Stadtwerke: Elektromobilität ja, aber bitte mit Regionalstrom

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Ohne Elektromobilität ist eine nachhaltige Verkehrswende nicht vorstellbar. Ganz in diesem Zeichen stehen die Milliardenhilfen für die Autoindustrie, die die Bundesregierung als Reaktion auf die Gewinneinbußen durch die Lockdown-Maßnahmen bereitstellt. Damit hat sie sich, anders als im Vorfeld befürchtet, gegen Kaufanreize für Verbrennerfahrzeuge entschieden. Wie stark diese Geldspritze an die Verbraucher jedoch die Nachfrage nach Elektroautos ankurbelt, bleibt abzuwarten.

Fakt ist, Elektroautos sind in den letzten Jahren nicht nur auf Automessen, sondern auch auf den Straßen präsenter geworden. Ladestationen am Straßenrand oder auf öffentlichen Parkplätzen prägen heute schon in vielen Orten das Stadtbild. Auch die kommunalen Energieversorger haben mit großem Interesse auf die damit verknüpfte Möglichkeit, ihre Geschäftsbereiche zu erweitern, reagiert. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass  Stadtwerke ohne eigene Strategie für den Ausbau der Elektromobilität mittlerweile einer schrumpfenden Minderheit angehören.

Wichtiger Baustein für die lokale Energiewende

Elektromobilität macht aber nur Sinn, wenn sie auch nachhaltig und damit ein grundlegender Baustein für die Energie- und Verkehrswende direkt vor Ort ist. Denn verbunden mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien können in den Kommunen Gewinne für die regionale Wertschöpfung erzielt werden. Diesen Hochlauf unterstützt die Bundesregierung übrigens ebenfalls im Rahmen des Konjunkturpakets: So soll der Ausbau der Ladeinfrastruktur mit 2,5 Milliarden Euro bezuschusst werden. Daher sind Betreiber von Ladestationen und Stadtwerke gut beraten, jetzt in Regionalstromlösungen zu investieren. Denn eine klimafreundliche Wertschöpfung entsteht nur dann, wenn die Stromer mit erneuerbaren Energien aus der Region angetrieben werden.

Transparenz und Flexibilität priorisieren

Aktuell stellt die fehlende Transparenz bei den Ladetarifen Autofahrer vor Herausforderungen. Noch entscheiden die Betreiber von Ladestationen, welcher Energieversorger zu welchem Angebot für den Ladevorgang zur Verfügung steht. Fahrer, die ihre Elektroautos unterwegs in Deutschland aufladen wollten, haben daher keinen Einfluss darauf, woher die Energie kommt. Im Nachbarland, den Niederlanden, ist das anders. Dort können Nutzer ihren Versorger an der Ladestation selbst auswählen. Und genau wie beim Lebensmittel, schaut der Kunde genau hin: Wer bietet welche Leistung zu welchen Preisen? Wird der Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen und kommt er aus der Region? Das heißt, für Versorger und Stadtwerke sollte es oberste Priorität sein, den Wandel in der Mobilität so nachhaltig und schnell wie möglich mitzugestalten. Dabei ist die angemessene Kommunikation der entscheidenden Wettbewerbsfaktoren eine zentrale Aufgabe bei der Gestaltung der richtigen Ladeinfrastruktur.

Zahlreiche White-Label-Regionalstrom-Lösungen machen dies möglich. Sie machen sichtbar, wie die Absicht (etwa 100 Prozent Ökostrom) und Umsetzung (möglicherweise 70 Prozent regionaler Ökostrom und 30 Prozent andere Stromquellen) der Energiebereitstellung tatsächlich zusammenhängen. Denn Label wie „100 Prozent Ökostrom“ klingen zwar für Kunden sehr attraktiv, schmücken jedoch häufig Graustromprodukte, die nicht zwingend aus regionalen und erneuerbaren Quellen gewonnen werden.

Schwankungen bei der Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien gehören zur Normalität. So fällt beispielsweise Solarstrom bei Nacht komplett aus dem Mix. Auch Windanlagen erzeugen manchmal mehr oder auch weniger Strom als vorhergesagt. Diese Abweichungen vorherzusehen und dem Kunden transparent zu machen, ist essenziell, um ein stabiles Energiesystem aufzubauen und das Vertrauen der Kunden sicherzustellen. Mit Hilfe unserer Regionalstromplattform kann der Kunden selber bestimmen, von welcher regionalen erneuerbaren Energienanlage er wieviel Strom beziehen möchte. Am Ende des Monats erhält er dementsprechend auch eine anlagenscharfe Abrechnung, die ihm einen transparenten Einblick in die Herkunft seines Stroms gewährt. Die direkte Verknüpfung des eigenen Verbrauchs mit den Erneuerbaren aus der Region steigert damit die Akzeptanz der Energiewende vor Ort, belebt lokale Energiegeschäfte und kann zu einem beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren führen.

Ob Strom für zu Hause oder das Elektroauto, Stadtwerke mit einem transparenten regionalem Stromtarif haben zukünftig einen klaren Wettbewerbsvorteil.

— Die Autorin Joyce van de Garde ist Leiterin für Innovation und Digitalisierung bei Alliander und unter anderem für die Markteinführung der Regionalstromplattform „Entrnce“ für Stadtwerke verantwortlich. Van de Garde verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Telekommunikations- und Energiebranche und hat unter anderem bei der Deutschen Telekom/T-Mobile und KPN gearbeitet. Bei KPN war sie für den Corporate Inkubator sowie für Business Development im Bereich Smart Cities und Internet of Things zuständig. —-

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