurf ist Paragraph C – Alternativen
😀
Vermutlich werden in 10 Jahren Batteriespeicher dermaßen günstig und einfach installierbar sein, dass einfach jeder bei jeder Steckdose nen Block mit 10 kWh oder so stehen haben wird.
Der Bedarf ist da, die Produktionskapazitäten verdoppeln sich immer wieder.