In Berlin und Köln demonstrierten am letzten Samstag 36.000 Menschen für Kohleausstieg und Klimaschutz, aber die Erneuerbaren als Lösung spielten in den Reden keine Rolle

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In Berlin und Köln demonstrierten am letzten Samstag 36.000 Menschen für Kohleausstieg und Klimaschutz, aber die erneuerbaren Energien als Lösung spielten in den Reden keine Rolle Beeindruckend, wie 36.000 Menschen am Kanzleramt in Berlin und auch in Köln, sich mit großer Kraft für den Klimaschutz einsetzen (https://www.klima-kohle-demo.de).

Starke Appelle gab es bei der Demonstration in Berlin, an der ich teilnahm, an die Politik, endlich „alles zu tun“, damit das irdische Klima unter 1,5° Erwärmung bleibt. Eine super Organisation und eine wichtige Initiative der Naturschutzverbände.

Aber dennoch: Ich war höchst irritiert über die mehr als einstündigen Reden der VertreterInnen vieler Naturschutzverbände auf der Eröffnungsbühne am Kanzleramt in Berlin.

Zu Recht fordern sie in Schlagzeilen „Kohleausstieg jetzt“. Warum aber haben Redner dann die Abschaltung des letzten Kohlekraftwerkes erst bis 2030 gefordert, obwohl wie sie alle betonten, schon heute seien die Auswirkungen der Erderwärmung allgegenwärtig?

Das Wort Erdöl hatte nur ein Redner einmal kurz gestreift, das höchst klimaschädliche Erdgas wurde überhaupt nicht erwähnt, geschweige denn ein Erdgasausstieg.

Es wurde unentwegt von der Politik gefordert, alles zu tun, um den Klimawandel bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, was im Klartext heißt, dass auch die Umweltverbände das weitere Aufheizen der Erdtemperatur akzeptieren. Überlegungen die Erde wieder abzukühlen, sind in den Denkmustern der deutschen Umweltverbände offensichtlich nicht verankert.

Keiner der vielen deutschen Redner der Umweltverbände hat das Wort erneuerbare Energien überhaupt nur erwähnt! Lediglich eine Rednerin aus Polen hat völlig zu Recht die Anti-Erneuerbare Energien-Politik der polnischen Regierung kritisiert.

Kein einziger deutscher Redner der Umweltverbände hat die letzten und die aktuelle Bundesregierungen für ihre vernichtende Anti-Erneuerbare Energien-Politik kritisiert.

Die Vertagung der Entscheidung der Kohlekommission wurde zu Recht angeprangert. Niemand hatte aber das gerade im Bundestag beschlossene Energiesammelgesetz kritisiert, das den weiteren Einbruch des Ausbaus der erneuerbaren Energien zur Folge haben wird.

Alle haben sie gefordert, dass der Arbeitsplatzabbau in der Kohlewirtschaft sozial verträglich sein solle. Kein einziger hat dies auch für die Arbeitsplatzvernichtung in der Branche Erneuerbare Energien gefordert oder gar den Erhalt deren Jobs und Unternehmen. Dabei gehen die schon über 100 000 Arbeitsplatzverluste in Deutschland in der Branche erneuerbare Energien unvermindert weiter. Nicht nur die jüngsten Meldungen des Windkraftherstellers Enercon und des Solarwechselrichter Herstellers SMA in Kassel sind alarmierend.

Die Forderung die Energieversorgung in allen Sektoren auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen, wurde nicht gestellt, obwohl sie doch genau den Ausstieg aus Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom bedeutet. 100 Prozent erneuerbare Energien sind der alles entscheidende Beitrag zum Klimaschutz. Warum nur begreifen das die Naturschutzverbände nicht?

Warum nur dürfen mehrere Vertreter des NABU reden, wobei doch gerade der NABU mit seinen vielen Klagen gegen die Windenergie den Ausbau dieses emissionsfreien und klimaschützenden Ersatzes von Kohlestrom behindert?

Die Naturschutzverbände haben sehr gut Klimatschutz-Handeln von der Politik eingefordert.

Aber warum nur gab es keine Aufrufe an die Tausenden Demonstranten, den Einkauf von Kohlestrom einzustellen, zum Ökostromhändler zu wechseln, sich eine Solaranlage aufs Dach zu bauen oder sich an einer Genossenschaft für Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Biogas oder Geothermie zu beteiligen?

Alles ist wichtig: Politisches Handeln einzufordern, selbst den Klimaschutz ohne Erdölautos, Erdgasheizung und Bezug von Kohlestrom zu praktizieren und auch viele andere dazu aufzufordern. Dieser Dreiklang ist wichtig und sollte auf Demonstrationen viel stärker artikuliert werden.

— Der Autor Hans-Josef Fell saß für die Grünen von 1998 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Der Energieexperte war im Jahr 2000 Mitautor des EEG. Nun ist er Präsident der Energy Watch Group (EWG). Mehr zu seiner Arbeit finden Sie unter www.hans-josef-fell.de. —

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