Kipppunkte sind plötzliche Ereignisse, bei denen sich kontinuierliche Entwicklungen – zum Beispiel das langsame Ansteigen der irdischen Temperatur – in rasanter Geschwindigkeit in ganz neue, für die menschliche Zivilisation nicht mehr tragbare Klimazustände verwandeln können.
Solche seit vielen Jahrzehnten bekannten Kipppunkte im Klimasystem der Erde sind hochgefährlich – und näher, als viele glauben.
Doch Kipppunkte gibt es nicht nur im Klimasystem der Erde, sondern zum Beispiel auch im Bereich der Wirtschaft. Ein Beispiel ist die abrupte Ablösung der Pferdefuhrwerke als Transportmittel durch Autos, die in den USA kurz nach 1900 nur etwa ein Jahrzehnt dauerte und damals kaum jemand vorhergesehen hatte.
Benjamin von Brackel und Toralf Staud, zwei seit Jahrzehnten im Klimaschutz aktive Autoren und „Spiegel“-Bestseller-Autoren, haben dazu kürzlich ein neues Buch veröffentlicht:
„Am Kipppunkt – Wo das Klima zu kollabieren droht – und wie wir uns noch retten können“, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Ein spannend geschriebenes Buch, das Hintergründe, historische und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit zahlreichen authentischen Erzählungen von Klimaforscher:innen und Klimaschutz-Aktivist:innen verbindet.
Negative Kipppunkte im Klimasystem der Erde
Solche abrupten und hochgefährlichen Veränderungen – zum Beispiel Temperatursprünge innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte – sind in der Klimaforschung eindeutig nachgewiesen.
Ähnliche plötzliche Veränderungen könnten bereits in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten eintreten – insbesondere, wenn der mangelnde Klimaschutz mit weiter steigenden Emissionen ungebremst fortgeführt wird.
Mögliche Kipppunkte mit gravierenden Folgen:
- Das plötzliche Abbrechen riesiger Gletscherareale in der Westantarktis, das einen raschen Meeresspiegelanstieg von einigen Dezimetern bis zu mehreren Metern auslösen kann.
- Ähnliche Folgen – zwar weniger abrupt, aber dennoch verheerend – kann das beschleunigte Abschmelzen der Grönlandgletscher haben.
- Plötzliche Veränderungen großer Meeresströmungen, insbesondere des Golfstroms. Dieser gilt als Warmwasserheizung für West- und Nordeuropa. Reißt er ab, kann es in Europa im Jahresmittel bis zu 4 Grad Celsius kälter werden – mit einem Klima ähnlich dem heutigen in Nordkanada.
- Plötzliche Veränderungen der großen zirkulären Luftströmungen, vor allem des bei uns das Wetter bestimmenden Jetstreams. Aktuell erleben wir ein stehendes Jetstream-Band von Irland bis nach Deutschland, das anhaltend Regen und Wolken bringt – der gefühlt ausgebliebene Sommer.
- Zerstörung großflächiger Naturräume wie der Korallenriffe, des Amazonas-Regenwalds oder der borealen Wälder in den nördlichen Breiten, wie sie bei uns in Mittel- und Nordeuropa vorkommen.
Positive Kipppunkte beim Klimaschutz
Klimaschutz muss sehr schnell kommen: In wenigen Jahrzehnten muss es ein Ende aller Klimagasemissionen geben, gleichzeitig müssen große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden. Das erfordert abrupte Veränderungen des heutigen fossilen und atomaren Wirtschaftssystems hin zu einer Solarwirtschaft.
Solche Kipppunkte beschreiben von Brackel und Staud in ihrem Buch ebenfalls:
- Die vollständige Ablösung der heutigen fossilen Energieversorgung auf Basis von Erdöl, Erdgas und Kohle durch Erneuerbare. Die Autoren gehen ausführlich auf die historische Entwicklung der Solarenergie ein, die zunächst durch Forschung und erste politische Unterstützung in den USA unter Präsidenten Jimmy Carter begann, dann aber durch das deutsche EEG massiv beschleunigt wurde und so zum weltweiten Durchbruch führte. Sie beschreiben auch meinen Beitrag, zusammen mit meinem früheren wissenschaftlichen Mitarbeiter und späteren Abteilungsleiter Energie im Bundeswirtschaftsministerium, Volker Oschmann – sowohl für das EEG als auch für den Ausbau der Solarenergie in China und weltweit.
