Die Revolution der Erneuerbaren

Die alten Energiekonzerne haben noch vor kurzem über die erneuerbaren Energien gespottet, gelächelt und gelästert. Die Energie-Dinos haben noch vor 20 Jahren Anzeigen geschaltet, in denen sie behauptet haben, dass „Deutschland am Ende des 21. Jahrhunderts höchstens vier Prozent Strom erneuerbar erzeugen“ könne. Jetzt, im Sommer 2014, sind wir bereits bei 27% Ökostrom. Damit haben die Erneuerbaren erstmals Braunkohle und Steinkohle und Atomenergie sowieso überholt.

Das ist freilich nicht das Verdienst der „Vier Großen“, sondern engagierten Bürgern, Energiegenossenschaften, Hausbesitzern, Handwerkern, Bauern und Mittelständlern zu verdanken. Die Großen haben schlicht geschlafen und wundern sich, dass sie jetzt ein fossiles Kraftwerk nach dem anderen abschalten müssen.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung müssen RWE und Eon mehr Kraftwerke stilllegen als bisher bekannt. 50 alte Dreckschleudern sollen bereits zur Stilllegung angemeldet sein.

Was machen die „Vier Großen“ jetzt?

Sie betteln natürlich um Subventionen beim Staat und sie wollen die Entsorgung ihres Atommülls ganz dem Staat und damit dem Steuerzahler überlassen.

Dank Sonne und Wind sind die Großhandelspreise für Strom an der Leipziger Börse seit drei Jahren auf drei bis vier Cent pro Kilowattstunde gefallen. Auch deshalb schreiben die Großkonzerne rote Zahlen.

Den Riesenvorteil, dass Sonne und Wind keine Rechnung schicken, haben die alten Energieträger natürlich nicht. Die Energiebranche, die noch vor kurzem mit Angstkampagnen vor Engpässen beim Strom gewarnt hatte, erstickt geradezu in Überkapazitäten, die durch die Dynamik der Erneuerbaren entstanden sind.

Die Bunderegierung versucht zwar, mit dem neuen EEG die Energierevolution zu verlangsamen, aber sie findet dennoch statt. Mehr und mehr Bürger und Mittelständler produzieren ihre Energie selbst. Solar- und Windanlagen drängen die alten Kraftwerke immer  häufiger als dem Netz.

Deutschland hat 2013 mehr Strom exportiert  als je zuvor und die Strompreise für Privathaushalte steigen kaum noch, sie werden 2015 eher fallen – so die Prognosen.

Der Grund: Die Erneuerbaren werden von Jahr zu Jahr preiswerter. Die alten Energieversorger dürfen jetzt mal ruhig abschalten, je mehr desto besser.

– Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte aufwww.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. –