Investitionen in Erneuerbare steigen weltweit auf Rekord von 285,9 Milliarden US-Dollar

Im vergangenen Jahr ist weltweit die neue Rekordsumme von 285,9 Milliarden US-Dollar in Erneuerbare-Energien-Anlagen – wobei große Wasserkraftwerke nicht enthalten sind – investiert worden. Dies sei ein Anstieg um fünf Prozent und liege über der bisher höchsten Summe aus dem Jahr 2011, heißt es im aktuellen Bericht der Frankfurt School-UNEP Centre und Bloomberg New Energy Finance. Dies sei angesichts der Wechselkursveränderungen zum US-Dollar bei gleichzeitig niedrigen Preisen für Öl, Kohle und Gas sehr erstaunlich.

2015 sind dem Bericht zufolge Windkraft und Photovoltaik mit einer Gesamtleistung von 118 Gigawatt neu installiert worden. Auch dies übertreffe den bisherigen Höchstwert von 94 Gigawatt aus dem Jahr 2014. Auch ohne Berücksichtigung der großen Wasserkraftwerke hätten die Erneuerbaren mit einem Anteil von 53,6 Prozent erstmals die Mehrheit aller neu installierten Kapazitäten ausgemacht. Dabei hätten die Investitionen in neue Erneuerbaren-Anlagen mehr als doppelt so hoch gelegen wie in neue Kohle- und Gaskraftwerke. Gerade in den Schwellen- und Entwicklungsländer, zu denen im Bericht China, Indien und Brasilien gezählt werden, hätten ihre Investitionen um 19 Prozent auf 156 Milliarden US-Dollar steigern können (siehe Grafik). Dabei komme China allein schon auf 102,9 Milliarden US-Dollar, was 36 Prozent der weltweiten Investitionen seien.

In den Industrieländern gebe es hingegen ein Minus von acht Prozent. Dort seien 2015 insgesamt noch 130 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert worden. Gerade auch in Europa sei eine stark rückläufige Tendenz zu verzeichnen gewesen. Die Investitionen seien um 21 Prozent auf 48,8 Milliarden US-Dollar gesunken, dabei sei auf dem Kontinent mit 17 Milliarden US-Dollar so viel wie nie zuvor in Offshore-Windparks investiert worden. Die USA konnten dagegen einen Anstieg um 19 Prozent auf 44,1 Milliarden US-Dollar verzeichnen, heißt es in dem Bericht. Mehr als zwei Drittel davon entfielen demnach auf die Installation neuer Photovoltaik-Anlagen. In Japan blieb die Investitionssumme im Vergleich zu 2014 mit 36,2 Milliarden US-Dollar nahezu gleich, was vor allem am anhaltenden Boom bei kleinen Photovoltaik-Dachanlagen gelegen habe.

Insgesamt lagen die Investitionen in Photovoltaik und Solarthermie im vergangenen Jahr global bei 161 Milliarden US-Dollar, wie der Bericht zeigt. Dies sei ein Anstieg um zwölf Prozent gegenüber 2014. Die Investitionen bei der Windkraft seien um vier Prozent auf 110 Milliarden US-Dollar gestiegen. Bei allen anderen Erneuerbaren-Bereichen seien dagegen rückläufige Investitionen zu verzeichnen.

Die Autoren des Berichts verzeichnen auch ein weiteres Sinken der Kosten, gerade bei der Photovoltaik. Im zweiten Halbjahr 2015 hätten die Stromgestehungskosten für Photovoltaik bei 122 US-Dollar pro Megawattstunde gelegen – nach 143 US-Dollar pro Megawattstunde im Vorjahreszeitraum. In einigen Teilen sei es noch wesentlich günstiger, wie der Stromabnahmevertrag für die 200-Megawatt-Photovoltaik-Anlage in Dubai zeige, bei der eine Vergütung von 58,5 US-Dollar pro Megawattstunde vorgesehen ist.

Auch bei kleinen Photovoltaik-Dachanlagen sei weltweit ein weiterer Rückgang der Kosten zu verzeichnen. Japan sei wegen seit 2012 geltenden attraktiven Einspeisevergütungen der größte Markt für dieses Segment. Die Preise seien seither von 6,05 auf 3,18 US-Dollar pro Watt gefallen. Auch die USA, Australien und Deutschland als weitere große Märkte für Photovoltaik-Dachanlagen hätten weitere Preisrückgänge gesehen. In den USA seien nun durchschnittliche Systemkosten von 2,84 US-Dollar pro Watt erreicht. In Australien habe es einen noch stärkeren Rückgang gegeben und sie lägen bei 1,77 US-Dollar pro Watt. In Deutschland seien die Preisrückgänge ähnlich stark gewesen. Dort lägen die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage bis zehn Kilowatt mittlerweile bei durchschnittlich 1,66 US-Dollar pro Watt – der niedrigste Wert unter den größten Märkten. Weitere Kostensenkungen seien aber durchaus noch möglich. So sei durch bessere Technologie und neue Produktionsverfahren eine Reduktion der Modulkosten um mindestens 36 Prozent in den kommenden zehn Jahren möglich, wobei auch die durchschnittliche Effizienz um 20 Prozent steigen dürfte.

Die Autoren verweisen in ihrem Bericht auch darauf, dass die politische Unterstützung für die erneuerbaren Energien weltweit immer noch sehr wankelmütig sei. So habe es in Großbritannien nach der Wahl im Mai 2015 einen „weniger freundlichen Umschwung“ gegeben. Allerdings sei weltweit ein wachsendes Interesse an Batteriespeichern – gerade in Kombination mit Photovoltaik und Windkraft – zu verzeichnen, heißt es weiter. 2015 seien 250 Megawatt an Großspeichern (ausgenommen Pumpspeicher und Bleisäure-Batterien) weltweit installiert worden. 2014 seien es noch 160 Megawatt gewesen. Die angekündigten Projekte erreichten bereits 1,2 Gigawatt. (Sandra Enkhardt)