Ist Photovoltaik in Europa noch ein Zukunftsmodell?

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Wieder haben wir einen Monat hinter uns, in dem sich nicht viel im Markt verändert hat. Es herrscht in Europa, speziell in Deutschland noch immer eine abwartende Haltung. Nach der Festsetzung der neuen Mindestimportpreise sanken die Preise allgemein um etwa drei Eurocent pro Wattpeak. Nun sind zumindest die Durchschnittspreise für chinesische Ware wieder um 0,56 Euro pro Wattpeak einzementiert. Der Preisnachlass belebte den Markt aber keineswegs. Nach wie vor herrscht eine gedämpfte Stimmung, gepaart mit ungläubigem Staunen, dass die Politik an ihrem Konzept, die Photovoltaik-Branche sterben zu lassen, nach wie vor festhält.

Einmal mehr wurden von der Bundesnetzagentur gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunkene Zubauzahlen gemeldet, was befürchten lässt, dass die Zwei-Gigawatt-Marke in Deutschland bis zum Jahresende nicht mehr erreicht wird – ein dramatischer Einbruch eines an sich noch potenzialreichen Marktes! Da bleibt kaum mehr Platz für die zahlreichen Player. Das werden sich auch die Entscheider bei Saint Gobain und Schüco gesagt haben, also sie über den Ausstieg aus der Photovoltaik entschieden haben. Der plötzliche Abschied von zwei weiteren Mischkonzernen traf in den letzten Monaten nicht nur deren Stammkundschaft.

Global gesehen ist die Situation durchaus ambivalent – es gibt neben den Schreckensmeldungen auch Lichtblicke. Die Solarmodulhersteller JA Solar, Canadian Solar, Kyocera und First Solar haben ihr Nettoergebnis im ersten Quartal 2014 durch gesteigerte Verkäufe steigern können und sogar ihre Umsatzprognosen für das ganze Jahr nach oben korrigiert. Auch Siliziumproduzenten wie Wacker und GCL meldeten steigende Umsätze und kündigten Kapazitätserweiterungen an. Lag der Siliziumpreis Mitte April noch bei durchschnittlich 15,70 Euro pro Kilogramm, könnte er bald bis über 18 Euro klettern. Der Siliziumpreis ist momentan so hoch, wie zuletzt Mitte 2012.

In Großbritannien, dem laut EurObserv’ER im Jahr 2013 viertgrößten Photovoltaik-Markt Europas, kamen im ersten Quartal diesen Jahres bereits 1.085 Megawatt Leistung hinzu, was mehr ist als die im gesamten letzten Jahr zugebaute Leistung (1.030 Megawatt). Davon entfallen 78 Prozent auf Freiflächenanlagen und nur 22 Prozent auf Dachanlagen. Wiederum zwei Drittel der Nennleistung der Freiflächenanlagen finden sich in Großkraftwerken (mit mehr als zehn Megawatt Leistung). Dieses Segment hat demzufolge auf der Insel sehr stark zugelegt. Marktforscher gehen davon aus, dass diese Entwicklung aufgrund der politischen Stabilität und des erfolgreichen ROC-Programms (Renewables Obligation Credit) weiter anhält.

Letzten Prognosen zufolge könnten in diesem Jahr weltweit 44,5 Gigawatt Photovoltaik-Leistung zugebaut werden, was einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber 2013 entspräche. Diese Entwicklung geht leider komplett am Europäischen Markt vorbei. Nicht nur die deutsche Bundesregierung, auch die EU-Kommission scheint den Photovoltaik-Zubau bremsen zu wollen. Brüssel rät dazu, Förderungen in diesem Bereich allgemein zu kürzen und die finanzielle Unterstützung auf ein Minimum zu kürzen. Der Tatbestand der unzulässigen Beihilfen innerhalb des Erneuerbare Energien Gesetzes EEG wird nach wie vor untersucht. Gleichzeitig fordern aber Atomkonzerne staatliche Hilfe ein, um sich von den unkalkulierbaren Risiken auf Kosten der Steuerzahler zu befreien – so weit kommt es noch!

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponentenwww.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. —