- Die Elektromobilitätsrevolution: Norwegen wird als erstes Land mit offensiver Elektromobilität ausführlich vorgestellt. Heute wird dort fast kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr gekauft. Auch China hat früh und konsequent auf Elektromobilität gesetzt, was der chinesischen Wirtschaft die Weltmarktführerschaft eingebracht hat und jetzt die europäische, japanische und US-Automobilindustrie stark unter Druck setzt.
- Die Fleischwende hin zu veganer Ernährung. Im Buch wird diese Entwicklung als noch sehr zäh beschrieben, vor allem in Deutschland. Dennoch zeigen sich bereits erste große Erfolge mit veganer Ernährung in verschiedenen Ländern, insbesondere Dänemark. Dies könnte auf einen kommenden positiven Kipppunkt hinweisen: die großflächige Verbreitung veganer Ernährung.
Auch ohne Kipppunkte steuert die Erdüberhitzung auf immer mehr Katastrophen zu, die aktuell ganze Länder erfassen
Sobald Kipppunkte ausgelöst werden, wird das Leben von mehreren hundert Millionen Menschen nicht mehr so sein wie heute – etwa wenn nach dem Zerbrechen großer Gletscher in der Westantarktis ganze Stadtgebiete wie Shanghai, Miami, New York, Mumbai oder Amsterdam großflächig unter den Meeresspiegel sinken.
Doch wir sollten uns nicht täuschen: Auch ohne dass Kipppunkte abrupt Klimaveränderungen verursachen, gibt es bereits heute Entwicklungen, die das Leben von Millionen Menschen bedrohen und sie zu Fluchtbewegungen zwingen.
Ein aktuelles Beispiel ist eine beispiellose Hitzewelle im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere im Iran, Irak, Kuwait, der Arabischen Halbinsel bis hinein in die Türkei. Dort wurden in den vergangenen Wochen teilweise seit Mai außergewöhnlich hohe Temperaturen von über 50 °C gemessen.
Zudem kommt häufig eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, die die extrem hohen Temperaturen noch unerträglicher macht. Viele Hitzetote sind zu vermuten, auch wenn eine Berichterstattung darüber bisher fehlt.
Teheran leidet unter Hitze und Wassermangel
In solch schweren Hitzeperioden brauchen die betroffenen Menschen vor allem Trinkwasser. Doch genau dieses fehlt nun den Menschen im Iran, insbesondere in der Hauptstadt Teheran.
Nach monatelanger Dürre sind 80 Prozent aller Trinkwasserstauseen fast leer. Es wird befürchtet, dass bei anhaltender Trockenheit die Trinkwasserspeicher im September komplett erschöpft sein werden. Stundenlange Wassersperrungen lassen die Menschen in Teheran bereits jetzt dürsten. Während der langen Stromausfälle, verursacht durch die Hitze, schalten viele Klimaanlagen, die nicht solarbetrieben sind, ab. Die Regierung hat bereits Ausgangssperren bis 17:00 Uhr verhängt und das öffentliche Leben weitgehend eingeschränkt. Doch was nützen Ausgangssperren, wenn die Menschen in völlig überhitzten Räumen ohne Trinkwasser ausharren müssen? Viele fliehen daher bereits aus Teheran in den Norden Irans zum Kaspischen Meer, weil das Leben in Teheran, aber auch in vielen anderen Regionen während solcher Hitzewellen nicht mehr ertragbar ist.
Die Auswirkungen der Hitze erscheinen weitaus schlimmer als die bereits fürchterlichen Bombenangriffe Israels und der USA vor einigen Wochen.
Auch in anderen Regionen, zum Beispiel in Spanien, werden Hitze und Dürren immer unerträglicher.
In einer Gemeinde auf Mallorca wird inzwischen so drastisch Wasser gespart, dass an drei Tagen in der Woche die Wasserversorgung komplett abgestellt wird.
Der Iran, Kuwait, Irak, die Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und andere Ölstaaten erleben nun immer deutlicher, wohin ihr Ölreichtum und die zügellose Ausbeutung sowie Vermarktung der Erdöl- und Erdgaslagerstätten führen: Nach wenigen Jahrzehnten überbordenden Reichtums für die Ölscheichs geraten sie nun in unerträgliche und tödliche Hitze- und Dürreperioden, die die gesamte Bevölkerung betreffen.
