Was ist nötig, was ist möglich?

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Wartung und Betrieb von Photovoltaik-Anlagen müssen zwingend individuell sein. Der Grund: Allein in Deutschland sind die geographischen Gegebenheiten so verschieden, die Einstrahlungswerte zwischen Nord und Süd so variabel, dass man nicht verallgemeinern kann – von der Vielzahl und Größenvariation der Anlagen ganz zu schweigen. Aus unserer langjährigen Tätigkeit am Markt und der Erfahrung unseres Teams bei Adler Solar können wir einschätzen, was möglich ist – viel wichtiger aber, wir beraten, was nötig ist.

Ausgangslage am Markt

Die Investitionskosten für Photovoltaik-Anlagen sind laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE seit 2006 um 75 Prozent gesunken. Hierbei sind Module derzeit für knapp 25 bis 35 Prozent der Investitionskosten verantwortlich. Allein in diesem Jahr sind nach Angaben der Modulexperten von pvXchange die Modulpreise um 30 Prozent gefallen, was zu einem Anziehen der Nachfrage geführt hat. Dadurch sinken gleichzeitig jedoch die Einspeisevergütungen und auch die Zuschlagswerte in den Ausschreibungen bewegen sich konstant unter 5,00 Cent pro Kilowattstunde.

Mit Blick auf die geringer werdenden Einnahmen sind die Betriebskosten durchgehend auf dem Prüfstand und müssen sich den Gegebenheiten anpassen. Erfahrungen aus der Branche sowie das Fraunhofer ISE kalkulieren für die Betriebskosten aktuell knapp unter einem Prozent der Investitionssumme jährlich – immer in abhängig von Projekttyp und Größe.

Für die Service-Unternehmen der Branche gilt es, den individuellen Anforderungen hinsichtlich Wartung und Betrieb gerecht zu werden und – entsprechend der jeweiligen Anlagengröße und Betreiberkonstellation – maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.

Warum O&M?

Der Betreiber braucht Kontrolle über seine Anlage. Hierbei spielen sowohl die Versicherungen als auch die Garantiebedingungen der Hersteller eine Rolle. Auch Banken können ein entsprechendes O&M-Konzept zur Voraussetzung für eine Finanzierung machen. Wichtig ist, die eigene Investition in jedem Fall abzusichern sowie Gefahr für Leib und Leben abzuwenden.

Oftmals wurde in der Vergangenheit bei Großanlagen der Projektentwickler oder Planer der Anlage direkt mit der langfristigen Betriebsführung und Wartung mit Laufzeiten von bis zu 20 Jahren betraut. Aber derart lange Vertragslaufzeiten nehmen den Anlagenbetreibern die Möglichkeit, Änderungen in Servicequalität und Preisstruktur durchzusetzen. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahre allein im Bereich der Digitalisierung, so wird deutlich, dass die Möglichkeit des schnellen Reagierens auch auf Vertragsebene gegeben sein muss.

Je nach Anlagentyp und Betreiber kann O&M auch das Asset-Management tangieren. Die Schnittstelle zwischen kaufmännischer und technischer Betriebsführung muss klar definiert sein und das operative Monitoring sollte die für das Asset-Management notwendigen Kennzahlen liefern. Die meisten Anbieter im O&M Bereich bieten nicht nur reines Monitoring, sondern auch durchgehendes Reporting, die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Klärung von Garantie- und Versicherungsfällen.

Das „perfekte Paket“

O&M kann in mannigfaltigen Versionen und Vertragsformen daherkommen. Es gibt durchaus Lösungen mit 24/7-Leitwarte und Reaktionszeiten von weniger als zwei Stunden. Nähern wir uns hier schon der Über-Überwachung? Wie sieht das perfekte Paket aus?

Im Idealfall steht ein einfaches Service-Produkt zur Verfügung. Vor allem für Kleinanlagen reicht ein Portalzugang völlig aus, über den der Betreiber informiert wird, wenn eine Störung auftritt. Dieser ist in der Regel ab 30 Euro pro Jahr erhältlich. Die meisten Wechselrichterhersteller bieten ihren Kunden heute ein integriertes Portal an, das selbständig Fehler kommuniziert und Berichte generiert. Diese Variante kann für den Eigenheimbesitzer Mittel der Wahl sein – die Fehleranalyse muss allerdings durch den Anlagenbetreiber selbst vorgenommen werden. Ungenügende PV-Kenntnisse und kryptische Fehlermeldungen führen den Anlagenbetreiber jedoch schnell an seine Grenzen, so dass ein Experte hinzugezogen werden muss.

