Photovoltaik-Projekte mit PPA – Quo vadis?

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In diesem Jahr kam viel Schwung in die Diskussion um förderfreie Photovoltaik-Projekte in Deutschland. Die Logik dahinter ist einleuchtend: Die Kosten der günstigsten Photovoltaik-Anlagen liegen mittlerweile unter den erwarteten Strommarkterlösen, die sich am Terminmarkt und in fundamentalen Strompreisprognosen abzeichnen. Für die Projektfinanzierung durch eine Bank muss ein Teil dieser erwarteten Erlöse über Power Purchase Agreements (PPA) abgesichert werden können. Einige Banken haben bereits angekündigt, förderfreie Photovoltaik-Projekte in Deutschland finanzieren zu wollen und auch auf der Stromabnehmerseite haben sich einige Energieversorger und Großkonzerne positioniert. Somit bestünde grundsätzlich die Möglichkeit profitabler Investitionen in förderfreie Photovoltaik-Anlagen.

Bisher halten sich die Ankündigungen konkreter Projekte in Deutschland mit etwa 280 Megawatt jedoch in Grenzen. Ist das Thema deshalb womöglich nur ein Hype oder werden förderfreie Photovoltaik-Projekte in den nächsten Jahren einen substanziellen Beitrag zur Energiewende leisten?

Neben dem alles entscheidenden Faktor der Strompreisentwicklung und –erwartung lohnt sich der Blick auf die aktuelle Projektpipeline im Stadium des Bebauungsplanverfahrens sowie auf bestehende Projekte mit Erweiterungspotenzial. Wie viel konkretes Potenzial ist also vorhanden?

Einen Überblick über die Photovoltaik-Projekt-Pipeline in Deutschland aufzubauen ist recht anspruchsvoll, da Informationen zu Bebauungsplanplanverfahren in der Regel auf Gemeindeebene veröffentlicht werden und die hohe Anzahl der Gemeinden in Deutschland die Datenbeschaffung erschwert. Des Weiteren ist der Markt von Photovoltaik-Projektentwicklern extrem segmentiert. Seit 2017 erhielten über 100 verschiedene Projektierer und Investoren einen Zuschlag, wie eine Analyse der Enervis zur Eigentümerstruktur der entsprechenden Projektgesellschaften ergeben hat.

Nichtsdestotrotz hat Enervis digitale Tools entwickelt, um die große Menge an öffentlich verfügbaren Informationen zu verarbeiten und in einem Datensatz zur Photovoltaik-Projekt-Pipeline zu aggregieren.

Eine Auswertung der gesammelten Daten stimmt zuversichtlich, dass förderfreie Photovoltaik-Projekte zumindest in den nächsten zwei Jahren einen substanziellen Beitrag zur Energiewende werden leisten können. Dabei werden drei Kategorien von Projekten eine wichtige Rolle spielen:

  1. Neue Großprojekte
  2. Ergänzung von Bestandsparks
  3. Kombination aus Zuschlag in Ausschreibung und PPA

Für die erste Kategorie gab es 2019 wichtige Fortschritte in Bebauungsplanverfahren, sodass sich Projekte mit einer kumulierten Leistung von mindestens einem Gigawatt in diesem Stadium der Projektentwicklung befinden. Dabei werden einige Projekte, die in den frühen 2010er Jahren aufgegeben wurden, nun wiederbelebt.

Das Potenzial der zweiten und dritten Kategorie hat eine wesentlich größere Bandbreite. Klammert man alle Projekte und Bestandsanlagen auf sonstigen baulichen Anlagen aus (da für diese nicht die 10 Megawatt Grenze in den Ausschreibungen gilt), ergibt sich ein Potenzial von mindestens 600 Megawatt für förderfreien Photovoltaik-Zubau.

Des Weiteren ist es noch fraglich, wie es mit einigen der großen Projekte auf sonstigen baulichen Anlagen weitergeht, die eventuell nicht als solche anerkannt werden und somit nicht für eine EEG Förderung berechtigt sind. Projekte auf sonstigen baulichen Anlagen räumten bisher in den Ausschreibungen Zuschläge mit insgesamt fast einem Gigawatt ab, es wurden jedoch bisher nur etwa 10 Prozent davon realisiert.

Für 2020 und 2021 ist demnach definitiv für signifikantes Potenzial an förderfreien PV-Projekten und damit verbundenen PPA-Abschlüssen gesorgt.

Welcher Anteil des Potenzials letztlich realisiert wird, hängt am entscheidenden Hebel der Strompreisentwicklung. Je steiler der Anstieg der PV-Marktwerte ausfällt, desto eher kommen auch kleinere und weniger kosteneffiziente förderfreie Projekte infrage, wodurch ein höherer Anteils des Projektpotenzials ausgeschöpft würde.

Für Projektentwickler ist diese Entwicklung Chance und Risiko zugleich. Die Sicherheit der EEG-Erlöse geht verloren, gleichzeitig tun sich jedoch mehr Optionen für Optimierungen auf. Ziel dabei muss es sein, den idealen Trade-off aus Kosten und Strommarkterlösen zu finden. Dies kann durch Gestaltungsparameter wie Anlagengröße, Ausrichtung, Neigungswinkel, Reihenabstand, Wechselrichter-Dimensionierung und Gestell-Technologie beeinflusst werden. Neben der Relevanz des Ertrags an einem Standort wird zusätzlich der lokale PV-Marktwert relevant, da keine Photovoltaik-Anlage vollständig mit dem Erzeugungsgang des gesamten Photovoltaik-Portfolios korreliert ist.

— Der Autor Benedikt Ziegert arbeitet als Berater bei der der energiewirtschaftlichen Beratungsgesellschaft Enervis Energy Advisors GmbH in Berlin und unterstützt Unternehmen bei taktischen und strategischen Fragestellungen der Photovoltaik-Branche. Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Konzeptionierung von Tools wie dem PPA-Atlas PV und Modellen, mit welchen Wettbewerbs- und Informationsvorteile realisiert werden können. www.enervis.de

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