Vom Ende der Kohle

Der Widerstand gegen Energie aus Steinkohle und Braunkohle wächst – und zwar weltweit.

In Deutschland versucht Energieminister Gabriel mit einer CO2-Steuer auf die ältesten Braunkohlekraftwerke einen zaghaften Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle. Aber eine große Kohle-Koalition aus SPD-Ministerpräsidenten, Energiegewerkschaften und dem CDU- Wirtschaftsflügel versucht wie in einem letzten Aufbäumen zu retten, was nicht mehr zu retten ist, wenn die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele noch erreichen will. Dabei ist kein Argument zu doof, um nicht gegen Gabriels Pläne ins Feld geführt zu werden.

Sachsens Ministerpräsident Tillich (CDU) schimpft: „Mit diesen Plänen droht eine De-Industrialisierung“. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) läuft Sturm gegen Gabriels und Merkels Pläne. BCE-Chef Michael Vassiliadis sieht gar 800.000 Arbeitsplätze in Gefahr, obwohl nur noch 18.000 Menschen bei der Braunkohle arbeiten. Er schwadroniert vom „sozialen Blackout ganzer Regionen“, obwohl mehrere wissenschaftliche Studien das Gegenteil belegen: Allenfalls 4.000 Arbeitsplätze werden durch eine CO2-Steuer wegfallen, aber durch die Energiewende entstehen in den Bereichen der erneuerbaren Energien weit mehr Arbeitsplätze.

Im aktuellen Streit in Deutschland – Ende April demonstrierten 6.000 Menschen gegen die Braunkohle und ihre Folgen für tausende von Menschen, die noch umgesiedelt werden müssen, aber 15.000 Menschen für die Braunkohle – lohnt ein Blick über die Grenzen.

Die beiden Haupt-Klimasünder USA und China gehen den Kohleausstieg beherzter an als Deutschland: Allein im Stadtgebiet von Peking wurden in den letzten Monaten drei von vier Kohlekraftwerken still gelegt. Begründung: Die Gesundheit der Bevölkerung.

In den USA gehen allein 2015 durch eine ähnliche Steuer wie in Deutschland geplant 44 Kohlekraftmeiler vom Netz. China investierte 2014 über 80 Milliarden Dollar in Anlagen für erneuerbare Energien – viermal mehr als in seine alten Kraftwerke. Deshalb sank im Reich der Mitte im letzten Jahr erstmals der Kohleverbrauch und das Wirtschaftswachstum konnte vom Kohleeinsatz entkoppelt werden.

Im Gegensatz zu den absurden Argumenten der hiesigen Kohlelobby weht anderswo geradezu ein revolutionärer Anti-Kohle-Geist.

Die Gewerkschaften täuschen und betrügen ihre Mitglieder, wenn sie ihnen eine Zukunft in der Kohle versprechen. Kohle ist von gestern. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren – so sehen es beinahe 90 Prozent der Bevölkerung. Das ist volkswirtschaftlich ebenso von Vorteil wie für den Arbeitsmarkt. Ältere Kumpels werden oft krank bei ihrer Arbeit und die Jüngeren werden sich rasch einen zukunftsträchtigen Arbeitsplatz suchen müssen. Gewerkschaftliche Realitätsverweigerung und Irreführung helfen niemand. Das Ende der Kohle ist in Sicht.

– Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte aufwww.sonnenseite.com. –