Bislang ist mir kein politisches Umdenken der Ölscheich-Eliten in den Regierungen des Nahen und Mittleren Ostens bekannt. Ihre weiteren Erdöl- und Erdgasgeschäfte werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit immer mehr Klimagas-Emissionen zu noch schlimmeren Hitzewellen mit 55 oder gar 60 Grad Celsius Spitzentemperaturen führen. Ein menschliches Leben wird dann für große Teile der Bevölkerung nicht mehr möglich sein – genauso wie in vielen anderen Weltregionen mit hohen Sommertemperaturen, von Indien über Arabien und Afrika bis hin zu den USA oder Mexiko. Wenn dann abrupt auch noch Klimakipppunkte eintreten, wird es auch in weiten Teilen anderer Weltregionen für die Menschen sehr ernst werden.
Es bleibt nur eines: Das schnelle Beenden aller Klimagasemissionen in wenigen Jahrzehnten und das Herausholen der Kohlenstoffmengen aus der Atmosphäre, die die Menschheit in den letzten hundert Jahren emittiert hat. Dafür aber braucht es noch viel mehr wirtschaftliche Kipppunkte für Klimaschutztechnologien und -wirtschaftsweisen, wie sie bei der Solar- und E-Mobilitätswirtschaft bereits global auf den Weg gebracht wurden.
— Der Autor Hans-Josef Fell ist Präsident der Energy Watch Group. Er war 1998-2013 MdB für Bündnis/Die Grünen und ist Mit-Autor des Entwurfs des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2000. http://hans-josef-fell.de —
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«Nach wenigen Jahrzehnten überbordenden Reichtums für die Ölscheichs geraten sie nun in unerträgliche und tödliche Hitze- und Dürreperioden, die die gesamte Bevölkerung betreffen.
…
Ein menschliches Leben wird dann für große Teile der Bevölkerung nicht mehr möglich sein »
Das wird wieder und wieder erzählt, ist aber empirisch belegbar Unfug. Kuwait, Doha, Dammam, Manama, Muscat und seltener auch Abu Dhabi, Dubai und Riad haben bereits seit Jahren im Sommer Temperaturen von 45 Grad und mit Pech (wie jüngst wieder) auch 50 Grad. Und weil diese Städte (bis auf Riad) am Meer liegen, haben sie nicht, wie so viele annehmen, ein trockenes Wüstenklima, sondern zumindest in den küstennahen Bereichen auch eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Teils wird schon seit Jahren immer wieder mal die Feuchtkugeltemperatur von 35 Grad überschritten, bei der Menschen bei längerem Aufenthalt im Freien sterben.
Und? Wollen die Menschen da alle weg? Sterben da die ganzen Alten? Hat von da eine Massenmigration eingesetzt? Nein. Ganz im Gegenteil. Die Bevölkerungen wachsen teils explosionsartig. Auch für viele hier ist z.B. ein Dubai ein Traumziel. Man würde da gern leben (was ich überhaupt nicht teile). Wie kann dann das Narrativ stimmen, dass z.B. Südspanien unbewohnbar wird?
Nicht falsch verstehen: Der Klimawandel ist real. Seine Auswirkungen sind katastrophal bis existenzbedrohend und wir müssen alles Mögliche tun, um den Klimawandel zu begrenzen. Aber der Klimawandel ist eben auch längst Realität. Es geht längst auch um die Mitigation von Klimawandelfolgen.
Klimaanlagen wurden vor über 100 Jahren erfunden. Sie sind billig. Sie sind hocheffizient (umgekehrte Wärmepumpen mit einem COP von 5-8). Und immer wenn die Sonne alles aufheizt, haben wir genug klimaneutralen PV-Strom, um sie zu ohne variable Kosten betreiben. 2-3 Grad höhere Durchschnittstemperatur und 5 Grad höhere Maximaltemperatur durch den Klimawandel sind deshalb nicht das große Problem für die Menschheit.
Auch Wassermangel ist nicht das Problem. Meerwasserentsalzung kostet heute noch 30 Cent für 1000 Liter. Die gleichen Kosten haben wir in Deutschland für die Aufbereitung des Grundwassers. Wenn heute Südspanien oder Sizilien Wassermangel haben und das viel trockenere Israel oder Dubai trotz drastischem Bevölkerungswachstums nicht, dann liegt das nur an politischen Versäumnissen. Letztere haben rechtzeitig Meerwasserentsalzungsanlagen und Wassernetze gebaut. Südspanien und Sizilien nicht.
