Tanz auf dem Vulkan: Siemens Gamesa nimmt neuartigen elektrothermischen Energiespeicher in Hamburg in Betrieb

Teilen

Die beteiligten Partner sprechen von einer Weltpremiere: Am Mittwoch hat Siemens Gamesa Renewable Energy einen elektrothermischen Energiespeicher offiziell in Hamburg in Betrieb genommen. Mit dabei waren neben Unternehmensvertretern der für die Energiepolitik zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Andreas Feicht, und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sowie die Projektpartner Hamburg Energie und die Technische Universität Hamburg. Der eröffnete Wärmespeicher fasse rund 1000 Tonnen Vulkangestein als Energiespeichermedium. Damit ließen sich 130 Megawattstunden thermische Energie für bis zu eine Woche Speichern. Daher sind die Partner überzeugt, dass die neuartige Speichertechnologie ein Meilenstein ist, da sie eine Entkoppelung von Stromerzeugung und -verbrauch ermöglicht.

In dem Wärmespeicher wird der eingespeiste Strom mittels Widerstandsheizung und eines Gebläses in einen Heißluftstrom umgewandelt, der das Vulkangestein auf 750 Grad Celsius aufheizt. Bei Nachfragespitzen könne die gespeicherte Energie mit einer Dampfturbine rückverstromt werden. Die Speicherkapazität des Systems bleibe über die Ladezyklen konstant, hieß es von Siemens Gamesa weiter. Mit der Pilotanlage solle nun der Systembeweis des Speichers am Netz erbracht werden. Zugleich könne der Wärmespeicher für den Einsatz in kommerziellen Projekten ausgiebig getestet werden.

Erklärtes Ziel von Siemens Gamesa ist es, dass in solchen Anlagen in naher Zukunft Energie im Bereich mehrerer Gigawattstunden gespeichert werden könne. Eine Gigawattstunde entspreche dem täglichen Stromverbrauch von rund 50.000 Haushalten. „Wir brauchen daher kostengünstige, effiziente und skalierbare Energiespeicher“, erklärte Feicht mit Blick auf die Umsetzung der Energiewende.

Angaben zu den Kosten und Wirkungsgrad des Wärmespeichers machte Siemens Gamesa nicht. Allerdings erklärte CEO Markus Tacke: „Unsere Technologie ermöglicht es, Strom für viele tausend Haushalte kostengünstig zu speichern.“ Er zeigte sich überzeugt, dass die eingesetzte Technologie die Kosten für größere Speicherkapazitäten auf einen Bruchteil des üblichen Niveaus von Batteriespeichern senke. Durch die Nutzung serienmäßiger Komponenten könnten auch stillgelegte konventionelle Kraftwerke umfunktioniert und in grüne Speicher verwandelt werden.

Der Energieversorger Hamburg Energie verantwortet bei dem „Future-Energy-Solutions-Projekt“, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, den Handel mit der Speicherenergie an den Strommärkten. Dabei geht es auch um die Entwicklung flexibler digitaler Leitsystem-Plattformen für virtuelle Kraftwerke, bei denen ein angeschlossener Wärmespeicher die Erneuerbaren zwischenspeichert, um den maximalen Ertrag zu erzielen. Die TU Hamburg ihrerseits erforscht die thermodynamischen Grundlagen der verwendeten Schüttgut-Technologie, wie es weiter hieß.