Der europäische Energiesektor zeigte im Oktober eine gemischte Entwicklung. Die Gaspreise gaben nach, Zertifikatpreise (EUAs) und Kohle legten zu, und die Strompreise hatten angesichts sich verändernder Fundamentaldaten Schwierigkeiten, eine klare Richtung zu finden.
Mit dem nahenden Winter reagiert der Markt weiterhin besonders empfindlich auf kalte und windstille Bedingungen, was sowohl den wachsenden Anteil intermittierender erneuerbarer Energien am europäischen Energiemix als auch die begrenzte strukturelle Flexibilität des Gassektors in der Region widerspiegelt. Unterdessen zeigte die französische Kernkraftflotte weiterhin eine starke Leistung, was die Strompreise belastete und EDF dazu veranlasste, sein Produktionsziel für 2025 auf einen neuen Bereich von 365 bis 375 Terawattstunden anzuheben. In Spanien beantragte der Betreiber von zwei Kernkraftwerksblöcken, deren Stilllegung ursprünglich für 2027 und 2028 geplant war, eine Verlängerung der Laufzeit bis 2030.
Im vergangenen Monat lagen die Temperaturen in West- und Mitteleuropa im saisonalen Durchschnitt, in den nordischen Ländern blieben sie milder und in Südosteuropa waren sie kälter als im Durchschnitt. Insgesamt führte dieses Muster zu einem moderaten Anstieg der europäischen Stromnachfrage im Vergleich zum Vorjahr. Unterdessen deuteten Berichte, wonach die norwegische Aluminiumindustrie ihre Produktion wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg hochfährt, auf eine vorsichtige wirtschaftliche Erholung hin. In ähnlicher Weise stieg die Stromnachfrage in Deutschland auf den höchsten Oktober-Stand seit 2021, was die vorsichtig optimistischen Wirtschaftsaussichten stützt und Fortschritte bei der Elektrifizierung widerspiegelt.
Mit Blick auf die weitere Elektrifizierung hat das Bundesverkehrsministerium kürzlich seinen „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030“ veröffentlicht, der darauf abzielt, Investitionen in die Ladeinfrastruktur zu beschleunigen und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu fördern. Gleichzeitig hat die deutsche Koalitionsregierung Anfang November ein Strompreismodell für die Industrie verabschiedet, um den angeschlagenen Industriesektor des Landes zu unterstützen, der weiterhin unter dem Druck des globalen Wettbewerbs und hoher Stromkosten steht. Im Rahmen dieses Programms, das zusammen mit Steuersenkungen und Netzgebührenunterstützung angekündigt wurde – wobei diese Maßnahmen nicht kombiniert werden können –, können berechtigte Unternehmen bis zur Hälfte des durchschnittlichen Großhandelsstrompreises für bis zu 50 Prozent ihres Jahresbedarfs erstattet bekommen, wenn sie im Gegenzug Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit tätigen.
Auf der Brennstoffseite verzeichnete Europa weiterhin starke LNG-Zuflüsse, da die USA ihre Exporte erhöhten, Katar Wartungsarbeiten verzögerte und die Spotnachfrage in Asien schwach blieb. Dies belastete die Gaspreise, obwohl kälteres und weniger windiges Wetter die Oktober-Bilanzen auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahrzehnt drückte und die EU-Speicherfüllung bei nur rund 83 Prozent beließ, den niedrigsten Stand seit Beginn der Energiekrise. Die Kohlepreise waren volatiler und stiegen angesichts einer Marktverknappung in China leicht an. Ein ähnlicher Trend zeigte sich auf dem CO2-Markt, wo Investmentfonds ihre bereits beträchtlichen Positionen weiter aufstockten und die Preise Anfang November über das technische Widerstandsniveau von 80 Euro pro Tonne trieben.
Mit Blick auf die Zukunft werden wir die politischen Diskussionen in der EU über die Klimaziele für 2040 sowie die aktuellen Wetterentwicklungen und LNG-Lieferungen nach Europa weiterhin genau beobachten. Nicht zuletzt werden wir auf weitere Klarheit über die Ergebnisse des Treffens zwischen den Präsidenten Trump (USA) und Xi (China) in Südkorea im vergangenen Monat achten, da die Diskrepanzen zwischen den Erklärungen beider Seiten darauf hindeuten, dass wichtige Details der Ergebnisse des Gipfeltreffens noch ungeklärt sind.
— Der Autor Andy Sommer ist seit 1992 als Analyst in der Energiebranche aktiv und bewertet seit 2008 für Axpo die globalen Märkte. Seit einigen Jahren führt er das Team „Fundamental Analysis & Modeling“, mit dem er für interne und externe Kunden Einschätzungen zu den Energiemärkten in Europa und weltweit erstellt. Das Team konnte mit seinen Services im Jahr 2021 den Energy Risk Award für „Research in European Power“ gewinnen. www.axpo.com —
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Es fällt mir schwer, manche Stellen des Textes zu verstehen, z.B.:
Die französischen Kernkraftwerke zeigten „eine starke Leistung, was die Strompreise belastete“. Belastete Preise bedeuten in der Finanzwelt gewöhnlich gestiegene Preise. Man sollte aber meinen, dass die Preise bei einer höheren Produktion (sic, oder ist wirklich „Leistung“ gemeint?) fallen. Es wäre logisch, dass EDF aufgrund gestiegener (und nicht gefallener) Preise die Produktion erhöhen will.
Ähnlich das LNG: Die höheren Importe im Oktober hätten die Preise senken und nicht belasten sollen. Dass trotz höherer Importe die „Bilanzen“ (gemeint sind Import und Konsum von Gas oder?) sehr niedrig waren, ist ein weiterer Widerspruch.
Ansonsten fehlt mir in den Monatsberichten immer ein wenig der Blick in die Zukunft, wie ihn z.B. die amerikanische EIA bietet, siehe https://www.eia.gov/outlooks/steo/.
Auch Hintergrundinformationen wären willkommen, z.B.: Warum steigt auf lange Sicht der Gaspreis, während der Ölpreis fällt?
Theodor
Keine Sorge, der Text ist eh pure Zeitverschwendung und eine Sammlung von Allgemeinplätzen. Ich stimme Ihnen zu – wenn es wenigstens eine KI geschrieben hätte…. 😉
Ein Preis ist aus Sicht des Produzenten „belastet“, wenn er sinkt. EDF will trotzdem die Leistung seiner KKW so weit wie möglich ausreizen, weil sie nur Geld verdienen, wenn sie laufen. Und wenn sie dann mal laufen, muss man das auch ausnutzen. In Frankreich wird sehr viel mit Nachtspeicherheizungen direkt geheizt. Für eine höhere Stromerzeugung ist also im Augenblick Platz im Netz.
Beim LNG verhalten sich die Dinge etwas anders, weil es nicht leitungsgebunden ist: Das LNG folgt dem Geld. Wer am meisten zahlt, bekommt mehr geliefert. Wenn die Europäer unzureichend gefüllte Speicher noch vor dem Winter etwas auffüllen möchten, nehmen sie dafür Geld in die Hand und dann kommen die Schiffe geschwommen.
Ich kann diesen monatlichen Berichten auch nicht viel abgewinnen. Dass Winter wird, hatte ich auch schon an anderen Hinweisen gemerkt. Vierteljährlich etwas über sich verschiebende Schwerpunkte zu erfahren, und nicht bloß, weil sich die Jahreszeit geändert hat, würde mir persönlich reichen.