Ein extrem trockenes und heißes Land mit unfruchtbarem Boden wie Katar hat heute nahezu 100% Eigenversorgung bei Gemüse. Wie geht das? Mit-Hightech-Gewächshäusern mit extrem geringen Wasserbedarf.
Das signifikante Teile der Erde unbewohnbar werden, weil es da zu heiß oder zu trocken wird, ist deshalb belegbar Unsinn. Nirgends drohen ganzjährig Feuchtkugeltemperaturen über 35 Grad und die Probleme Hitze und Wassermangel sind mit lange existenter Technologie billig mitigierbar. Da muss nicht, wie bei der Kernfusion erst noch etwas erfunden werden. Es ist seit Jahren alles da. Selbst in Pakistan und Indien bauen die Leute sich eine billige chinesische Klimaanlage in die Hütte und weil das Stromnetz unzuverlässig liefert dazu noch ein paar PV Panel auf das Dach.
Was uns dagegen zusetzen und reihenweise umbringen wird, sind in Quantität und Intensität zunehmende Wetterextreme. Stürme, Starkregen, Fluten, Gewitter, ausgedehnte Dürren, … daneben auch großflächige Brände und das Artensterben.
Alle Wohnungen in Deutschland mit einer Klimaanlage auszustatten, würde ca. 80 Mrd. kosten. Über 20 Jahre verteilt weniger als 1 Promille des BIP. Das ist darstellbar. Allein alle Gebäude in Deutschland für Stürme mit deutlich höheren Windgeschwindigkeiten zu wappnen, würde zig Billionen kosten. Das bekommen wir nicht gestemmt.
Saudi-Arabien holt das Fass Öl für 12 Dollar aus dem Boden. Wenn sie es auf dem Weltmarkt für um die 72 Dollar verkaufen, machen sie 60 Dollar Gewinn pro Fass. Wenn sie grünen Wasserstoff oder E-Fuels produzieren, können sie froh sein, wenn sie noch 5-10 Dollar pro Fass(-Äquivalent) erzielen. Und deshalb haben sie ein überragendes wirtschaftliches Interesse, noch so viel Öl (und Gas) wie möglich zu verkaufen. Wenn ihnen das niemand mehr abnimmt, werden sie breit umschwenken auf grünen Wasserstoff und E-Fuels (z.B. für die Luftfahrt), wofür sie exzellente Voraussetzungen haben. Und die unmittelbaren Klimawandelfolgen sind dort eben mitigierbar. Und deshalb ist es aus deren Sicht eine rationale Entscheidung, weiter so viel Öl wie möglich zu fördern. Es liegt an uns und unseren Partnern nicht an den Saudis, zum einen die Nachfrage nach Öl und Gas abzuwürgen und zum anderen durch Forschung dafür zu sorgen, dass Erneuerbare Energie billiger wird.
Das funktioniert dann – selbst bei den Saudis. Die verstromen z.B. bisher viel Öl. Ein Fass Öl enthält 1590 kWh Energie. Ölkraftwerke laufen mit etwa 40% Wirkungsgrad. Allein die Ölkosten bei der Verstromung von Öl belaufen sich dann auf 1,9 Cent/kWh Strom. Die realen Kosten für Ölstrom dürften bei 2,5-3 Cent/kWh liegen. PV-Strom erzeugen die dort für 1,5 Cent/kWh. Selbst für die Saudis mit den weltweit niedrigsten Ölförderkosten rechnet es sich mittlerweile, so viel wie möglich Ölstrom durch PV-Strom zu ersetzen. Ganz ohne CO2-Bepreisung. Damit kriegen wir sie.
Ein beachtenswerter Beitrag!
U.a. die m.E. besonders hilfreiche Einführung/Nutzung von Mehrwasser-Entsalzungsanlagen (mit PV-Strom) könnte gerade für Meeres-nahe Wüstengebiete schon seit Jahren erhebliche Erleichterungen für die Wasserversorgung der Bevolkerung liefern. Das würde aber auch zur (Wieder-) Begrünung solcher Wüstengebiete – und damit zur lokalen Temperatursenkung – beitragen. Auch eine lokale Agrar-Wirtschaft und damit Lebensmittel-Versorgung wäre damit einrichtbar.