Portale wie Solar-Log, Meteocontrol oder LiSy bieten Servicefirmen die Möglichkeit, viele Anlagen parallel zu überwachen und deren Wechselrichter und Datenlogger einzubinden. Dem Fachmann genügen im Zweifel wenige Minuten täglich, um den Zustand der Anlage bewerten zu können und eingehende Fehlermeldungen zu analysieren. Lässt sich der Fehler anhand der vorliegenden Monitoring-Daten nicht eindeutig benennen, muss die Fehleranalyse vor Ort, das heißt auf der Anlage durch einen erfahrenen Service-Techniker mit geeignetem Mess-Equipment, durchgeführt werden. Dieser kann im besten Fall die Störung direkt beheben oder aber einen Kostenvoranschlag zur Instandsetzung erstellen.

Solche Leistungen sind in einem beauftragten operativen Monitoring bereits von vornherein inkludiert, weshalb es vor allem für kommerzielle Anlagen mit weniger als 750 Kilowatt Leistung interessant ist. Die Kosten für ein operatives Monitoring, das dem Anlagenbetreiber eine durchgehende Kontrolle seiner Anlage gewährleistet, betragen im Schnitt wenige hundert Euro im Jahr. Der Betreiber erhält tägliche und monatliche Reports sowie bestenfalls eine kompetente Beratung, in wie weit die Leistung seiner Anlage gegebenenfalls weiter zu optimieren ist. Meist wird noch eine jährliche Wartung und die wiederkehrende Prüfung nach DGUV V3 – alle vier Jahre – vereinbart.

Für Großanlagen mit mehr als 750 Kilowatt ist erfahrungsgemäß ein umfassenderes Paket notwendig. Neben den Basisleistungen des operativen Monitorings gewährleistet es eine 24/7-Überwachung sowie die permanente Betreuung vor Ort. Operative Einsätze werden – entsprechend einer vorher getroffenen Rahmenvereinbarung – automatisiert durchgeführt.  Ersatzteile liegen ebenfalls vor und sind jederzeit verfügbar. Bei Anlagen dieser Größenordnung ist auch eine Trafowartung durch die Servicefirma empfehlenswert. Viele Dienstleister bieten darüber hinaus eine Beratung hinsichtlich sinnvoller Versicherungs- und Sicherheitskonzepte an. Auch die Abwicklung im Schadensfall kann in der Regel durch einen O&M-Anbieter vorgenommen werden. Für solch ein Premiumpaket wird das Angebot individuell nach Anlagengröße abgestimmt und es kann sich zwischen 7 bis 14 Euro pro Kilowatt bewegen. Die unterschiedlichen Varianten ergeben sich aus dem konkreten Leistungsumfang, dem technischen Know-how und Mitwirkungsanspruch des Kunden.

Qualität von Beginn an (im Blick)

Grundsätzlich gilt: Eine vom Fachmann geplante und umgesetzte Anlage nach geltenden Standards und Richtlinien ist der beste Schutz gegen Betriebsausfälle. Renditestreben darf nicht zu fachlichen Mängeln führen. Es ist bauseitig zwingend erforderlich, bereits im Vorfeld die anschließende Wartung und Instandhaltung zu planen. So muss das Layout der Anlage beispielsweise Wartungsgänge berücksichtigen und der Installationsort der Wechselrichter entsprechend der Herstellervorgaben gewählt sein, um das Gerät vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen. Profis wünschen sich im gängigen Falle ein System, das Störungsfälle und Kommunikationsabbrüche aktiv meldet. Darüber hinaus sind als Basiseinrichtung Fernzugriff per VPN und Analyse auf Stringebene wünschenswert.

Fazit

Das perfekte O&M-Paket ist hoch individuell abgestimmt und wird in der Diskussion mit dem Kunden erstellt. Je nach Anlagengröße und technischem Know-how ergeben sich verschiedene Konstellationen aus Betriebsüberwachung, Reporting und Wartung. Auch hier gilt im Grundsatz, dass ein Vergleich immer angebracht ist und Anlagenbetreiber sich lieber ein Angebot mehr einholen sollten. Wenn Präferenzen und Bedarfe richtig analysiert wurden, steht einer Sicherung der Investition über mindestens 20 Jahre nichts mehr im Weg.

Ole Becker ist seit 2012 in der Erneuerbaren-Energien-Branche tätig. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler verfügt über langjährige Erfahrung im O&M-Bereich bei Windkraftanlagen. Seit 2018 ist er in der Geschäftsführung von Adler Solar tätig und darum bemüht, das Beste aus den verschiedenen erneuerbaren Energien zu kombinieren. www.adlersolar.de

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