Großbritannien plant drastische Einschnitte bei der Solarförderung ab 2016

Das britische Ministerium für Energie und Klimawandel (DECC) hat am Donnerstag die Ergebnisse seiner Überprüfung der Photovoltaik-Einspeisetarife veröffentlicht. In einem Vorschlag empfiehlt es nun die Kürzung der Solarförderung um bis zu 90 Prozent. Die Senkung soll nach den Plänen zum 1. Januar 2016 erfolgen und alle Photovoltaik-Einspeisetarife betreffen. Außerdem soll es ab dann auch jedes Quartal eine weitere Degression der Solarförderung geben. Bei diesem beschleunigten Tempo der Absenkung könnten einige der Einspeisetarife bereits Anfang 2019 komplett enden.

Das DECC hat folgende neue Einspeisetarife vorgeschlagen:

  • 0 -10 Kilowatt: 1.63 Pence pro Kilowattstunde (kWh) ( derzeit 12.47p/kWh für Anlagen bis 4 Kilowatt)
  • 10-50 Kilowatt: 3.69p/kWh (derzeit 11.30p/kWh für 4-50 Kilowatt)
  • 50-250 Kilowatt: 2.64p/kWh (derzeit 9.63p/kWh (50-150 Kilowatt) und 9.21p/kWh (150-250k Kilowatt)
  • 250-1,000 Kilowatt: 2.28p/kWh (derzeit 5.94p/kWh 250 Kilowatt -5 Megawatt)
  • mehr als 1,000 Kilowatt: 1.03p/kWh (derzeit 5.94p/kWh)

(Aktueller Wechselkurs 1 Pfund = 1,37 Euro)

Mit diesen neuen Tarifen will das Ministerium nach seinem Bericht „ausreichend Anreize für die Entwicklung von gut gelegenen Projekten anbieten, die eine angemessene Rendite in den aktuellen Marktkonditionen bieten“. In der Bewertung schlägt das DECC auch vor, den Degressionsmechanismus zu ändern. Unabhängig davon, ob die Installationszahlen erreicht würden, soll es jedes Quartal eine Absenkung der Solarförderung geben. Allerdings werde auch eine zubauabhängige Degression in Betracht gezogen, die zu einer zusätzlichen Absenkung um zehn Prozent führen könnte, heißt es in dem Bericht.

In seiner Folgenabschätzung fasst das Ministerium seine Gründe für die Eingriffe in die Solarförderung zusammen und beruft sich dabei vor allem auf „finanziellen Druck“ durch den großen Erfolg beim Photovoltaik-Ausbau. Nach Aussage des DECC gibt es aber nicht die Optionen, nichts zu tun oder die Einspeisetarife vollständig abzuschaffen. Die Vorschläge sollten dazu diesen, rund sechs Gigawatt von der zusätzlichen Photovoltaik-Kapazität die bis 2020/21 in Großbritannien erwartet werde abzuschneiden.

Die britische Solar Trade Association (STA) nannte die Vorschläge „alarmiernd“. Es sei die dritte schädliche Ankündigung in diesem Sommer, mit der versucht werde, die britische Solarindustrie zu unterminieren. „Die Vorschläge, welche die Regierung heute vorgelegt hat und die nun in die Phase der Konsultationen gehen, wären enorm schädlich für die britische Solarindustrie. Wir werden nun in Rücksprache mit unseren Mitgliedsunternehmen schnell reagieren“, sagte Mike Landy, Leiter Politik bei der STA. „Wir werden eine ausführliche Antwort in Kürze zur Verfügung stellen, sobald wir die Vorschläge genauer betrachtet haben. Jedoch bedauern wir, dass die Vorschläge plötzlicher Tarifeinschnitte kombiniert mit der Gefahr, das Programm im nächsten Januar zu beenden, einen massiven Marktrausch auslösen werden. Dies ist das Gegenteil einer sinnvollen Politik, um ein besseres Preis-Leistungsverhältnis unter Wahrung der britischen Solarindustrie zu erreichen.“

Erst vor wenigen Tagen hatte eine Allianz aus führenden Unternehmen und Organisation in einem Brief an den britischen Premierminister David Cameron gefordert, keine drastischen Kürzungen der Photovoltaik-Einspeisetarife vorzunehmen. Vor einigen Wochen kündigte das DECC bereits an, die für Großanlagen bis fünf Megawatt geltende ROC-Regelung vorzeitig zum 1. April zu beenden. Die Konsultationen der derzeitigen Vorschläge sollen bis zum 23. Oktober laufen. (Ian Clover, übersetzt und bearbeitet von Sandra Enkhardt)