Gabriels Energiewende braucht über 100 Jahre

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In den Jahren 2000 bis 2012 stieg der Anteil des Ökostroms in Deutschland pro Jahr um etwa 2 Prozent. Aber 2013 betrug der Anstieg unter schwarz-gelb nur noch unter 1 Prozent. Wir sind jetzt bei knapp unter 25 Prozent Grünem Strom.

Aber nun will Minister Gabriel den Anstieg weiter drosseln. Gegenüber 2013 sollen noch weniger Solaranlagen installiert und der Ausbau von Windrädern an Land weiter erschwert werden. Bei diesem Tempo, das der neue Wirtschafts- und Energiewendeminister eingeschlagen hat, dauert der 100 prozentige Umstieg nach Adam Riese mehr als hundert Jahre.

Aber diese Zeit haben wir im Angesicht des drohenden Klimawandels nicht: Wir erleben schon heute zunehmende Wettersextreme, einen Anstieg des Meeresspiegels, immer heftigere Extremstürme und Millionen Klimaflüchtlinge. Deutschland hat sich völkerrechtlich verpflichtet, die Treibhausgase bis 2050 um etwa 90 Prozent zu reduzieren. Wie aber soll das gehen, wenn die Bundesregierung die Energiewende ins 22. Jahrhundert verschiebt? In Berlin bremst Gabriel, in Bayern bremst Seehofer. Gute Nacht Energiewende!

Die weitere Drosselung der Energiewende ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar. Ohne rasche Energiewende zahlt Deutschland weiterhin pro Jahr 100 Milliarden Euro den Ölscheichs und Gasbaronen. Wenn wir diese Kosten reduzieren wollen, dann bedarf es einer Beschleunigung der Energiewende und einer Umstellung auf erneuerbare, kostengünstige Energie aus den eigenen Regionen.

Hinzu kommt: Die Folgen des Klimawandels werden nach Berechnungen der Weltbank siebenmal so teuer wie eine intelligent und rasch organisierte Energiewende.

Herr Wirtschafts- und Energieminister: Wenn Sie unter Energiewende weiterhin eine Kohlewende verstehen, dann werden Sie weder Wirtschafts- noch Energieminister bleiben, sondern der Erzengel Gabriel der alten Energiewirtschaft.

– Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte aufwww.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. –