Die Sommerpause neigt sich dem Ende zu: Leichte Belebung im Markt zu spüren, aber auch in den Lagern der Befürworter und der Gegner von Handelsbeschränkungen

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Der durchschnittliche Preis für in China produzierte Solarmodule glich sich im August erstmals seit etwa zehn Jahren an den Wert für in Europa produzierte Solarmodule an. Dieser bemerkenswerte Umstand ist aber nur von kurzer Dauer – bereits seit Anfang September driften die Preise wieder auseinander. Die leichte Absenkung bei asiatischen Modulen ist auf vereinzelt auftauchende preisgünstige Kontingente zurückzuführen, kann aber noch nicht als Trend bezeichnet werden. Weiterhin finden nur wenige Lieferungen aus Asien ihren Weg auf den europäischen Photovoltaik-Markt. Aus China werden meist nur noch monokristalline Module importiert, da hier ein Verkaufspreis oberhalb des MIP (Mindestimportpreis) noch akzeptiert wird. Dies gilt insbesondere für rein schwarze Module, die allerdings nur im Kleinanlagensektor eingesetzt werden.

Polykristalline Module kommen meist aus Südostasien und unterliegen (noch) keinen Preisbeschränkungen. Allerdings werden die Produktionskapazitäten in dieser Region auch durch die Nachfrage aus den USA beansprucht, wodurch entsprechend weniger Volumen für den europäischen Markt bleibt. Eigentlich dürfte es hierzulande keinen Engpass bei polykristallinen Modulen geben, da einige chinesische Hersteller eigene Produktionen in Europa und Afrika aufgebaut haben. Anhaltende Repressalien durch die EU-Kommission haben aber dazu geführt, dass dort nur noch für den US-amerikanischen Markt produziert wird oder die Fertigungsstätten wieder geschlossen werden. Man könne nicht beurteilen, welche Produkte nun tatsächlich aus Europa und welche aus China stammen, lautet die Begründung für die abweisende Haltung seitens der Kommissare.

Deutsche und europäische Produkte verteuern sich wieder, nachdem die Nachfrage Ende August, Anfang September wieder anzieht. Die Talfahrt der Preise über die letzten Monate scheint vorerst gestoppt worden zu sein. Angebote mit deutschen Modulen, deren Preise weit unter den Mindestimportpreisen für chinesische Produkte liegen, sind kaum noch zu finden. Die offizielle Erklärung der lokalen Hersteller dafür lautet, dass die tiefen Preise nur Aktionsangebote waren und die gute Auftragslage diese nicht mehr rechtfertigen würden. Andererseits hätten sich auch die Einkaufspreise für Zellen und andere Rohmaterialien verteuert.

Grafik: pvXchange.com

Es drängt sich aber der Verdacht auf, dass es auch ganz andere Gründe für ein Zurückrudern gibt. Die von den MIP-Befürwortern und deren Sprachrohr, die Vereinigung EU Prosun, vorgebrachte Argumentation, die Modulpreise vieler asiatischer Hersteller würden nicht die tatsächlichen Produktionskosten wiederspiegeln, seien daher Dumpingpreise und nur durch staatliche Subventionen haltbar, greift natürlich ins Leere, wenn man selbst zu diesen Preisen verkauft. Nun will man sich in Stellung bringen für die nächste Runde des „Solar Trade Wars“, in der es um die Aufrechterhaltung der Einfuhrbeschränkungen und um die Ausweitung auf weitere Regionen in Asien geht.

Ob die Rechnung aufgeht, werden die kommenden Monate zeigen. Immerhin gibt es auch eine starke Opposition gegen die zunehmenden Beschränkungen, der sich laufend weitere Unternehmen der Solarbranche anschließen. Im Juli formierte sich die Solar Alliance for Europe, kurz SAFE, rund um renommierte Unternehmen wie Baywa re, MVV, EnBW, Schletter, IBC Solar oder Lichtblick, um sich für die Beendigung aller Handelsbeschränkungen und ein Auslaufen des Undertakings zum 6. Dezember stark zu machen.

Interessanterweise bringen beide Lager den Verlust von Arbeitsplätzen als eines Ihrer Hauptargumente vor. EU Prosun lokalisiert diesen bei den europäischen Herstellern, welche durch den chinesischen Verdrängungswettbewerb vom Markt verschwinden, während SAFE den allgemeinen Rückgang der Neuinstallationen als Ursache für einen weit größeren Beschäftigungsverlust identifiziert.

In einer Sache sind sich jedoch Befürworter und Gegner der Strafzölle und Importbeschränkungen einig: Die Politik hat versagt und muss dringend vernünftige Rahmenbedingungen für eine positivere Entwicklung des europäischen Solarmarkts schaffen.

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponentenwww.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. Dort wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten. —