Betriebskostenoptimierung – Kür für den einzelnen Betreiber, Pflicht für die Branche

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In Zeiten sinkender Vergütungssätze und allgemein rückläufiger Projektrenditen bei Erneuerbare-Energien-Anlagen gewinnen die Optimierung der Betriebsausgaben und die kontinuierliche Verbesserung von Bestandsanlagen zunehmend an Bedeutung. Diese Optimierung liegt zum einen natürlich im ureigenen Interesse der Betreiber. Aber auch eine weitere Perspektive ist wichtig.

Photovoltaik ist auf dem besten Wege, eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung zu werden. In einstrahlungsreichen Gegenden ist sie das – je nach Betrachtungsweise – schon heute. Exponentielles Wachstum der Erzeugungskapazitäten und technologische Durchbrüche haben zu eindrucksvollen Lernkurven in puncto Levelized Cost of Electricity (LCOE) im Bereich der Photovoltaik geführt. Der Trend ist eindeutig: Bei stetig sinkenden Investitionskosten (CAPEX) werden die Betriebskosten (OPEX) in der Gesamtbetrachtung weiter an Bedeutung zunehmen. Bereits heute können die Betriebskosten 30-40 Prozent der LCOE ausmachen. Vorausgesetzt die Systempreise sinken weiter, können es in den nächsten Jahren über 50 Prozent werden.

Da die Kosten für die Betriebsführung in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesunken sind, sehen viele Anbieter bei den aktuellen Preisen bereits das Ende der Fahnenstange erreicht. Dennoch sehe ich hier weiteres Potenzial: Die Betriebsführung kann langfristig noch effizienter, sicherer und auch günstiger werden. Hebel sehe ich in Innovationen durch fortschreitende branchenweite Vereinheitlichungen von Prozessen, Regeln und Schnittstellen sowie die weiter zunehmende Konsolidierung des Marktes. Schließlich soll Photovoltaik bei der Erreichung der ambitionierten CO2-Einsparziele des Pariser Klimaabkommens, das dieser Tage in Kraft getreten ist, eine zentrale Rolle spielen. Um diesen wichtigen Beitrag zu leisten, ist die Branche in der Pflicht auch für den Betrieb der Anlagen, zum Beispiel bei der Entwicklung gemeinsamer Standards, zusammenzuarbeiten.

Betriebskosten bieten bei Bestandsanlagen enormes Optimierungspotenzial

Insbesondere kleinere Betreiber ohne professionelles Asset-Management behandeln das Thema Optimierung der Betriebskosten bisher eher als Kür denn als Pflicht. Das ist vor dem Hintergrund der zuletzt sonnenreichen Jahre zumindest teilweise verständlich, konnten die gesetzten Zielrenditen doch meist problemlos erreicht werden. Infolgedessen gab es wenig Druck, sich unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten mit dem Thema Asset-Optimierung auseinanderzusetzen.

Dabei lohnt sich der systematische Blick auf die Optimierung der Betriebskosten natürlich nicht nur dann, wenn die Rendite der Anlage nicht den Erwartungen entspricht. Dass in den Betriebskosten der meisten Photovoltaik-Kraftwerke erhebliches Optimierungspotenzial liegt, zeigen die Ergebnisse von mehr als 100 Analysen von unabhängigen Erneuerbare-Energien-Kraftwerken, die die CEE Group für externe Betreiber in ganz Deutschland durchgeführt hat. So wurden die Vertragskonditionen der Anlagen mit dem Ziel analysiert, eine Verbesserung der Konditionen zu erreichen und die Kosten allgemein signifikant zu senken.

Gelingen kann dies beispielsweise über die Nachverhandlung von Vertragskonditionen oder über einen Anbieterwechsel. Insbesondere bei Verträgen mit kurzer Vertragslaufzeit, wie etwa Direktvermarktung, Versicherungen und Eigenstrombezug kann identifiziertes Optimierungspotenzial auch tatsächlich gehoben werden. Für diese Betriebskostenpositionen zeigten unsere Analysen ein Optimierungspotenzial mit Kostensenkungsmöglichkeiten von 35-55 Prozent. Ähnlich hoch ist das Einsparpotenzial auch bei den meisten Verträgen zur technischen Betriebsführung. Allerdings ist hier ein Anbieterwechsel wegen langer Vertragslaufzeiten oftmals nicht einfach.

Besonders im Bereich Direktvermarktung können bei den meisten der untersuchten Parks Verbesserungen erreicht werden. Wie die Analyse zeigt, haben sich dennoch viele Betreiber insbesondere kleinerer Anlagen bisher noch gar nicht mit dem Thema Direktvermarktung beschäftigt. Dabei bietet gerade dieses Segment mit durchschnittlich 1,40 Euro pro Kilowattpeak sehr hohes Einspar- bzw. Mehrerlöspotenzial. Ebenso deutliches Potenzial bieten die Versicherungspolicen: Die CEE Group hat in ihrer Analyse festgestellt, dass die Mehrzahl der analysierten Kraftwerke im Branchenvergleich zu teuer versichert ist und ein Einsparpotenzial von durchschnittlich 90 Cent/Kilowattpeak realisieren könnte. Natürlich kommt es hier häufig aufs Detail an und eine konkrete Bewertung der Versicherungen muss durch einen Makler vorgenommen werden. Gemeinsam mit dem Makler sollte darüber hinaus auch eine mögliche Reduzierung der Versicherungssumme abgeklärt werden. Aufgrund des drastischen Preisverfalls bei PV-Modulen und weiteren Komponenten ist der Wiederbeschaffungswert im Schadensfall deutlich niedriger als beispielsweise noch vor fünf Jahren.

Optimierung ist aber nicht nur eine Frage des Preises. Es zählen auch die anderen vertraglich vereinbarten Konditionen. Bei der technischen Betriebsführung ist es für viele Betreiber nicht einfach, den Leistungskatalog verschiedener Anbieter zu vergleichen und zu bewerten, ob die Leistungen Anforderungen genügen. Aber auch bei den Konditionen von Versicherungspolicen und Direktvermarktungsverträgen ist eine detaillierte Analyse erforderlich um Äpfel mit Äpfeln vergleichen zu können.

Wohin steuert die Branche?

Die Optimierung von Betriebskosten bei sinkenden Systemkosten gewinnt weiter an Bedeutung. Ich gehe davon aus, dass mehr und mehr Betreiber hier einen professionellen und systematischen Ansatz suchen. Gleichzeitig muss sich auch die Branche vermehrt um Standards und Vereinheitlichung bemühen. Das wird langfristig weitere Kostensenkungen ermöglichen.

— Der Autor Christian Bertsch-Engel ist Geschäftsführer der CEE Operations GmbH.http://cee-group.de/ —

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