Das Ende der freien Marktwirtschaft im Photovoltaik-Sektor oder ein neuer Anfang für alternative Modulproduzenten?

Die monatelange Diskussion über Anti-Dumping-Zölle für chinesische Zellen und Module in der EU hat vor kurzem ein Ende gefunden. Bekanntlich einigte man sich auf Mindesteinfuhrpreise und Maximaleinfuhrmengen. Nachdem die Juli-Preise angesichts der anhaltenden Diskussion bis zur Monatsmitte noch vereinzelte Schwankungen aufwiesen, sind sie seit Monatsende quasi eingefroren. Unterhalb der staatlich verordneten 56-Cent-Marke gibt es kaum noch Ware auf dem Markt. Immerhin – die Unsicherheit und die Spekulationen haben nun ein Ende. Bei chinesischen Herstellern, die sich dem Preis- und Mengendiktat unterworfen haben, sind die Konditionen fixiert und bis auf weiteres wohl nicht mehr verhandelbar.

Die großen Hersteller aus China haben jedoch keinen Verkaufsdruck – sie liefern ihre Produkte vermehrt an außereuropäische Kunden und das zu meist höheren Preisen, vereinzelt werden sogar neue Quartalsabsatz-Rekorde gemeldet. Trina, Jinko, Canadian und Renesola teilen sich mittlerweile fast 40% des Weltmarktes, sind jedoch in Deutschland und der EU lange nicht mehr so präsent. Hanwha versucht sich mit Q-Cells im Schlepptau zunehmend im Premium-Preissegment anzusiedeln, fällt also als Lieferant für preiswerte Solarmodule weg, wie die anderen großen Anbieter aus Südkorea auch.

Wer zurzeit jedoch aufgrund entsprechender Verpflichtungen oder einfach aus Wirtschaftlichkeits-gründen kostengünstigere Module einkaufen muss, ist auf einen der wenigen Restposten – mit oder ohne Garantie – oder aber auf Produkte wenig bekannter Hersteller aus bisweilen sehr dubiosen Quellen angewiesen. Dass hier nur Vorauskasse zählt, ist selbstverständlich.

Es bleibt abzuwarten, ob kleinere Produzenten aus Taiwan, dem übrigen Südostasien oder sogar aus Indien beziehungsweise Pakistan nicht in absehbarer Zeit das Vakuum wieder füllen können, welches im unteren Preissegment entstanden ist. Mitte der 2000er-Jahre gab es aus diesen Regionen durchaus brauchbare Produkte zu günstigen Konditionen, bevor chinesische Hersteller den europäischen Markt vereinnahmten. Gerade indische Modulhersteller lieferten sich damals ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der chinesischen Konkurrenz, um den damaligen Platzhirschen aus Deutschland, Frankreich und Spanien Marktanteile abzunehmen. Nachdem in Indien jedoch viel schneller als in China der heimische Markt entdeckt wurde, wurde es still um diese Firmen in Europa. Technisch sind indische Produktionen zumindest nahe am verlangten Standard, taiwanesische sowieso. Die Bankability der Module hängt ja im Wesentlichen von der Solidität des Unternehmens im Hintergrund ab und da gibt es einige sehr bemerkenswerte Kandidaten aus diesen Regionen.

Nun bleibt freilich abzuwarten, wie schnell diese neuen vielversprechenden Modulhersteller entsprechende Kapazitäten für den europäischen Markt bereitstellen können und es bleibt zu hoffen, dass dienstbeflissene EU-Kommissare nicht gleich wieder die Schotten dicht machen wollen.