Mercom: Niedergang von Sunedison als warnendes Beispiel für Solarindustrie

pv magazine: Was sind die Hauptgründe, die zum Bankrott von Sunedison geführt haben?

Raj Prabhu: Dem Unternehmen ging es bis Juli vergangenen Jahres wirklich gut, als seine Marktkapitalisierung bei mehr als 10 Milliarden US-Dollar lag. Ursprünglich ging Sunedison aus MEMC hervor. Es war eines der ersten, das das Yieldco-Modell im Photovoltaik-Bereich startete und Terraform gründete. Später fügte es dann noch Terraform Global hinzu, was nach meiner Ansicht zu viel des Guten war. Die Probleme begannen nach der Gründung der Yieldcos. Nach der Yieldco-Struktur müssen Vermögenswerte dorthin verschoben werden, damit die weiter wachsen können.

In dieser Phase begann das Unternehmen sehr aggressiv zu werden und ein einen Kaufrausch zu verfallen, was zur Ansammlung von einer Menge Schulden führte. Es begann auch sorglos bei seinen Akquisitionen zu werden und begann Windanlagen zu erwerben, die nicht zum Kerngeschäft gehörten, und Marktbeobachter stutzig machten. Aber solange der Aktienkurs weiter stieg, schienen alle zufrieden.

Der Wendepunkt kam mit der Übernahmeankündigung von Vivint Solar, einem Dachanlagen-Anbieter, der als strategische Ergänzung keinen Sinn machte. Diese Akquisition war ein bisschen zu viel für die Investoren von Sunedison, die bereits skeptisch waren. Nachdem die ersten Investoren ausstiegen, begann der Aktienkurs zu fallen und schließlich brach alles zusammen.

Die gesamte Akquisitionsstrategie war auf einem steigenden Aktienwert aufgebaut. Solange die Kurse weiter stiegen, gab es die finanziellen Mittel, um Übernahmen zu tätigen. Als der Aktienkurs anfing in die andere Richtung zu gehen, fiel alles zusammen. Die Vivint Übernahmen war dabei der Anfang vom Ende. Die Marktkapitalisierung sank von 10 Milliarden US-Dollar auf weniger als 50 Millionen US-Dollar in nicht mal einem Jahr. Dies ist ein ziemlich dramatischer Absturz und ein warnendes Beispiel für den Rest der Solarindustrie.

Sunedison-Vorstandschef Ahmad Chatila hat den Verkauf von Vermögenswerten angekündigt. Wie wird sich das auswirken und kann das funktionieren? Haben Sie eine Idee, wie viele und welche Projekte verkauft werden könnten?

Vor ein paar Tagen hat Sunedison ein Massedarlehen verkündet. Mit dem Chapter 11-Verfahren können sie den Geschäftsbetrieb weiterführen, während sie die Schulden restrukturieren. Ich bin nicht sicher, welche Vermögenswerte sie verkaufen werden, um die Schulden zu begleichen. Ich bin sicher, dass sie alle Vermögenswerte auf der ganzen Welt suchen werden, die nicht bereits gesichert sind. Sie werden dabei wahrscheinlich alle Portfolio und Länder einzeln betrachten, um zu sehen, was zu welchem Preis verkauft werden kann.

Was bedeutet der Konkurs von Sunedison für die Solarindustrie als Ganzes?

Dies beeinträchtigt die gesamte Solarindustrie langfristig nicht. Ich sage das, weil ich seit 2007 eine Menge von Hochs und Tiefs im Sektor gesehen habe. Zunächst gingen viele Technologiefirmen aus dem Geschäftsfeld raus, weil es ein Überangebot gab. Dann brach der Polysilizium-Preis zusammen, gefolgt von einer Rezession, in der die Unternehmen nur schwer Geld einsammeln konnten. Doch es gibt den Sektor immer noch. Trotz alldem ist die Industrie nicht nur noch da, sondern beginnt wieder zu wachsen. Die weltweiten Photovoltaik-Installationen lagen 2007 bei nur drei Gigawatt und Mercom sagt für 2016 Installationen von rund 65 Gigawatt voraus. Das ist ein beeindruckendes Wachstum für einen Sektor, der eine Menge Schläge verkraften musste.

Die Investorenwahrnehmung für Photovoltaik-Unternehmen könnte durch den Bankrott von Sunedison beeinflusst sein. Davon abgesehen sollten versierte Anleger aber verstehen, dass es sich um einen Einzelfall handelt und viele gut geführte Solarunternehmen gibt.

Die Fragen stellte Christian Roselund.

Übersetzt und bearbeitet von Sandra Enkhardt.

Die Originalversion finden Sie aufwww.pv-magazine.com. Dort erklärt Prabhu auch noch die zu erwartenden Auswirkungen der Sunedison-Insolvenz auf das Yieldco-Konzept im Allgemeinen.