Photovoltaik-Dachanlagen für Gewerbe weiter rentabel

Die Rahmenbedingungen für Photovoltaik-Dachanlagen haben sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert. Die Kosten seien in den vergangenen Monaten im zweistelligen Prozentbereich gesunken, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Solar Clusters Baden-Württemberg und des EPC-Unternehmens Goldbeck-Solar am Montag. So lägen die Kosten für eine gewerbliche Photovoltaik-Dachanlage je nach Größe bereits unter 1000 Euro pro Kilowatt Leistung. Selbsterzeugter Solarstrom sei damit für acht bis zehn Cent pro Kilowattstunde inklusive Zuschläge, Finanzierungskosten sowie Wartung und Reparatur möglich.

Gleichzeitig blieben die Einspeisevergütungen sowie die Strompreise stabil. „Schon ohne Eigenverbrauch sind Anlagen sinnvoll“, heißt es weiter. Mit Eigenverbrauch ließe sich die Rentabilität noch steigern. Während das Solar Cluster Baden-Württemberg bei kleineren Anlagen von einer Gesamtrendite um die sechs Prozent ausgehe, ist Goldbeck Solar bei den größeren Anlagen noch optimistischer. Im Idealfall und bei perfekter Ausrichtung seien Renditen bis zu zwölf Prozent möglich.

„So oder so sprechen wir hier nicht von Risikokapital“, sagt Jann Binder, Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg, mit Blick auf die Zahlen. Vergleichbare Investments mit ähnlichen Renditen zu finden sei schwierig. Und die Attraktivität von Dachanlagen steige weiter, denn den geringer werdenden Investitionskosten stünden gleichbleibende Einnahmen gegenüber. Das Solar Cluster Baden-Württemberg und Goldbeck Solar gehen dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit von weiter steigenden Strompreisen aus, auch wenn diese momentan stabil seien. Für Gewerbetreibende liegen sie Goldbeck Solar zufolge bei etwa 18 Cent pro Kilowattstunde.

Die Einspeisevergütung für Solarstrom aus Dachanlagen zwischen 40 und 100 Kilowatt Leistung beträgt derzeit 10,6 Cent pro Kilowattstunde*. Mit Eigenverbrauch lasse sich die Rendite gegenüber der Volleinspeisung noch weiter steigern. Gewerbeunternehmen könnten so den Kauf von Netzstrom vermeiden und sparten die Differenz zwischen Stromgestehungskosten und Stromeinkauf abzüglich der anteilig zu entrichtenden EEG-Umlage. Gewerbebetriebe könnten so einen Gewinn von rund sieben Cent pro Kilowattstunde erzielen, wenn sie den Solarstrom direkt selbst verbrauchten. Bei der Volleinspeisung liege der Gewinn höchstens halb so hoch, heißt es weiter. „Man muss den Solarstrom nicht selbst verbrauchen, wenn es aber einfach möglich ist, verbessert das die Rendite-Situation“, sagt Binder.

Bei Photovoltaik-Anlagen ab 100 Kilowatt Leistung ist die Direktvermarktung des Solarstroms gesetzlich vorgeschrieben. Auch hier ließen sich ähnliche Erträge pro Kilowattstunde erwirtschaften und bei geschickter Vermarktung sogar noch mehr, heißt es aus Süddeutschland. Die Nachfrage nach Photovoltaik-Dachanlagen habe in den vergangenen Monaten spürbar angezogen. Das Solar Cluster Baden-Württemberg und Goldbeck Solar beziffern den Anstieg mit mehr als 20 Prozent. „Wir spüren, dass vor allem energetische Gesamtlösungen auf dem Vormarsch sind“, sagt Björn Lamprecht, Geschäftsführer bei dem Hirschberger EPC-Unternehmen.

Bei Speicherlösungen ist Binder noch kritisch. „Natürlich brauchen wir Menschen, die hinter dieser Technologie stehen und durch ihre Investition in Speicher die Lernkurve beschleunigen sowie Speicherpreise reduzieren. Nutzt man Speicher nur zur Eigenverbrauchserhöhung, dann erhöhen sie die Rendite der Gesamtanlage derzeit nicht“, sagt er. Speicherlösungen könnte jedoch durchaus lohnend sein, wenn sie noch für andere Zwecke wie Spitzenlastkappung bei Industriebetrieben eingesetzt würden.

*Nachtrag: Jann Binder wies nachträglich daraufhin, dass diese Rechnung nicht ganz präzise ist. Die 10,6 Cent pro Kilowattstunde beziehen sich nur auf den Leistungsanteil zwischen 40 und 100 Kilowatt. Für die darunter liegenden Leistungsteile sind die Einspeisevergütungen noch höher, so dass für eine 100 Kilowatt-Dachanlage der Tarif sogar 11,15 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Kleinere Dachanlagen über 40 und unter 100 Kilowatt bekommen entsprechend noch mehr Vergütung.