Ruhe vor dem (An-)Sturm

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Die Preise für Module aus China gönnten sich im vergangenen Monat eine Verschnaufpause, während die wenigen im Markt verbliebenen Produkte aus Deutschland ihre Aufholjagd fortsetzten. Dennoch gibt es immer noch große Preisunterschiede zwischen deutscher bzw. europäischer Ware und solcher aus China und Südostasien. Große Parks werden nämlich nur noch mit Moduleinkaufspreisen unter der 50-Cent-Marke realisiert. Kleinanlagen hingegen, welche in Deutschland mittlerweile häufig auch mit Speichertechnologie und Energiemanagement ausgestattet werden, sind nicht so preissensibel. Hier können immer noch Module eingesetzt werden, deren Preise sich in der Region oder über 60 Cent pro Watt bewegen, wie die meisten Produkte aus Deutschland, Japan oder Korea.

Die größte Nachfrage innerhalb Europas kommt nach wie vor aus Großbritannien, wo laufend neue Megawatt-Parks entstehen. Ein starker Anstieg der Installationszahlen wird allerdings im Juni und Juli auch für Deutschland erwartet, da zum 1. August die neue EEG-Regelung wieder einmal zu Ungunsten der Attraktivität eines weiteren Ausbaus der Photovoltaik angepasst wird. Bis Ende Juli muss demzufolge alles ans Netz, was sich bereits im fortgeschrittenen Planungsstadium befindet und irgendwie noch realisiert werden kann.

Auf Europas größter Solarmesse, der Intersolar, welche Anfang Juni wieder viele Branchenteilnehmer nach München lockte, suchte man nicht nur gute und vor allem preiswerte Produkte, sondern auch Auswege aus der Krise. Viele Aussteller boten „intelligente“ Systemlösungen mit Speichern und Energiemanagement an. Aufgrund der von deutschen Regierungsvertretern immer noch propagierten „Sonnensteuer“, der Beteiligung von privaten und gewerblichen Photovoltaik-Anlagen an der EEG-Umlage, darf aber bezweifelt werden, dass diese kompletten und oft auch komplexen Lösungen das Allheilmittel werden. Auch hier werden die Wirtschaftlichkeit und damit die Vermarktungsfähigkeit durch die Einkaufspreise der einzelnen Komponenten bestimmt. Speicher sind jedoch noch immer nicht so preisgünstig, dass sie in jedes Projekt automatisch integriert werden können. Für mittlere bis große Anlagen sucht man noch vergeblich nach praktikablen Lösungen.

So bleiben doch die Modul- und Wechselrichterpreise das Zünglein an der Waage – sie sind entscheidend für die Attraktivität einer Photovoltaik-Investition. Und hierbei sind die Ansprüche und Vorstellungen vieler Einkäufer sehr sportlich, wie eingangs schon dargestellt. Und so dreht sich die Preisschraube weiter nach unten, ungeachtet der EU-Regularien und der Ambitionen eines Frank Asbecks, der seinen Kampf gegen die asiatische Dominanz in der Zell- und Modulherstellung unbeirrt weiterführt, indem er beispielsweise kürzlich 1500 Verstöße gegen die europäisch-chinesische Mindestpreisvereinbarung („Undertaking“) meldete.

Doch was nützen uns allen die künstlich hochgehaltenen Preise, wenn uns dabei der Markt abhanden kommt? Dieser verlangt nach preiswerten Produkten und wird auch bedient werden, auf welchen verschlungenen Wegen auch immer. Es wird für die Beteiligten nur risikoreicher. Gewinner sind am Ende nicht die Qualitätsbewussten, die Sorgsamen und Rechtschaffenen. Nein, es werden die Rücksichts- und Verantwortungslosen sein, die Spieler, die am Ende übrig bleiben. Wir müssen den Hebel ganz woanders ansetzen – oder eben versuchen, mitzuspielen im globalisierten Markt.

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponenten www.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. —