Solarwolke erzeugt Schatten und Energie

Bis Ende Oktober zeigen die Kunsthochschule und die Universität Kassel ihr Kooperationsprojekt Solar Spline: Studierende aus den Bereichen Architektur, Design, Umwelttechnik und Informatik haben bei diesem Projekt eine scheinbar freischwebende Ultraleichtkonstruktion gebaut, in die 300 gedruckte organische Photovoltaik-Module integriert sind. Wie die Projektpartner mitteilen, haben das geringe Gewicht und die einfache Integration der Module eine wichtige Rolle gespielt. Bei einer räumlichen Überdeckung von 30 Quadratmetern und einer Gesamtinstallationsfläche von rund 100 Quadratmetern betrage das Gesamtgewicht des Solar Spline weniger als 120 Kilogramm, was die Montage vereinfache und die statische Belastung gering halte. Denn dem Thema solare Energiegewinnung und Beschattung im urbanen Raum komme vor allen Dingen der Leichtbau als ressourcen-schonendes Konstruktionsprinzip zu Gute.

Die Studierenden haben für Solar Spline zwischen den Hauptseilen dünne Aluminiumrohre als Seilnetzträger gespannt, die der Kabelführung dienen und die Modulträgerfläche halten. Dazu sei extra für dieses Projekt eine Sandwichlösung aus einer transparenten, tiefgezogenen Trägerfläche für die Module mit einem auffolierten Reflektor entworfen worden. Die so entstandene Solarwolke werde durch eine räumliche Seilstruktur getragen und an über zehn Ankerpunkten im Raum befestigt. Ein Motor lasse über zwei Seilzüge die Solarzellen im Tagesverlauf der Sonne nachfolgen oder bringe sie bei geringer Lichteinstrahlung in eine Ruheposition, um den Raum unterhalb der Zellen zum Himmel zu öffnen. Um zudem den entstehenden Energieertrag der organischer Photovoltaik erfahrbar zu machen, würden je acht der Module einen Lüfter antreiben, der je nach Energiezufuhr schneller und gleichzeitig lauter werde.

Den Unterlagen zufolge verbindet Solar Spline auf eine ästhetische Weise die aktive solare Energiegewinnung mit passiver Beschattung. Als Einsatzbereiche für eine solche Kombination seien beispielsweise Überdachungen von Atrien und urbanen Plätze geeignet – in dieser Form ist das Projekt auch am aktuellen Standort an der Kunsthochschule Kassel zu sehen. Der Solar Spline könne auch als Gegenmaßnahme für sogenannte Urban Heat Islands eingesetzt oder zu einem vertikalen Element weiterentwickelt werden, beispielsweise um exponierte Südfassaden von Bestandsbauten nachzurüsten. Der Gestaltung seien dabei kaum Grenzen gesetzt.