Intersolar Europe: Neue Konzepte und Geschäftsmodelle im Fokus

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Die Anzahl der Aussteller auf der Intersolar Europe 2014 ist im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesunken, um rund 150 auf 1.134 Aussteller. Markus Elsässer vom Messeveranstalter Solar Promotion betonte während der Auftaktveranstaltung den besonders internationalen Charakter der Solarmesse in Europa. „Die Aussteller kommen nur zu 46 Prozent aus Deutschland.“ Andere stark vertretene Länder seien zum Beispiel China mit 215 Ausstellern, gefolgt von Österreich mit 44, Italien mit 32 und Frankreich mit 28 Ausstellern.

Auch was die Besucherzahlen angeht, rechnen die Veranstalter der Intersolar mit ähnlichen Zahlen wie im Jahr 2013. Insgesamt werden etwa 50.000 Besucher erwartet. Vergangenes Jahr waren es ungefähr 47.000 Besucher aus rund 150 Nationen. Im Vorfeld der Messe fand bereits die Intersolar Europe Conference statt. Hier gab es Vorträge von 300 Referenten zu hören. Rund 2000 Besucher habe die Konferenz verzeichnet.

Zu den wichtigsten Themen der Messe gehören laut Elsässer in diesem Jahr die Speicherung und Netzintegration von Solarstrom. Die Zahl der Aussteller im Speicherbereich sei um rund 25 Prozent auf insgesamt 250 gestiegen. Die präsentierten Angebote gingen diesmal auch über die reinen Batteriespeicher hinaus. Im Rahmen der Ausstellung Electrical Energy Storage (EES), die in diesem Jahr erstmals zusammen mit der Intersolar Europe veranstaltet wird, würden auch Second-Use-Konzepte, Ladestationen sowie entsprechende Leistungselektronik und Wechselrichter vorgestellt.

Auch die Kombination von Solarstrom mit erneuerbarer Wärme legt auf der diesjährigen Intersolar an Bedeutung zu. Für die Anbieter von innovativen Wärmekonzepten wurde eine eigene Halle zur Verfügung gestellt. Markus Elsässer von Solar Promotion erklärt, der Schwerpunkt liege hier immer noch auf der Solarthermie. Es seien dieses Mal aber auch 25 Wärmepumpen-Anbieter vor Ort und auch Lösungen für die Wärmegewinnung aus Biomasse würden präsentiert. Es geht um die Kombination von Wärme und Photovoltaik, die für viele Planer und Installateure schon seit längerem zum Alltag gehört, meint Elsässer. „Wir wollen das Thema weiter ausbauen.“

Ein weiterer Fokus liegt in diesem Jahr auf neuen Geschäftsmodellen rund um den Eigenverbrauch und die Direktvermarktung von Solarstrom. In diesem Kontext stellt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf der Intersolar einen neuen Investitionsleitfaden vor. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, sieht in den stark gesunkenen Stromgestehungskosten von Solarstrom einen „Nährboden für viele neue Geschäftsmodelle“. Dabei sieht er zum Beispiel Chancen für intelligente Energiemanagement-Lösungen, Speichertechnologien und innovative Dienstleistungskonzepte.

Weltweit gesehen spricht Körnig von einer erfreulichen Marktentwicklung. Im Jahr 2014 rechne man erneut mit einem Marktwachstum von etwa 20 Prozent. Den weltweiten Zubau schätzt Körnig auf 45 bis 50 Gigawatt, den vor allem Länder wie Japan, China und die USA tragen werden. Aber auch Einsteigerländer wie Indien werden aus seiner Sicht eine größere Rolle spielen.

Die Situation in Europa sei derzeit etwas schwieriger, aber auch hier werde sich der Markt wieder stabilisieren, so Körnig. Es sei zudem zu beobachten, dass der Zubau von Energieerzeugungskapazitäten kaum mehr im fossilen Bereich stattfindet sondern überwiegend bei den Erneuerbaren. „Diese Tendenz wird sich weltweit nicht mehr aufhalten lassen.“

Für Deutschland rechnet Körnig damit, dass es in diesem Jahr schon eine Herausforderung sein wird, den unteren Rand des politisch gewollten Ausbaukorridors von 2,5 bis 3 Gigawatt zu erreichen. Dafür sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz einfach zu oft in zu kurzer Zeit geändert worden. Zudem fiele die Einspeisevergütung derzeit doppelt so schnell wie die Photovoltaik-Systemkosten.

Hoffnungen setzt Körnig zum Beispiel in den Ausbau der Photovoltaik in Ballungsräumen, unter anderem auf Mietshäusern, und den Einsatz von Batteriespeichern. Im letzten Jahr seien rund 10.000 Batteriespeicher für Solaranlagen verkauft worden. Bei rund 1,4 Millionen bereits installierten Photovoltaik-Anlagen in Deutschland gebe es noch viel Nachrüstungspotenzial.

Kritik übte Körnig während der Auftaktveranstaltung der Intersolar Europe an der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung. Es werde derzeit darüber entschieden, ob wir überhaupt eine Energiewende umsetzen wollen, wer sie macht und mit welchen Technologien sie umgesetzt werden soll. Dabei stünde eine Monopolisierung der Dezentralisierung und der Bürgerenergiewende gegenüber. Nun setzte sich der BSW-Solar besonders dafür ein, dass der Eigenverbrauch von Solarstrom nicht mehr mit der EEG-Umlage belastet wird, als der Eigenverbrauch aus konventionellen Kraftwerken. Dabei habe man rund 70 Prozent der Bevölkerung und eine breite Verbändeallianz hinter sich. (Mirco Sieg)