China senkt Photovoltaik-Zubauziel bis 2020

Chinas Nationale Energiebehörde (NEA) hat am Montag das Ziel für die insgesamt im Land installierte Photovoltaik-Leistung von 150 auf 110 Gigawatt gesenkt. Diese sollten sich in 60 Gigawatt kleinere – sogenannte distributed – Photovoltaik-Anlagen, 45 Gigawatt Solarparks und fünf Gigawatt solarthermische Kraftwerke (CSP) aufteilen, wie die Asia Europe Clean Energy (Solar) Advisory Co. Ltd. (AECEA) mitteilte, wobei die 45 Gigawatt Photovoltaik-Kraftwerke in der Veröffentlichung nicht ausdrücklich genannt worden seien. Nach Angaben von AECEA sind bereits jetzt 45 Gigawatt an großen Freiflächenanlagen installiert und fünf Gigawatt CSP in Planung. Bei den kleineren Photovoltaik-Anlagen seien es etwa 15 Gigawatt.

Mit der Absenkung des Zubauziels droht nach einem Rekordzubaujahr eine Vollbremsung für den chinesischen Photovoltaik-Markt. In diesem Jahr sind nach NEA-Angaben in den ersten drei Quartalen etwa 27 Gigawatt zugebaut worden. Für das vierte Quartal 2016 werde eine neu installierte Photovoltaik-Leistung zwischen fünf und acht Gigawatt erwartet. Damit könnte die in China kumuliert installierte Leistung der Photovoltaik-Anlagen auf 75 bis 78 Gigawatt bis zum Jahresende steigen. Dies würde bedeuten, dass ab 2017 dann bei einem gleichmäßigen Zubau nur noch weniger als neun Gigawatt neue Photovoltaik-Anlagen jährlich zugebaut werden dürften.

Für den Jahreswechsel hat die chinesische Regierung bereits eine weitere Kürzung der Solarförderung angekündigt. Die letzte Senkung zum 1. Juli 2016 führte zu einem wahren Run im ersten Halbjahr mit rund 20 Gigawatt Photovoltaik-Zubau allein in den ersten sechs Monaten. AECEA erwartet, dass es für den Fall die derzeit diskutierten Senkungen der Photovoltaik-Einspeisetarife kommen in dieser Form auch im kommenden Jahr zu einem Boom bis September kommen könnten, da dann Projektierer noch von den derzeitigen höheren Vergütungen profitieren könnten. Dann wäre die Frage, wieviel Zubau noch für die Jahre 2018 bis 2020 übrigbleibt, wenn es die chinesische Regierung mit den 110 Gigawatt ernst meine.

AECEA sehe in den 110 Gigawatt allerdings ein „Minimumziel“ mit Spielraum für mehr. So sei das Ziel der 12. Fünf-Jahresplan-Periode bis 2015 von 35 Gigawatt auch übertroffen worden. Die installierte Photovoltaik-Leistung in China übertraf zum Ende des vergangenen Jahres mit 43 Gigawatt die in Deutschland. Es sei daher davon auszugehen, dass die heutige offizielle Ankündigung ebenfalls überschritten werde, hieß es weiter. Die Frage sei nur, wie stark. AECEA hat zwei Szenarien entworfen, die bei einer kumulierten Photovoltaik-Leistung zwischen 135 und 147 Gigawatt bis 2020 landen.

Experten schätzten die Modulkapazitäten der Photovoltaik-Hersteller in China momentan auf 80 bis 90 Gigawatt. Der weltweite Photovoltaik-Zubau wird von den meisten Solar-Analysten für dieses Jahr bei rund 70 Gigawatt erwartet. Im kommenden Jahr könnte er deutlich darunter liegen – da in China eben weniger als die 30 bis 35 Gigawatt aus diesem Jahr neu installiert werden dürften. Bereits zur Jahresmitte hatte die Kürzung der Solarförderung durch die Regierung in Peking weltweit die Preise für Solarmodule einbrechen lassen, da chinesische Hersteller mit aggressiven Preisstrategien nach neuen Absatzmärkten suchten.

Die Preise für Solarmodule sind seit Beginn des zweiten Halbjahrs um rund 20 Prozent gesunken. Luc Grare, Senior Vice President Sales and Marketing bei REC Solar, sprach bereits Anfang September von einem neuerlichen Preiskampf. „Man kann hier schon von einem Versagen der chinesischen Politik reden. Sie haben attraktive Einspeisevergütungen angeboten und dadurch sind allein im ersten Halbjahr schon fast 20 Gigawatt in China aufgebaut worden. Die Politik hat dann zu spät reagiert“, sagte Grare weiter. Alle Hersteller weltweit seien gezwungen, an dem Preiskampf teilzunehmen, da sie andernfalls Lagerbestände aufbauen würden, die sie abwerten und unter Herstellungskosten verkaufen müssten. Grare schließt in Folge des neuen Preiskampfs eine erneute Konsolidierungswelle unter den Tier-2 und Tier-3-Herstellern, vor allem in China, nicht aus.

Mit einer Absenkung der eigenen Zubauziele könnte die chinesische Regierung den Preiskampf weltweit angesichts der massiven Überkapazitäten der heimischen Hersteller noch weiter anheizen. Viele große Produzenten aus China habe das in Europa geltende Undertaking mit Mindestimportpreisen und Einfuhrvolumen mittlerweile bereits verlassen oder wurden wegen Verstößen von der EU-Kommission ausgeschlossen. Sie müssen damit Zölle von rund 50 Prozent auf ihre in China gefertigten kristallinen Solarmodule und Solarzellen bei der Einfuhr in die EU zahlen. (Sandra Enkhardt)

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