El Salvador – der „hidden champion“ der zentralamerikanischen PV-Märkte

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Mit der Ankündigung einer zweiten Ausschreibung für 170 Megawatt (MW) Solar- und Windstrom im Oktober 2015 hat El Salvador die Aufmerksamkeit der Solarbranche auf sich gelenkt. Zu disem Zeitpunkt waren erst eineinhalb Jahre seit der Durchführung der ersten großen Ausschreibung über 100 MW vergangen. Die Ausschreibungen und die Rahmenbedingungen haben längst das Interesse von Projektentwicklern, Technologielieferanten, EPCs und Investoren geweckt. Auch wenn die zentralamerikanischen Nachbarländer Honduras und Guatemala eine höhere installierte PV-Leistung vorweisen können (in Honduras wurden binnen kurzer Zeit Solarparks mit einer Leistung von etwa 350 MW errichtet) – die Projektpipeline rückt derzeit El Salvador in den Fokus.

Aber Schritt für Schritt. Die Statistik für 2015 zeigt, dass sich der Energiemix im kleinsten Land Zentralamerikas nicht substanziell verändert hat. Die Zusammensetzung der Energieträger ist seit Jahren relativ gleichbleibend: 43 Prozent (%) der Energie wird von fossilen Kraftwerken erzeugt, die importierte Brennstoffe verwenden. Bedingt durch zunehmend unregelmäßige Niederschlagsmengen macht die Geothermie mit 26% der Wasserkraft (25%) inzwischen den zweiten Platz streitig – ein international außergewöhnlicher Wert.

El Salvador: Energieerzeugung nach Technologien (2015); Quelle: erstellt durch Kaltenbach Energy Consulting, Datenquelle: CEPAL

Die Energiestatistik spiegelt aber (noch) nicht den kleinen Solarboom, der seit etwa drei Jahren in El Salvador stattfindet und der endlich für eine energetische Nutzung der hervorragenden Einstrahlungsbedingungen sorgt. Der für die Energiepolitik zuständige Nationale Energierat (Consejo Nacional de Energía, CNE) hat mit drei Ausschreibungen entscheidende Impulse für die Entwicklung des Solarmarktes gegeben, Ziel ist die Diversifizierung des Energiemixes und eine höhere Unabhängigkeit von Ölimporten.

Um Erfahrungen mit den für El Salvador neuen Erzeugungstechnologien zu sammeln wurde begann CNE 2013 mit einer Ausschreibung über 15 MW für dezentrale regenerative Erzeugungstechnologien, 6 MW des Kontingents gingen an Solarprojekt mit einer maximalen Projektgröße von 400 Kilowatt (kW). Die Projekte bekamen ein PPA mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Ein weiteres Megawatt wurde für PV-Eigenverbrauchsprojekte bis 5 kW reserviert, inklusive net metering.

Der nächste und größere Schritt war eine Ausschreibung über 100 MW für PV (60 MW) und Windenergie (40 MW) mit einem PPA über 20 Jahre. Da sich die Windprojekte mit zu hohen Gebotspreisen disqualifizierten, wurden die 100 MW am Ende vollständig an Solarprojekte vergeben. Großer Gewinner der Ausschreibung war der französische Investor Neoen (60 MW), weiterhin wurden die Projekte Solar Reserve (20 MW) sowie Trinidad I (8 MW) und rinidad II (6 MW) bezuschlagt, nachdem sie akzeptiert hatten, ihre Anfangsofferte auf das Niveau des Maximaltarifes für Windenergie (123,41 US-Dollar/MWh) zu senken. Neoen gelang es über einen bilateralen PPA mit dem Energieversorger Delsur die Projektgröße auf 80 MW zu erweitern.

Aber obwohl die Regierung sehr an einer zügigen Projektrealisierung interessiert ist, hat Neoen erst in diesem Frühjahr mit dem Bau begonnen und damit zwei Jahre von der Bezuschlagung bis zur Baureife benötigt. Herausforderungen im Genehmigungsverfahren und langwierige Verhandlungen bis zum Abschluss der Finanzierung durch die Interamerikanische Entwicklungsbank waren die wesentlichen Gründe.

Zwischenzeitlich hatte die Regierung bereits im Oktober 2015 die nächste Ausschreibung über 150 MW angekündigt, die später auf 170 MW erweitert wurde. Die 170 MW teilen sich in 100 MW für Solarenergie und 70 MW für Windenergie. Der Zeitraum für Einschreibung und Registrierung der Teilnehmer begann am 15. Juni und endet am 29. August 2016.

Die Angebote sollen bis zum 20. Oktober eingehen, die Stromabnahmeverträge bis Januar 2017 unterzeichnet sein. El Salvador ist ein kleines Land und so deuten Beobachtungen und der Flurfunk darauf hin, dass es bei dieser Ausschreibung eine deutlich höhere Beteiligung geben wird.

Aber es lohnt auch der Blick auf andere Geschäftsfelder. Der Markt für PV-Anlagen für den Eigenverbrauch wächst stetig, auch wenn das billige Öl einen Strompreisrückgang ausgelöst hat und eine Netzeinspeisung von Überschüssen bis heute nicht möglich, weil die Regierung noch immer nicht wie geplant die Net-metering-Regelung eingeführt hat. Zu den Leuchtturmprojekten zählen die PV-Anlagen von Súper Selectos, der größten Supermarktkette des Landes. Die Supermärkte haben einen hohen und konstanten Energieverbrauch und sind daher prädestiniert für den Eigenverbrauch von Solarstrom. Die operativen Betriebsergebnisse (und die positive Außenwirkung) einer Anfang 2014 errichteten PV-Versuchsanlage mit 100 kW auf einem Supermarkt in San Salvador hat die Geschäftsführung überzeugt. Bis heute hat Súper Selectos mehr als 1 MW in PV-Anlagen auf verschiedenen Standorten investiert. Viele Unternehmen sind dem Beispiel gefolgt. Laut CNE sind bis jetzt über 12 MW an kleinen und mittelgroßen PV-Anlagen installiert und viele weitere befinden sich in der Planung oder Umsetzung– vor vier Jahren waren es nur 164 kW.

— Der Autor Ulrich Kaltenbach gründete die Kaltenbach Energy Consulting für die Beratung und Projektentwicklung rund um erneuerbare Energien in Lateinamerika. Er berät Technologielieferanten, Dienstleister, EPCs und Investoren beim Marktzugang. Kaltenbach Energy Consulting organisiert derzeit mit dem Lateinamerika Verein und der Handelskammer Hamburg eine Konferenz über „Erneuerbare Energien in Zentralamerika – Marktbedingungen und Geschäftsmöglichkeiten“, die am 5. September 2016 im Plenarsaal der Handelskammer Hamburg stattfinden wird. —

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