Schweiz: Photovoltaik mit größtem Wachstumspotenzial bis 2050

Die Schweiz liegt mit ihrem bereits geringen CO2-Emissionen im internationalen Klimaschutz schon weit vorn. Dennoch sollen die Treibhausgasemissionen bis 2050 weiter sinken. Das UBS Chief Investment Office Wealth Management (UBS CIO WM) hat dafür nun Daten von Behörden und Verbänden ausgewertet, um Potenziale aufzuzeigen und den möglichen Gesamtenergiemix der Schweiz bis zur Mitte des Jahrhunderts zu erforschen. Das Ergebnis der Energiespezialisten lautet, dass bis 2050 die Erneuerbaren und Gaskraftwerke in der Schweiz an Bedeutung gewinnen. Rund 90 Prozent des Stroms würde dann auch erneuerbaren Energien stammen. Der Wasserkraft komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Die UBS-Energiespezialisten sagen der Photovoltaik bis 2050 aber das größte Wachstum voraus. Ihr Anteil könnte dann bei 16 Prozent liegen. Der heutige Energiemix der Eidgenossen besteht aus knapp 60 Prozent Erneuerbaren – vor allem Wasserkraft – und etwa 40 Prozent Atomkraft.

Für die Wasserkraft, die derzeit bereits etwa 50 Prozent Anteil hat, sehen die UBS-Analysten einige Hemmnisse für den weiteren Ausbau. So kämpfe diese derzeit mit niedrigen Stromerzeugungspreisen und mangelnder Profitabilität. Dennoch sollte der UBS-Studie „Neue Energie für die Schweiz“ zufolge der Anteil der Wasserkraft bis 2050 auf etwa zwei Drittel steigen. Bei der Photovoltaik steige hingegen mit den sinkenden Preisen die Wettbewerbsfähigkeit. Daher werde auch das starke Wachstum prognostiziert. Derzeit liegt der Anteil der Photovoltaik am Schweizer Energiemix bei 1,5 bis 2,0 Prozent. 2050 sollen es dann 16 Prozent sein.

Das Ende der Atomkraft scheint besiegelt

Bei der Kernenergie gehen die UBS-Energieanalysten davon aus, dass die AKW nach Ende ihrer betrieblichen Laufzeit vom Netz gehen. Neubauten werde es voraussichtlich nicht geben, da diese „zum gegenwärtigen Zeitpunkt beim Volk nicht mehrheitsfähig“ seien, heißt es weiter. Auch die Kosten für neuen AKW seien angesichts der Sicherheitsanforderungen sehr hoch und Investitionen daher nicht rentabel.

Weiteres CO2-Einsparpotenzial besteht nach der Studie vor allem durch einen geringen Ölverbrauch im Verkehrs- und Gebäudesektor sowie in der Industrie. "Eine Elektrifizierung des Transportwesens sowie der allmähliche Wegfall von Ölheizungen dürften den Erdölkonsum markant reduzieren und den Gesamtenergiemix verändern", erklärt Carsten Schlufter, Energiespezialist bei UBS CIO WM. Je nachdem, wie schnell sich Elektroantriebe bei Fahrzeugen durchsetzten, werde die Stromnachfrage moderat steigen. Die UBS-Analysten erwarten zudem steigende Energie- und Strompreise für die Verbraucher. "Die mitunter als Konflikte wahrgenommenen Ziele Versorgungssicherheit, bezahlbare Energiepreise sowie Umweltaspekte und Nachhaltigkeit werden in der Schweiz derzeit gut gelöst", sagt UBS-Chefökonom Schweiz Daniel Kalt. Dennoch stehe das Land vor großen Umwälzungen in der Energiewirtschaft. In den kommenden Jahren müssten wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden, die dann auch zeigten, ob die Schweiz energiepolitisch ihre Vorbildfunktion bewahren könne. (Sandra Enkhardt)