Modellregion Ahrweiler will kommunale Energiewende umsetzen

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Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „EnAHRgie“ hat ein Energiekonzept entwickelt, mit dem der Landkreis Ahrweiler bis 2030 seinen Strombedarf komplett mit erneuerbaren Energien decken kann. Projektleiter André Schaffrin stellte im Rathaussaal Bad Neuenahr die Ergebnisse des Leuchtturmprojekts vor. Das Energiekonzept soll ein Vorbild für andere Landkreise sein. Das erarbeitete Konzept müssten die Ahrweiler nun natürlich selbst umsetzen. „Wir helfen dabei natürlich auch noch nach Projektende mit unserem Fachwissen“, sagt Schaffrin auf Nachfrage von pv magazine. „Unser Ziel ist es, das Landkreise künftig eigenständig ihre Konzepte für die Energiewende erstellen.“ Neben dem konkreten Konzept für Ahrweiler präsentierte Schaffrin deswegen auch mehrere Leitfäden etwa zu den technischen Möglichkeiten, zur Finanzierung und zum Thema Bürgerbeteiligung.

Innerhalb des Projekts haben für die unterschiedlichen Schwerpunktthemen Vertreter aus Politik und Verwaltung, aus der Wissenschaft und der regionalen Wirtschaft sowie aus der Zivilgesellschaft zusammengearbeitet. Die Einbeziehung aller Akteure sei dabei sehr wichtig gewesen, da im Landkreis die verschiedenen Interessen Landnutzungskonflikte bergen würden. So konkurrieren auf den begrenzten Flächen Nahrungsmittelproduktion, nachwachsende Rohstoffe zur Energienutzung, Windkraft und Photovoltaik, Tourismus, Weinbau, Naturschutz sowie Siedlungsbau. Wie künftig auf landwirtschaftlichen Flächen Ackerbau und Photovoltaik gemeinsam funktionieren könnten, hat erst jüngst das Fraunhofer ISE in einem Modellprojekt aufgezeigt.

In einem Netzwerk aus Energieversorgern, Industrie, Handwerkern, Kommunen und Vereinen sollten bei dem Projekt in Ahrweiler die Landnutzungskonflikte analysiert und verstanden und Lösungswege rasch diskutiert und abgestimmt werden. Dabei ging es auch darum, wie lokale Unternehmen vor Ort von der Energiewende profitieren können. „Die lokale Energiewende birgt Chancen für neue Geschäftsmodelle, etwa bei der Finanzierung von Anlagen oder im Bereich Gebäudedämmung“, sagte Stefan Gustav von der Handwerkskammer Koblenz. Man müsse jedoch bedenken, dass für die einen Unternehmen Energie ein Produktionsfaktor sei, der Kosten verursacht, andere Unternehmen wiederum würden mit Produkten oder Dienstleistungen rund um Energie Geld verdienen.

Das Projekt im Landkreis Ahrweiler startete bereits im März 2015 läuft noch bis Februar 2019. Der Bericht stelle den Abschluss der ersten Phase dar. „Wir werden mit den Ergebnissen jetzt noch in andere Landkreise gehen und prüfen, wie unsere Leitfäden dort funktionieren“, sagt Schaffrin. Welche Landkreise das genau sind, ließ der Projektleiter offen. Der „Feldtest“ soll dabei sowohl in Landkreisen mit ähnlichen gesetzlichen und ländlichen Bedingungen stattfinden als auch in Landkreisen mit gänzlich anderen Voraussetzungen wie in Ahrweiler – zum Beispiel in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. „Am Ende werden die Leitfäden entsprechend der dort gemachten Erfahrungen angepasst“, sagt Schaffrin.

Das Land Rheinland-Pfalz will im Zug der Energiewende bis zum Jahr 2030 den Stromsektor bilanziell zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstellen. Dabei sei er laut den Akteuren des Projekts für Gemeinden und Städte kaum möglich, eine umfassende Energiewendestrategie ohne Unterstützung von Kooperationspartnern zu entwickeln und umzusetzen.

Das EnAHRgie-Projekt bietet unter https://www.enahrgie.de/energiekonzept/ Leitfäden zu „Szenarien und Technologieportfolios“, „Ökonomie“, „Partizipationsmodell“ und „Kooperation und Verstetigung“ sowie einen umfassenden Projektbericht.