Ambitionierter Ausbau der Erneuerbaren verringert Netzbedarf

Greenpeace hat kurz vor Beginn des zweitägigen Treffens der EU-Regierungs- und Staatschef eine Studie vorgestellt, wonach ehrgeizige Ausbauziele für Photovoltaik, Windkraft und Biomasse in Europa unnötige Milliardenausgaben beim Netzausbau verhindern könnten. Ein schwächerer Ausbau der Erneuerbaren würde dazu führen, dass starre Kohle- und Atomkraftwerke weiterhin das Energiesystem dominierten und erneuerbaren Strom aus dem Netz drängten. Die dann notwendige Abregelung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen würden allein in Deutschland bis 2030 jährliche Kosten von 400 Millionen euro verursachen, so ein Ergebnis der Studie von Greenpeace und dem Ingenieurbüro Energynautics. Besonders problematisch sei, dass einige EU-Länder wie Polen, Frankreich oder Tschechinen an ihrer konventionellen Energieversorgung festhalten wollten. Diese nationalen Alleingänge kommen der EU aber teuer zu stehen, wie es weiter heißt.

Ein stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien würde hingegen Kosten für den Netzausbau verringern. So sei eine Steigerung ihres Stromanteils auf bis zu 77 Prozent bis zum Jahr 2030 bei weit geringeren Investitionen in den Netzausbau möglich. Europa könnte sich durch die dezentrale Stromerzeugung aus vielen kleinen Photovoltaik- und Windkraftanlagen neue Stromleitungen mit einer Gesamtlänge von 24.000 Kilometern sparen, wie ein entsprechendes Szenario der Studie zeigt. Die Versorgungssicherheit wäre dabei vollständig gewährleistet. „In Deutschland brauchen wir bei einem hohen Erneuerbaren-Anteil zum Beispiel keine Starkstromtrasse mehr, die Braunkohlestrom aus Sachsen-Anhalt nach Bayern transportiert“, erklärte Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace und Mitautor der Studie. Die Umweltorganisation forderte daher auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich bei dem Treffen in Brüssel für einen engagierten Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa stark zu machen. „Die Studie zeigt, dass die Erneuerbaren nicht nur das Klima, sondern auch den Haushalt schonen“, so Teske weiter.

Die EU-Kommission will für die einzelnen Mitgliedsstaaten nach 2020 keine verbindlichen Ausbauziele für Photovoltaik, Windkraft und Biomasse mehr vorschreiben. Sie schlägt lediglich vor, dass sich der Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf mindestens 27 Prozent steigern soll. Greenpeace fordert hingegen, dass sich die EU-Staats- und Regierungschefs weiterhin zu drei national verbindlichen Zielen bis 2030 bekennen sollten: ein Erneuerbaren-Anteil von 45 Prozent, eine CO2-Reduktion um mindestens 55 Prozent sowie Effizienz-Einsparungen von 40 Prozent. (Sandra Enkhardt)