E3/DC: Bescheidene Wünsche an die potenziellen Koalitionäre

Sie sagen, der Markt wächst. Erwarten Sie trotzdem von der neuen Bundesregierung, über die gerade die Sondierungsgespräche laufen, dass sie etwas für den Markt tut?

Also wir sind zufrieden. Aber ich würde mir wünschen, dass keine Hürden für erneuerbare Energien gelegt werden. Es wurden ja gerade wieder welche gelegt, wenn Sie nach Nordrhein-Westfalen schauen. Es ist naiv zu glauben, dass die Energiewende oder die Erneuerbaren stark auf dem Vormarsch sind, schon gar nicht bei den Elektroautos oder bei den Batterien in Deutschland oder Europa. E3/DC würde es reichen, wenn die Beteiligung der FDP zu keiner weiteren Verschlechterung führt.

Gerade im Einfamilienhaus hat eine Regierung ja relativ wenig realistische Möglichkeiten, da er strompreisgetrieben ist. Wie sehen Sie das?

Im Segment der Einfamilienhäuser sind wir zufrieden. Aber für den Gewerbebereich könnte man natürlich einiges verbessern. Ebenso für das Segment der Mehrfamilienhäuser. Das Mieterstromgesetz ist ja schon mal ein Anfang. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass auch die Vermarktung der Primärregelleistung vereinfacht wird. Da gibt es viel zu tun, angefangen beim Messkonzept. Ich sehe als Manko, dass es bei der Bundesregierung keine Wärme- und keine Verkehrswende gibt. Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Der Wasserstoff sollte nicht dadurch verteuert werden, dass manche Unternehmen die auch EEG-Umlage auf selbsterzeugten Wasserstoff zahlen müssen. Grundsätzlich wird es eine gute Sache, wenn das Elektroauto unseren Markt nach vorne zieht. Es sollte aber zumindest erneuerbar geladen werden. Da kann es im Gewerbebereich noch die eine oder andere innovative Lösung geben. Das private oder gewerbliche Laden von Elektroautos sollte nicht besteuert werden und es sollte möglich sein, Elektroautos auch wieder zu entladen. Das ist kein lächerliches Thema. Die Bundesregierung muss sich damit beschäftigen, wie sie durch Elektroautos grundlastfähig wird. Ich würde mich auch freuen, wenn es eine Wärmepumpenquote gäbe und nicht wieder Ölheizungen beworben würden. Das sind alles relativ bescheidene Wünsche.

pv magazine Webinar mit Andreas Piepenbrink

Wir wagen eine Diskussion über Preise für Speicher und Module in den nächsten drei Jahren: Im pv magazine Webinar will Andreas Piepenbrink, Geschäftsführer des Initiativpartners E3/DC, erklären, was er unternimmt, um sich den Nachschub an Batterien zu sichern, die zunehmend und vorzugsweise von Autofirmen aufgekauft werden. Moderator und pv magazine Chefredakteur Michael Fuhs wird die neuesten Bloomberg-Zahlen zum Solarmarkt diskutieren und Martin Schachinger, Gründer und Geschäftsführer pv Xchange, erläutert den Modul-Preisindex und Erwartungen für 2018 angesichts des sinkenden Mindestimportpreises.

Im Großen und Ganzen hören Sie sich sehr zufrieden an.

Die Gesamtwetterlage ist doch gut. Darüber muss man sich auch mal freuen. Auch darüber, dass unser Thema angekommen ist. Die Bürger zielen jetzt viel mehr auf Autonomie und darauf, erneuerbare Energien zuhause einzusetzen, als darauf, fluktuierende Energien in Netze bringen. Wir konzentrieren uns ja auch daher auf eine Sektorenkopplung. Wir haben einen Bundesverband für energieerzeugende Gebäude gegründet. Ich würde mich freuen, wenn man das Thema ins Kleingewerbe überträgt und das nicht wieder politisch kaputtmacht.

Wenn wir nach China schauen ist es ziemlich eindrucksvoll, wie dort Ziele gesetzt werden. 2020 darf die Batterie nur so und so viel kosten, 2020 muss die Effizienz des Solarmoduls so und so hoch sein. Ist solch eine Zielsetzung sinnvoll?

Warum soll sich die Politik im Detail mit der Industrie rumstreiten? Besser ist es, ein prinzipiell erreichbares Ziel über eine Quote zu setzen und dann zu sagen: Das habt ihr jetzt zu machen. Und wenn ihr es nicht macht, zahlt ihr Strafe. Das ist ein fairer ökonomischer Mechanismus, um einer Branche Zeit und die Chance zu geben, sich auf etwas einzustellen. Gutes Zureden hilft nicht. Das würde auch bei den Versorgern helfen. Man könnte ja mit moderaten Quoten anfangen. Ich bin ein großer Fan davon, weil dann auch eine Regierung zu realistischen Zielen kommt.

Die Energieeinsparverordnung EnEV hat ja sehr gute Anreize, oder?

Ja.

Sehen Sie, dass sie im Markt genutzt wird, um erneuerbare Energien nach vorne zu bringen?

Ein ganz klares Ja. Der Anteil der Neubauten mit Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe steigt ziemlich stark. Aber auch hier bitte nicht vergessen: Ein Installateur muss zu solch einem Haus oft hinfahren und die Arbeiten in verschiedenen Bauabschnitten machen. Das ist viel Aufwand und viel Nacharbeit, Planungsarbeit und Überzeugungsarbeit.

Morgen lesen Sie Andreas Piepenbrink im Interview zur derzeitigen Markt- und Preisentwicklung und zu den Wachstumszielen von E3/DC.