Ecofys/Eclareon: Niedrige Kapitalkosten allein reichen nicht für Photovoltaik-Ausbau

Wenn Länder bei Photovoltaik- und Windkraft-Investitionen von den derzeit niedrigen gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) profitieren wollen, müssen sie diese mit zusätzlichen Maßnahmen zur Unterstützung Erneuerbarer flankieren. Nach einem von der European Climate Foundation geförderte "Pricetag“-Projekt müssten auf diese Kapitalkosten ausgerichtete Politikansätze entworfen werden, um nachhaltige Geschäftsmodelle und Investitionen zu ermöglichen. „Die niedrigen Zinssätze der vergangenen Jahre allein reichen nicht aus. Anleger brauchen eine klare und unterstützende Politik – in den jeweiligen Ländern und auf europäischer Ebene -, um sicherzustellen, dass erneuerbare Energien in dem Tempo und der Kapazität wachsen, die der Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft erforderlich macht", erklärt Chris Barrett von der European Climate Foundation am Dienstag.

Ecofys hat für das Projekt gemeinsam mit Eclareon die Kapitalkosten von großen Photovoltaik-Anlagen (siehe Grafik links) und Windkraft an Land in Bulgarien, Griechenland, Kroatien, der Slowakei, Rumänien und Ungarn untersucht. Demnach sind zwischen 2014-2016 die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten für die meisten wirtschaftlichen Investitionen aufgrund der Politik der Europäischen Zentralbank und der nationalen Zentralbanken gesunken. Die Kosten für Unternehmen zur Kreditaufnahmen seien um etwa 30 Prozent gefallen. Die Kapitalkosten für Photovoltaik- und Windkraft-Investitionen hätten sich jedoch in den meisten untersuchten Ländern nicht im gleichen Maße reduziert. In den Ländern sei ebenfalls kein großer Ausbau zu verzeichnen gewesen.

"Wir waren ziemlich überrascht – in den meisten Märkten gab es überhaupt keinen Ausbau der Windkraft – trotz gesunkener Kapitalkosten für solche Projekte", sagt Robert Brückmann von Eclareon. Einzig in Griechenland habe sich „eine gewisse Entwicklung“ gezeigt, obwohl dort die Kapitalkosten erstaunlich hoch seien. Der Vorteil des Landes sei, dass es „über ein mehr oder weniger funktionierendes Fördersystem“ verfüge. „Unsere Analyse zeigt, wie stark die Märkte Südosteuropas noch von stabilen politischen Rahmenbedingungen abhängen, die nachhaltige Geschäftsmodelle ermöglichen. Wir glauben, dasselbe gilt auch für andere EU-Märkte“, sagt Brückmann.

Die Kapitalkosten für Photovoltaik und Windkraft in den untersuchten EU-Staaten Südosteuropas lägen weit über jenen der am besten abschneidenden Länder. Nach den Ergebnissen der Studie bedeutet dies, dass Steuerzahler und Verbraucher in diesen Staaten unnötig viel Geld zahlten, um die die Ziele bei erneuerbaren Energien zu erreichen.

Die Investitionen in Photovoltaik und Windkraft in den untersuchten Staaten Südosteuropas würden zumeist riskanter eingeschätzt als Investitionen in Infrastruktur-Projekte. „Eine Ausnahme bildet Griechenland, das – trotz der konjunkturellen Abschwächung – mit seinen derzeitigen Fördersystemen Einnahmen ermöglichte, die hoch und zuverlässig genug waren, um Investitionen anzuziehen. Allerdings könnte das Förderniveau deutlich gesenkt werden, wenn die Kapitalkosten fallen würden“, erklärt David de Jager von Ecofys zu den Ergebnissen.

Die aktuelle Studie stellt eine Erweiterung des vorangegangenen DiaCore-Projekts dar. Ebenfalls beteilgt waren Starfish Energy und dem griechischen Forschungsinstitut EPU-NTUA. Die Ergebnisse sollen Ecofys zufolge einen Beitrag zur politischen Debatte über ein Instrument zur Risikominderung für Investitionen in erneuerbare Energien liefern. (Sandra Enkhardt)