Vielen Dank, Gernot!
Es scheint nicht böse gemeint zu sein, aber zu behaupten, das sei für die Menschen dort kein echtes Problem, ist übelst zynisch. In etwa wie „Qu’ils mangent de la brioche!“ – Sollen sie doch Kuchen essen! Alle in Pakistan, Iran, … sollen sich doch einfach alle eine Klimaanlage besorgen, ja?! Dass die für die Gastarbeiter in den Ölstaaten nicht mal so eben den Einkommens-Gegenwert von ein paar hundert Euro kostet, ist klar, oder?
Es geht um:
https://www.theguardian.com/science/2021/mar/08/global-heating-tropical-regions-human-livability
Jetzt ca. 40%, künftig 50% der Menschen leben dort, wo man eigentlich schon jetzt bzw. bald nicht mehr normal leben kann, weil es lebensgefährlich ist, rauszugehen! Das ist extrem krass!
Zur Erinnerung: Dort gibt es keinen ausgeprägten Winter! Es kann das ganze Jahr über zu heiss werden (ausser vielleicht zur Regenzeit, aber dann ist es megaschwül).
Wir sind überall auf der Welt evolutionär und technologisch (Kleidung etc.) darauf abgestimmt, ohne Hochtechnologie im Freien oder unter einem relativ einfachen Dach zu überleben. Und nun?
https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/kuwait-node/kuwaitsicherheit-204130#content_2
Es wird gefährlich, rauszugehen. Der Mensch kann nicht mehr ins Freie. Das ist nachgerade absurd!
Zitat aus dem Guardian: “If this limit is breached, infrastructure like cool-air shelters are absolutely necessary for human survival … Given that much of the impacted area consists of low-income countries, providing the required infrastructure will be challenging.”
Das ist sehr milde gesagt. Und ich weiss es aus erster Hand.
Erstens habe ich zeitweise in Argentinien studiert und ich habe dort reiche und arme Freunde. Die Reichen, klar, ist ja alles kein Problem. Die (relativ) Armen leben in einem zum Dorf aufgeputzen Slum (barrio), mit Wellblechdach mit Pappe drunter als Isolation. Leiste ich mir einen Gebrauchtwagen (weit zur Arbeit mit dem Rad – und gesundheitsgefährdend, wobei es da ja noch einen „Winter“ gibt!) oder eine Klimaanlage? Das ist eine sehr, sehr ätzende Frage, wenn man sie sich stellen muss und das Geld eigentlich nicht hat!
Zweitens: Gruss aus Japan, wo ich lebe! Wir haben fünf Klimaanlagen im (gemieteten) Haus, aber unser Vermieter hat Balkonsolar abgelehnt (geht nicht ohne seine Erlaubnis). Ich habe von SO bis SW alles abgeschattet, bis jetzt ging es diesen Sommer ohne Klimaanlagen. Nächste Woche wird es nicht gehen – es geht bis über 30° Feuchtkugeltemperatur. Dann wird gewarnt, dass man drinnen bleiben soll, Klimaanlage nicht vergessen. Also Strom aus Gas, Kohle, zunehmend wieder Kernkraft. Wasserkraft auch, aber PV- und Windausbau gehen schleppend voran, bei eigentlich guten Voraussetzungen für eine EE-Vollversorgung.
Die Leute auf Hokkaido (Nordinsel Japans, Klima mit Deutschland vergleichbar) installieren jetzt auch zunehmend Klimaanlagen. Ok ist das nur, wenn man das Geld als Kleingeld betrachtet. Wenn sich das jemand kauft, dem 30°C (meine Komfortgrenze mit Ventilator) im Innenraum zuviel sind oder auch „nur“ 28°C, der freut sich doch nicht darüber – und auch nicht über weniger Skifahren und mehr Regen im Winter.
Und: Doch, die sterben da. Die Wanderarbeiter auf dem Bau. Die Pilgerer. Und in anderen Ländern in den Breitengraden eben doch Alte, Kinder, alle, die keine ach so billige Klimaanlage haben. Natürlich sterben nicht alle, aber die Zunahme an Hitzetoden wird grösser sein als die Abnahme von Kältetoden (die es bislang viel mehr gab als Hitzetode). Mehr gestorben wird auch hier in Japan – z.B. Ältere, die sich die Stromrechnung nicht leisten können (Strompreise fast wie in Deutschland).
