Stadtwerke Roth nehmen Solarstrom aus lokalen Post-EEG-Anlagen ab

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Edgar Michel aus Rothaurach, ein Ortsteil der bei Nürnberg gelegenen Stadt Roth, hat im Jahr 2000 auf dem Dach seines Hauses 40 Photovoltaik-Module installiert. Sie liefern bis heute verlässlich zwischen 4.000 und 4.500 Kilowattstunden Strom im Jahr. Wenn nun in einigen Monaten die für 20 Jahre gewährte EEG-Vergütung ausläuft, droht die Stilllegung der Anlage.

Das wollen die Stadtwerke Roth nun verhindern: Der Versorger bietet allen Betreibern von lokal installierten Altanlagen an, zwei Jahre lang den Strom zum Baseload-Börsenpreis abzunehmen. Der Quartalspreis lag im zweiten Quartal 2020 bei 2,026 Cent pro Kilowattstunde. Die Zähler müssen dafür nicht umgerüstet werden. Zudem bieten die Stadtwerke den Anlagenbetreibern eine Beratung an, welche Möglichkeiten zum Weiterbetrieb sie haben und welcher Aufwand damit jeweils verbunden ist.

Zum Jahresende läuft für 18 Betreiber in Roth die EEG-Förderung aus. Ihre Anlagen haben zusammen eine Leistung von 54,4 Kilowatt. Sie liefern insgesamt 45.000 bis 50.000 Kilowattstunden Strom. Aktuell sind im Netzgebiet der Stadtwerke Roth 531 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 9,14 Megawatt in Betrieb.

Die Stadtwerke Roth reagieren mit ihrem Angebot auf eine Gesetzeslücke im EEG, die einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Anlagen praktisch unmöglich macht. Deutschlandweit sind davon bis 2025 insgesamt 177.000 Anlagen betroffen. Die Bundesregierung hat angekündigt, dieses Problem mit der anstehenden EEG-Novelle zu adressieren. Das baden-württembergische Umweltministerium hatte Ende Juli einen Vorschlag vorgelegt, der den Altanlagen eine Zukunft geben soll.

Zuvor hatte bereits der Speicherhersteller Sonnen betroffenen Betreibern angeboten, ausgeförderte Anlagen zwischen 3 und 29,99 Kilowatt Leistung in seine „Sonnen-Community“ aufzunehmen. Statt Volleinspeisung würden die Photovoltaik-Anlagen im ersten Schritt auf Eigenverbrauch umgestellt. Dazu müssen die Betreiber in eine Batterie des Unternehmens investieren. Den überschüssigen Solarstrom bringt Sonnen dann über die Direktvermarktung an die Börse. Als Gegenleistung erhalten die Photovoltaik-Anlagenbetreiber eine Freistrommenge, die die Stromkosten zusätzlich zum Eigenverbrauch senkt. Zudem sind die Anlagen dann auch Teil des virtuellen Kraftwerks von Sonnen, das über Regelenergie zusätzliche Einnahmen für die Betreiber generiert.

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