Aufbruch nach Chile

Die chilenische Atacama-Wüste ist eine der sonnenreichsten Gegenden überhaupt und wird gerne von Touristen besucht. Da ist es ja eigentlich naheliegend, Hotels solar mit Energie zu versorgen. Technisch wird das einfacher, seit es Steuerungseinheiten gibt, die die Zusammenarbeit von Solar- und Dieselgenerator steuern (siehe pv magazine Deutschland September 2013, Seite 83). Der deutsche Projektierer Kraftwerk Renewable Power Solutions hat damit das Luxushotel Tierra Atacama Hotel & Spa ausgestattet. 96 Module produzieren künftig voraussichtlich 46.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit decken sie etwa 30 Prozent des Strombedarfs. Ein solch hoher Anteil ist mit herkömmlichen Systemen, bei denen Diesel- und Solargenerator direkt ohne Steuerungseinheit zusammengeschaltet werden, nicht möglich.

pv magazine: Zwischen Chile und Deutschland liegen über 12.000 Kilometer. Wie kamen Sie zu einem Projekt in der chilenischen Wüste?

Karsten Schulte: Als wir unser Unternehmen gegründet haben, war uns klar, dass wir uns nicht allein auf die stark geförderten Märkte Deutschland und Europa konzentrieren können. Unsere Strategie liegt in der Erschließung von Märkten außerhalb Europas, in denen die Solarenergie bereits ohne Subventionen wettbewerbsfähig ist. Chile zeigt diesbezüglich ideale Rahmenbedingungen. Wir haben an dem Business-Plan-Wettbewerb Start-Up Chile der chilenischen Regierung teilgenommen und diesen mit Photovoltaik und Energieeffizienz gewonnen. Das war 2011, und glücklicherweise konnten wir noch im gleichen Jahr unseren ersten Auftrag für ein Photovoltaikprojekt sichern. Mein Partner und ich waren Skilaufen in einem der chilenischen Skigebiete. Dort lernten wir den Hotelbesitzer kennen, mit dem wir angeregt über Nachhaltigkeit und Solarenergie diskutierten. Er erzählte uns, dass er noch ein anderes Hotel in der Wüste Atacama führt, also am sonnigsten und trockensten Flecken der Erde. Wir haben einen Besuch vereinbart. Dort wurde die Idee der Photovoltaikanlage für das Hotel geboren, die in die bestehende Versorgung mit Dieselgeneratoren einspeist und somit zu einer Verringerung der hohen Dieselkosten führt. Nach sorgfältigen Messungen des Lastprofils des Hotels haben wir die Anlage schließlich im Juli in Betrieb genommen.

Was macht die Photovoltaikinstallation aus Ihrer Sicht so besonders?

Das Herzstück der Anlage ist eine intelligente Steuerungseinheit, der HybridControl, den wir gemeinsam mit der Platinum GmbH entwickelt haben. Die Aufgabe des HybridControl ist, einen stabilen Betrieb der netzbildenden Dieselgeneratoren sicherzustellen. Die Dieselgeneratoren und die Photovoltaikanlage sollen optimal in einem parallelen Betrieb arbeiten. Im Prinzip speist die Photovoltaikanlage in ein Mininetz ein. Für das Hotel ist die Einbindung dieser sauberen, emissionsreduzierenden Lösung ein wichtiger Schritt. Natürlich auch aus Kostengründen. Um eine hohe wirtschaftliche Attraktivität zu erreichen, ist die Photovoltaikanlage in das Dieselnetz eingebunden, ohne Batteriespeicher verwenden zu müssen. So kann die Investition in den Solarstrom der Photovoltaikanlage gegenüber Strom aus dem Dieselgenerator schnell amortisiert werden. Strom aus Diesel kostet hier etwa 0,30 US-Dollar pro Kilowattstunde.

Funktioniert das Gerät ähnlich wie die anderen Steuerungssysteme, die wir in der Septemberausgabe beschrieben haben?

Wenn wir das Grundprinzip betrachten, sind die Systeme ähnlich. Der von uns eingesetzte Controller stellt sicher, dass mindestens ein Dieselgenerator als netzbildende Einheit stets in Betrieb ist. Denn ohne Dieselgeneratoren kann die mit Netzwechselrichtern ausgestattete Photovoltaikanlage nicht einspeisen. Er überwacht die Last des Hotels und regelt die Wechselrichter notfalls ab, um insbesondere eine Minimallast der Dieselgeneratoren sicherzustellen. Die Lösung lohnt sich schon bei kleinen Dieselsystemen.

Reagieren die Hotelgäste auf die Photovoltaikanlage in irgendeiner Weise?

Die Anlage wird von den Gästen sehr positiv wahrgenommen. Sie schmiegt sich sehr harmonisch und dezent in das Design des Hotelgartens ein. Die Gäste kommen gerade wegen der Natur in das Hotel, ihnen ist ein verantwortlicher Umgang mit der Natur und unseren Ressourcen sehr wichtig. Sie suchen Hotels, die dieser Philosophie folgen. So hat die Photovoltaikanlage für das Hotel auch aus Marketingsicht eine große Bedeutung. In Kürze können sich die Hotelgäste auch über eine Liveanzeige auf der Hotel-Homepage über die Anlage informieren.

Wo sehen Sie überall einen Markt für diese Systeme?

Der Markt ist insgesamt sehr groß, da weltweit jährlich Dieselkapazitäten im Gigawattbereich umgesetzt werden. Neben dem Tourismussektor sind natürlich alle netzfernen Situationen für Photovoltaik-Diesel-Hybridanwendungen relevant. Auf der Intersolar South America in São Paulo bekamen wir einige Anfragen aus dem Agrarbereich und auch von Unternehmen mit Produktionsstätten, die sich ohne Netzanbindung versorgen müssen. Aktuell haben wir auch Anfragen aus Ägypten. Die National Bank bietet attraktive Kreditkonditionen für den Einsatz von erneuerbaren Energien, explizit mit dem Ziel, den Verbrauch von Diesel zu reduzieren. Wir führen bereits Gespräche mit Hotels und im Agrarbereich, in dem wir besondere Expertise haben. Unsere erste Solaranlage in Chile haben wir für ein Fruchtunternehmen gebaut. Mit einem von uns überarbeiteten Bewässerungsplan, der möglichst der Sonne folgt, erreicht das Unternehmen mit einer 307-Kilowattpeak-Anlage eine Eigenverbrauchsquote von über 90 Prozent. Die Anlage ist allerdings netzgebunden, der Überschuss wird in das Netz eingespeist.

Das Interview führte Ian Clover

Gehen Sie bitte auf unsere Webseite www.pv-magazine.de. Dort finden Sie die Preisfrage des Gewinnspiels, die sie richtig beantworten müssen, um die Reise zu gewinnen.

Der Gewinner erhält Flugtickets für zwei Personen für eine Reise von und nach Calama (Chile), inklusive Transfer vom Flughafen zum Hotel, drei Übernachtungen, Vollpension, ausgewählte Freigetränke, zwei halbtägige oder einen ganztätigen geführten Ausflug in kleinen Gruppen sowie Zutritt zum Hotelgarten, der Pool- und Saunalandschaft sowie dem Jacuzzi! Die Reise muss vor dem 8. November 2014 angetreten werden. Viel Glück!* * Es gelten die AGB des Tierra Atacama Hotel & Spa