Alles wirklich nicht schön. Und das ist Fells Grundaussage. Das braucht man nicht zu verharmlosen.
Ergänzend: Saudi-Arabien hatte und hat schwer zu schaffen mit der Wasserversorgung. Auch alles andere als „harmlos, die Technik löst alle Probleme!“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Saudi-Arabien > Geographie > Wasser
das dritte Werkzeug wäre die Kühlung, wie schon William Shockley and Hans J. Queisser 1961(Detailed Balance Limit of Efficiency of pn Junction Solar Cells) für PV Zellen vorgeschlagen haben.
„Die Elektromobilitätsrevolution: Norwegen wird als erstes Land mit offensiver Elektromobilität ausführlich vorgestellt. Heute wird dort fast kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr gekauft“
Dazu sollte man aber auch die Hintergründe kennen und benennen.
Das hat zu 95%+++ nichts mit Umweltbewusstsein vom Norweger zu tun.
Vor kurzem hörte ich Herrn Habeck in der Diskussion mit Herrn Sloterdijk. Darin führte er aus, dass die apokalyptischen Nachrichten kontraproduktiv seien. Die Leute könnten dergleichen nicht mehr hören und würden sich von der Thematik abwenden.
Das mit den Kipppunkte muss man glauben, oder auch nicht. Sie sind so definiert, um Panik zu verbreiten. Wirklich erkennen kann man sie allenfalls im Nachhinein .
Moin und Servus.
Mein Eindruck ist , dass die Klimaerwärmung seltsam schnell voranschreitet. Kaum jemand hat es vor 10 Jahren für möglich gehalten, dass die Arktis im Sommer zukünftig eisfrei sein könnte. Mittlerweile wird dies als sehr wahrscheinlich angesehen.
Die Arktis ist aber nach wie vor ein gigantischer Eisblock, und das Abschmelzen wird extrem viel Wasser-Luft-Wärmeenergie vernichten. Dadurch wird das eigentlich fein austarierte Erdklima ( bis 1850 n.Chr.) , vermutlich zusätzlich massiv angerempelt werden.
Um wenigstens ein mikroskopisch kleines Zusammengehörigkeitsgefühl der Nationen und Völker auf der Erde im Klimaverständnis zu schaffen, könnte eine globale „gespiegelte“ Klimaversicherungsprämie eingeführt werden, analog zu „Hartz 4 / ALG2/ Bürgergeld“. Wenn man die Träume der „harten , aber Gerechten “ in Deutschland realisieren würde, und zum 01.01.2028 das Bürgergeld vollumfänglich abschaffen, wäre die weitere Entwicklung vermutlich so :
° Nach einer Woche werden die ersten Discounterscheiben nachts eingeschlagen , und der Discounter wird geplündert.
° Nach drei Wochen verschwinden werthaltige Gegenstände wie E-Bikes ,Autos , E-Scooter von ungesicherten Privatgrundstücken
° Nach einem Monat werden Raubüberfälle mit Körperverletzung signifikant zunehmen.
Weiter will ich mir so ein furchtbares Szenario gar nicht ausmalen.
Jedenfalls sind hungrige, gestresste und frierende Menschen nicht unbedingt zu 100% gesetzestreu und fatalistisch und sagen zu sich :“ Gut , ist jetzt eben so ….gehe ich halt arbeiten…oder bleib hier ruhig und gesetzeskonform sitzen , bis mich das Schicksal letal entnimmt !“ …sondern Sie werden randalieren, rauben und rebellieren.
Das Bürgergeld hat sicher primär die Aufgabe Menschen ein Leben auf Mindeststandard zu ermöglichen, aber zusätzlich ist es wie eine Versicherung gegen Plünderung . Diese „spiegelbildliche“ Versicherungsprämie zahlen die vermögenden Steuerzahler , damit der Schaden hoffentlich nicht eintritt. Normalerweise wird eine Versicherung erst nach einem Schadenfall aktiv, und verhindert keinen Schaden passiv , darum schreibe ich spiegelbildlich. Als „Schadenfreiheitsrabatt 77“ müssen besitzende von Wohneigentum in der BRD ihr 280 Quadratmeter-Grundstück nicht mit einer 3 Meter hohen kameraüberwachten Mauer umgeben , die Akku-Rasenmäher verstecken und die Fahrräder auf dem Privatgrund in Ketten legen.
