pv magazine Podcast: Wie viele Gigawatt Photovoltaik-Kleinanlagen müssen auf Deutschlands Dächer?

Eine Verdreifachung des Solarstroms aus Kleinanlagen von geschätzten 6 auf 19 Prozent der Bruttostromerzeugung erscheint ambitioniert. Dazu müssten Anlagen mit 140 Gigawattpeak auf Dächern zugebaut werden. Michael Claußner von Energy Brainpool und Peter Ugolini-Schmidt von EWS Schönau erklären im Podcast, wie dieses Potenzial zustande kommt und gehoben werden kann.
Montage: pv magazine

Es gab in den vergangenen Jahren schon einige Schätzungen von Wissenschaftlern zu der Frage, wie viel Solarstrom man eigentlich von deutschen Dächern ernten könnte, wenn alle verfügbaren Dachflächen belegt wären. Doch die tatsächlichen Ausbauzahlen blieben immer weit hinter den Möglichkeiten zurück. Mitte September erschien eine Studie von Energy Brainpool, die sich erneut dieser Frage widmete und, nach verschiedenen Abschlägen, das tatsächlich und in den nächsten zehn Jahren Umsetzbare mit 140 Gigawattpeak bezifferte.

Michael Claußner

Foto: Energy Brainpool

Im Podcast sprechen wir mit Michael Claußner, Mitautor der Studie und Analyst bei Energy Brainpool, und Peter Ugolini-Schmidt vom Auftraggeber und Ökostromanbieter EWS Schönau, welche Annahmen dafür gemacht wurden und wie das Potenzial realisiert werden kann. Ziel ist nicht weniger als eine Verdreifachung des Kleinanlagensegments, das die Autoren als Anlagen bis 100 Kilowattpeak definieren.

Peter Ugolini-Schmidt

Foto: EWS Schönau

Im Ausbauplan der Bundesregierung, so wie er jetzt im EEG verankert werden soll, ist es zwar schon vorgesehen, bis 2030 die installierte Photovoltaik-Leistung auf 100 Gigawatt nahezu zu verdoppeln. Doch auch das würde nicht ausreichen, um eine Ökostromlücke abzuwenden, die bei steigendem Stromverbrauch und gleichzeitigem Atom- und Kohleausstieg unweigerlich entstünde, argumentieren Claußner und Ugolini-Schmidt. Ihrer Ansicht nach ist ein stärkerer Ausbau im Photovoltaik-Kleinanlagensegment daher die beste Lösung, um die Ökostromlücke zu verhindern, da er keine zusätzlichen Flächen benötigt, die Anlagen in der Bevölkerung weithin akzeptiert sind und Strom dort erzeugt wird, wo er verbraucht wird.

Die vollständige Studie „Chancen einer Verdreifachung des PV-Kleinanlagenanteils an Strommix bis 2030“, die wir im Podcast mit den Autoren diskutieren, können Sie sich hier herunterladen.

Kommentare

Bechert
Sep 29, 2020

Peter Bechert Ich schließe mich der Meinung von Kurt vollständig an und gehe darüber hinaus, ‚verschwörunstheoretisch‘ formuliert: Bundesnetzag. und BMWi haben gar kein Interesse daran, die Dächer Deutschlands mit Modulen im Eigentum der Bürger vollzupflastern, sondern werden solange warten, bis eine große Versorgungslücke entsteht, um dann einen großen Investor in Form einer AG mit dem Finanzpotential von amerikanischen,vorderasiatischen ‚Ölbillionären‘ oder feröstlichen Potentaten als Helfer in der Not aus dem Hut zu zaubern . Bis dahin sollen die Kohle- Ölaktien ,die sicher auch noch im Besitz deutscher Banken und so mancher Politiker sind, nur sehr (!) langsam an Wert verlieren. Das letztere Problem bremst weltweit – jedenfalls in den „demokratish kapiltalistischen“ Ländern den nötigen raschen Zubau der EEn aus.

Kurt Werner
Sep 29, 2020

Wir brauchen in jedem Fall einen deutlichen Ausbau der PV. Sicher können Technik und Wirkungsgrad noch verbessert werden. Auch eine vernünftige Lösung für bestehende Anlagen die aus dem EEG herausfallen muss gefunden werden. Das Problem was ich sehe, ist die Netzintegration und das Marktdesign. Kurzum, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Im Prinzip gibt es keine Planung der Transformation auf einer bestimmten Zeitachse. Bundesnetzagentur und Politik sind keine Akteure in diesem Sinne.

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Bechert
Sep 29, 2020

Peter Bechert Ich schließe mich der Meinung von Kurt vollständig an und gehe darüber hinaus, ‚verschwörunstheoretisch‘ formuliert: Bundesnetzag. und BMWi haben gar kein Interesse daran, die Dächer Deutschlands mit Modulen im Eigentum der Bürger vollzupflastern, sondern werden solange warten, bis eine große Versorgungslücke entsteht, um dann einen großen Investor in Form einer AG mit dem Finanzpotential von amerikanischen,vorderasiatischen ‚Ölbillionären‘ oder feröstlichen Potentaten als Helfer in der Not aus dem Hut zu zaubern . Bis dahin sollen die Kohle- Ölaktien ,die sicher auch noch im Besitz deutscher Banken und so mancher Politiker sind, nur sehr (!) langsam an Wert verlieren. Das letztere Problem bremst weltweit – jedenfalls in den „demokratish kapiltalistischen“ Ländern den nötigen raschen Zubau der EEn aus.

Peter Rimbrecht
Sep 29, 2020

Die montan verkauften Panels sind 1. viel zu teuer und 2. technisch nicht optimal. Was fehlt ist eine Kühlung und jede Zelle sollte mit einem kleinen Hochsetzsteller abgeschlossen sein, deren Ausgänge parallel geschaltet sind. Dadurch wird vermieden, dass der Strom durch alle Zellen fließen muss und hohe Spannungen entstehen. Die Kosten für die kleinen Wandler amortisieren sich sehr schnell.

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Jannik
Sep 29, 2020

Wie bitte?
PV ist so billig wie nie, wir reden selbst bei Kleinanlagen von Gestehungskosten unter 7 Cent/kWh – inkl. Reparatur!
Die Module und Wechselrichter werden natürlich weiterhin günstiger und leistungsfähiger.
Aber hier braucht niemand warten, sondern PV ist heute extrem günstig, vor allem größere Anlagen produzieren schon für 3 Cent/kWh, bei <550 €/kWh Investitionskosten.

Kühlung lohnt sich derzeit nicht, der Mehrertrag ist zu gering.

Derzeit haben lange Strings ca. 600V Nennspannung bei 10A und das funktioniert – da brauchts m. E. keine Hochsetzsteller auf Modulseite die dann auch noch kaputt gehen können…

Dieter Voss
Sep 29, 2020

Was soll der Ganze Zubau wenn es nicht Genügend Speicher gibt??
Also ich habe jetzt nicht mehr genug strom um meinen wagen zu laden.