Agora Industrie: Politik muss Unternehmen beim Umstieg auf klimaneutrale Produktion unterstützen

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Eine Transformation der Grundstoffindustrie in Deutschland gilt als wesentlicher Baustein für das Erreichen der Klimaziele. Agora Energiewende weist darauf hin, dass die Produktion von Stahl, Basischemikalien und Zement für 60 Prozent der industriellen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Um die Unternehmen bei der Umgestaltung ihrer Produktion zu unterstützen, plant die Bundesregierung, bis zum Sommer sogenannte Klimaschutzverträge beziehungsweise Carbon Contracts for Difference (CCfD) auf den Weg zu bringen. Mit diesen auf einen Zeitraum von zehn Jahren angelegten Verträgen garantiert der Staat die Refinanzierung von Investitionen in klimafreundliche Industrieanlagen, die Betriebe noch nicht allein über den Markt erzielen können.

Agora Industrie hat gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Future Camp, dem Ecologic Institut und dem Wuppertal Institut in einer aktuellen Studie analysiert, worauf es bei der Ausgestaltung von Klimaschutzverträgen ankommt. Unter anderem müssen sie mit weiteren Politikinstrumente ergänzt werden, um den Übergang in ein marktbasiertes System sicherzustellen. Vom Sinn solcher Verträge ist das Autorenteam überzeugt: Mit ihrer Hilfe können demnach die Emissionen der CO₂-intensiven Stahl-, Chemie- und Zementindustrie noch in dieser Dekade um mehr als zwanzig Millionen Tonnen CO2 jährlich sinken. Das entspreche etwa einem Drittel der laut Klimaschutzgesetz erforderlichen Minderungen in der Industrie von 68 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr bis 2030. Die staatliche Absicherung der Mehrkosten einer klimafreundlichen Produktion sei zudem eine wichtige Voraussetzung für den frühzeitigen Aufbau einer klimaneutralen Industrie in Deutschland und den Erhalt der rund 280.000 Arbeitsplätze. Wegen ihrer langen Lebenszeit müssten Industrieanlagen schon heute auf Klimaneutralität 2045 ausgerichtet werden, um Fehlinvestitionen und damit die zukünftige Schließung von Industriestandorten zu vermeiden.

Für den Aufbau von klimafreundlichen Anlagen in der Stahl-, Zement und Ammoniakproduktion, rechnet Agora mit Mehrkosten für Investitionen von bis zu acht Milliarden Euro. Um höhere Betriebskosten – etwa durch den Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff statt fossiler Brennstoffe – auszugleichen, veranschlagt Agora die benötigten Garantien auf bis zu 34 Milliarden Euro. Die effektiven Kosten für Klimaschutzverträge können demnach aber mit einer geeigneten Reform der deutschen und europäischen Klimapolitik auf zwei Milliarden Euro gesenkt werden, so dass der Bedarf an staatlichen Zuschüssen für die Transformation dieser Industrien auf insgesamt rund zehn Milliarden Euro sinken würde. „Die Zahlung fällt umso geringer aus, je erfolgreicher der Aufbau von Infrastrukturen voranschreitet, je schneller die Kosten für erneuerbaren Strom und Wasserstoff gesenkt werden und je konsequenter die Reform der CO₂-Bepreisung und der Aufbau grüner Leitmärkte umgesetzt werden“, sagt Frank Peter, Direktor von Agora Industrie.

Zur Finanzierung der Klimaschutzverträge kommen laut Agora existierende Förderinstrumente sowie Garantien durch den Bundeshaushalt oder den Energie- und Klimafonds in Frage. Neben dessen Stärkung als Klima- und Transformationsfonds sei eine weitere Kapitalisierung mit Haushaltsmitteln, Krediten und Erlösen aus dem Emissionshandel erforderlich. Gestützt von der staatlichen Absicherung über Klimaschutzverträge sei es dann die Aufgabe der Unternehmen, sich in den kommenden zehn Jahren als Vorreiter der klimaneutralen Transformation aufzustellen und ihre Standorte zukunftsfest zu machen.

Wie Agora Industrie weiter ausführt, ist der Anschub der Industrietransformation gleichzeitig ein wichtiger Anker für den Aufbau der für die Klimaneutralität nötigen Infrastruktur, etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Stromnetze und der Wasserstoffwirtschaft. „Je ganzheitlicher der Ansatz der europäischen und deutschen Klimapolitik ist, desto niedriger sind die Transformationskosten und umso höher ist der Nutzen für unsere Gesellschaft“, so Peter.

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