Genauso könnte ein Klimageld auf ein Weltbankkonto gezahlt werden, auch von Staaten die ihr chilliges Leben auf blütenweissen Sofas mit Erdöl und Erdgas finanzieren. Das Geld fließt dann in globale Klimaschutzinfrastruktur. Die Zahlenden versichern sich damit zumindest ideeel gegen die Klimakrise , was eine Verbundenheit schafft.
Ich habe da vollsten Vertrauen in die United Nations/ Vereinten Nationen. Die machen das schon.
Sehr geehrter Herr Fell,
Ich habe die gleiche Meinung. Spare die Emissionen von CO2 wo ich nur kann.
Mit freundlichen Grüßen
Georg
Thema Meerwasser-Entsalzungsanlagen :
Prinzipiell eine ideale Nutzung – aber was passiert mit dem extrahierten Salz ? Zurück ins Meer ist wohl die gängigste Methode. Dies ist jedoch sehr kritisch bzgl. der zusätzlichen Versalzung der Meere mit Folgen für die zusätzliche latent-Erwärmung und Trägheitsprobleme in der Umwälzung des Meerwassers . Ganz zu schweigen von negativem Einfluss auf die „Unterwasser-Vegetation“ bei Seegras, Algen, Voralldn-Riffen etc.
Man könnte das gewonnene Meersalz doch ebenso als Prozessmasse für Energiespeicher verwenden – sogenannte Latentwärmespeicher. Und diese zur Energie-Stromherstellung nutzen – sag ich mal als Laie …
Dem Grundsatz der Nachhaltigkeit folgend, wäre dies die ideale Mehrfachnutzung !
Vielleicht findet sich jemand, der sich mit dem Thema weitergehend beschäftigt ?
Nirgends laufen so viele Entsalzungsanlagen wie am Persischen Golf. Der hat über die Straße von Hormuz nur eine schmale Anbindung an das arabische Meer und den Indischen Ozean und somit einen geringen Wasseraustausch.
Vor Jahren hatte ein Wissenschaftler Alarm geschlagen, dass am persischen Golf durch die ganzen Entsalzungsanlagen eine Versalzung und eine ökologische Katastrophe droht. Seitdem haben es unzählige Wissenschaftler untersucht und alle sind zu den gleichen Schlüssen gekommen. Ist insgesamt unproblematisch. Lediglich da, wo man die Lauge zurück ins Meer leitet, kann die Ökologie örtlich eng begrenzt etwas leiden. Das kann man aber mitigieren, in dem man das nicht einfach aus einem Rohr ins Meer laufen lässt, sondern die Lauge flächig verteilt einleitet.
Es gibt auch Experimente, das Salz in Beton zu verwenden. Ebenso ist denkbar, das Salz oder einen Teil davon für die kommenden Natrium-Batterien zu nutzen
Nicht nur für Energiespeicher. Im Meer ist eine Vielzahl an wertvollen Ressourcen, wie Lithium oder sogar Uran, sie sind halt leider nicht in konzentrierter Form erhältlich. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich da noch einiges in der Filterung und Extraktion technologisch entwickeln wird, sodass eine Entsalzungsanlage vielleicht das universelle Bergwerk der Zukunft sein könnte, welches in Zeiten von Klimawandel gleichzeitig gegen den Wassermangel helfen könnte.
Dann ist das Geschäftsmodell weniger die Masse eines Produktes, als die Vielfalt der Verwertung… außer natürlich NaCl. Klar, dieser Löwenanteil in Form von Salz müsste dann strategisch direkt vor Ort z.B. mit der Produktion von Natrium-Speicher abdecken. Vielleicht erscheint das irgendwann wirtschaftlich, wenn die Energie dafür mit Erneuerbaren spottbillig ist und die Speicher für Pufferung vor Ort produziert und gleichzeitig genutzt werden können. Wind und Sonne sind ja glücklicherweise gerade an diesen Orten oft massig vorhanden…
Wir werden sehen wer Recht behält, 20.000 Klimaforscher, oder ihr Besserwisser. Egal was kommt, wir werden es wohl nicht mehr ändern können.