Photovoltaik-Erzeugung während negativer Strompreise: An manchen Tagen 90 Prozent

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Für das Jahr 2025 ist bereits bekannt, dass es 574 Stunden mit negativen Strompreisen am Großhandelsmarkt gab. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland damit den dritten Platz hinter Schweden und den Niederlanden. Weniger klar war bislang, wie viel Solarstrom tatsächlich in diesen Stunden erzeugt wurde und wie stark einzelne europäische Staaten beziehungsweise ihre Gebotszonen davon betroffen sind.

Mithilfe eines selbst entwickelten Auswertungstools haben wir Strommarktdaten der Entso-E „Transparency Platform“ analysiert und die viertelstündliche Solarstromerzeugung mit den jeweiligen Day-Ahead-Preisen abgeglichen. Ergebnis ist eine neue Kennzahl: Der volumengewichtete Anteil der Solarstromerzeugung, der in Stunden mit negativen Strompreisen anfällt. Die Kennzahl beschreibt, welcher Anteil der gesamten Solarstromproduktion eines Landes zu Zeiten negativer Preise erzeugt wird.

Im Ländervergleich weist Deutschland den höchsten Wert auf. 15,97 Prozent des gesamten im Jahr 2025 erzeugten Solarstroms entfielen auf Stunden mit negativen Strompreisen. Es folgen Belgien mit 14,89 Prozent und Spanien mit 13,69 Prozent. Auch in Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Dänemark lag der Anteil jeweils bei über zehn Prozent.

Betrachtet man als zeitlichen Rahmen nicht ein Jahr, sondern einen Monat, sieht die Entwicklung gleich ganz anders aus. Den Spitzenwert erreichte Spanien im Mai: Dort entfielen 65 Prozent der in diesem Monat erzeugten Solarstrommenge auf Stunden mit negativen Preisen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Deutschland mit den Monaten Juni (46 Prozent) und Mai (43 Prozent).

Der Vergleich aller Monate im Jahr 2025 für Deutschland zeigt, dass gerade in der ersten Jahreshälfte die Solarstromerzeugung zu deutlichen Teilen in die Zeiten der negativen Strompreise gefallen ist.

Der volumengewichtete Anteil der Solarstromerzeugung zu Zeiten negativer Strompreise im Jahr 2025 in Deutschland.

Tageswerte: Skandinavien an der Spitze

In der tagesgenauen Auswertung führen die schwedischen Gebotszonen SE1 und SE2. Dort wurden zusammengenommen drei Tage gemessen, an denen 100 Prozent des an diesen Tagen erzeugten Solarstroms ausschließlich in Stunden mit negativen Strompreisen anfielen. In Schweden treten negative Preisphasen häufig über 24 oder sogar 48 Stunden am Stück auf. Ein wesentlicher Grund ist die hohe Einspeisung aus Wasserkraft und Kernenergie, die nur begrenzt steuerbar ist. Kommt zusätzlich Windkraft hinzu, geraten die Preise stark unter Druck. Diese Tage in den schwedischen Gebotszonen traten im November und im März auf, wo die Produktion aus Photovoltaik-Anlagen ohnehin nicht allzu groß gewesen sein dürfte.

Deutschland belegt in dieser Tageswertung Platz vier. Am stürmischen Neujahrstag wurden 99,78 Prozent des an diesem Tag erzeugten Solarstroms zu negativen Preisen eingespeist. Wobei auch hier die tatsächlich erzeugte Solarstrommenge an diesem Tag eher überschaubar gewesen sein dürfte. Auch am 4. und 5. Oktober kam es jeweils zu 15 Stunden mit negativen Strompreisen, wodurch rund 98 Prozent der Solarstromerzeugung dieser Tage betroffen waren. Allerdings waren auch zahlreiche Tage im April und vor allem im Mai mit Werten von über 70 bis fast 90 Prozent vorhanden. Neben Deutschland und Schweden gab es auch in Lettland, Portugal, Litauen, Estland, Österreich und Belgien einzelne Tage, an denen über 90 Prozent des erzeugten Solarstroms in Stunden mit negativen Strompreisen anfielen.

Pfingsten als Beispiel für Marktdynamik

Volumengewichteter Anteil von Solarstrom zu Zeiten negativer Strompreise im Juni 2025 in Deutschland

Ein prägnantes Einzelereignis war Pfingsten, konkret der 8. Juni. Im Vorfeld des Pfingstwochenendes hatten zahlreiche Marktakteure vor möglichen Verwerfungen gewarnt. Hintergrund war der erwartete sehr hohe Solarstromanteil bei gleichzeitig geringer Last, der als potenzielles Risiko für Netzbetrieb und Strommarkt galt. Entsprechend intensiv wurden in den Wochen zuvor politische und regulatorische Maßnahmen diskutiert und beschlossen, darunter das Solarspitzen-Gesetz sowie erweiterte Steuerungsmöglichkeiten für kleinere Erzeugungsanlagen durch Verteilnetzbetreiber.

Am Pfingstsonntag (8. Juni) kam es schließlich zu zehn Stunden mit negativen Strompreisen. Der durchschnittliche Börsenpreis des Tages lag bei 1,5 Cent pro Kilowattstunde. 89 Prozent der an diesem Tag erzeugten Solarstrommenge entfielen auf Stunden mit negativen Preisen. Die zuvor befürchteten Markteffekte materialisierten sich tatsächlich – allerdings weniger in Form akuter Systemprobleme, sondern vor allem als wirtschaftliche Belastung für die Solarstromerzeugung.

Das Auswertungstool lässt sich hier nutzen.

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