Energeno nimmt Agri-Photovoltaik-Anlage nun doch in Betrieb

Agri-Photovoltaik-Anlagen, Energeno

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Agri-Photovoltaik-Anlagen wie jene der Energiegenossenschaft Energeno im Süden Brandenburgs dürfte es einige in Deutschland geben. Die Anlage ist technisch seit gut anderthalb Jahren fertiggestellt und dennoch nicht am Netz. Der Grund ist einfach: Die Investoren solcher Anlagen warten auf die beihilferechtliche Genehmigung für das „Solarpaket 1“ durch die EU-Kommission. Denn dort sind für Agri-Photovoltaik-Anlagen um 2,5 Cent pro Kilowattstunde höhere Vergütungssätze vorgesehen. Doch sie greifen nicht, solange Brüssel kein grünes Licht gibt. Zudem ist unklar, ob die höhere Vergütung dann rückwirkend mit Inkrafttreten des „Solarpaket 1“ gilt. Stichtag wäre damit der 16. Mai 2024. Es kann aber auch sein, dass die neuen Regelungen erst ab dem Tag der beihilferechtlichen Genehmigungen greifen. Niemand kann dies sicher vorhersagen; ebensowenig, wie, wann und ob die EU-Kommission entscheidet. Es besteht aber die Hoffnung, dass dies gesehen könnte, sobald die Bundesregierung einen Entwurf für eine EEG-Reform vorlegt, der der von Brüssel geforderten Neugestaltung der Erneuerbaren-Förderung entspricht. Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hatte sich darauf verständigt, einen entsprechenden Entwurf noch im ersten Quartal 2026 vorzulegen.

Wir hatten bereits im Sommer 2025 über die Agri-Photovoltaik-Anlage berichtet. Nun meldete sich die Energiegenossenschaft mit der Nachricht, dass die Anlage am Dienstag in Betrieb genommen wird. Wie es zu der Entscheidung kam, dazu haben wir kurz Florian Becher von Energeno befragt.

pv magazine: Wann genau haben Sie die Agri-Photovoltaik-Anlage fertiggestellt?

Florian Becher: Technisch fertiggestellt wurde die Anlage bereits im Sommer 2024.

Warum haben Sie sich nun entschlossen, die Anlage doch anzuschließen und nicht weiter zu warten?

Uns blutet, ehrlich gesagt, das Herz, wenn wir sehen, dass eine technisch fertige Anlage Strom produzieren könnte, aber politisch blockiert wird. Gleichzeitig verunsichert uns die Zögerlichkeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sehr – wir brauchen dringend Planungssicherheit. Wir haben uns deshalb entschieden, die Anlage jetzt anzuschließen, auch in der Hoffnung, dass sie nachträglich genehmigt wird und sich die Entscheidung noch auf die Verabschiedung des „Solarpakets I“ beziehen lässt – auch wenn uns bewusst ist, dass dies eher unwahrscheinlich ist.

Sie haben also noch ein bisschen Hoffnung, dass die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission doch noch kommt und die höheren Vergütungen rückwirkend gezahlt werden?

Die Hoffnung besteht – ja. Und genau deshalb verbinden wir damit auch einen ganz klaren Appell: Wir brauchen als Bürgerenergiegenossenschaft dringend Planungssicherheit für unsere Mitglieder. Solche Unsicherheiten gefährden sonst das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in der Energiewende.

Bereuen Sie, dass Sie so lange gewartet haben? Und was bedeutet der Verzug für die Investoren?

Unsere Investoren sind Bürgerinnen und Bürger – über 2.400 Mitglieder unserer Genossenschaft. Bereuen tun wir nichts. Wir haben gezeigt, dass Agri-Photovoltaik technisch funktioniert, und wir haben gemeinsam mit dem Landwirt ein sehr gutes Doppelnutzungskonzept entwickelt. Alles, was wir selbst beeinflussen konnten, haben wir erfüllt. Natürlich hat der Verzug finanzielle Auswirkungen: Die Anlage wurde vorfinanziert, stand aber lange Zeit ohne Einspeisung still. In dieser Zeit sind Finanzierungskosten angefallen, ohne dass dem entsprechende Erträge gegenüberstanden.

Planen Sie weitere Agri-Photovoltaik-Projekte?

Aktuell planen wir keine weiteren Agri-Photovoltaik-Projekte. Unser Fokus liegt derzeit auf klassischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen und auf Windenergieprojekten.

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