Die solare Revolution frisst ihre Kinder

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Solarworld ist gerettet – zumindest vorläufig. Die Art und Weise der Rettung und ihr Preis sind aber eher ein Symbol der Krise als ein Zeichen der Hoffnung auf Zukunft in der deutschen Solarbranche. Und was ist die Ursache der Krise?

In der öffentlichen und veröffentlichten Wahrnehmung dieser Tage sind meist die "chinesischen Billighersteller" schuld  am Sonnenuntergang der deutschen Branche. Conergy, Solon oder Q-Cells liegen in Trümmern, Solarworld steht noch immer am Abgrund.

Weltkonzerne wie Siemens und Bosch sind aus dem Solargeschäft ausgestiegen. Wer aber ist wirklich schuld daran, dass Deutschland grüne Revolution ins Straucheln geriet?

Der dramatische Absturz der meist einst von der ganzen Welt bewunderten Branche in Deutschland ist primär hausgemacht. Er ist einer falschen Politik der Bundesregierung geschuldet.

Es ist vor allem politisches Versagen, dass die Zahl der Arbeitsplätze von etwa 120.000 innerhalb von 18 Monaten auf 88.000 gesunken ist.

Die Insolvenz-Welle begann Anfang 2012 als die schwarz-gelbe Bundesregierung beim Kürzen der PV-Einspeise-Vergütung Augenmaß mit Kahlschlag verwechselte – vor allem der FDP-Teil dieser Koalition und der CDU-Wirtschaftsflügel. 

Die Solarbranche hat über 12 Jahre damit rechnen können, dass die Einspeise-Vergütung  pro Jahr um fünf Prozent zurückgefahren wird. Daraus wurden aber im letzten Jahr überhastet bis zu 50%. Auch keine andere Branche hätte diese Brutalität überstehen können. Und Peter Altmaier hat 2013 mit seinem Gerede über die Strompreis-Bremse das Desaster noch verstärkt.

Auch diese Bundesregierung sonnte sich lange im Erfolg der deutschen Solarbranche und warb mit dem Versprechen auf viele neue Arbeitsplätze für die Energiewende. Mit der jetzigen Politik aber frisst die solare Revolution ihre Kinder.

Es ist geradezu tragikomisch, dass ausgerechnet Wirtschaftminister Rösler sich an die Spitze derer geschwungen hat, welche die wichtigste Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts abgemurkst und über 30.000 Arbeitsplätze vernichtet haben. Zudem haben wir noch einen Umweltminister, der sich rühmt, den Zubau von Solarmodulen 2013 gegenüber 2012 halbiert zu haben.

Es ist ganz offensichtlich: Die Bürgerinnen und Bürger wollen die Energiewende, aber die derzeitige Bundesregierung verstolpert sie, obwohl sie diese Wende gleichzeitig propagiert. Deutschland wurde dank des EEG Solarweltmeister.

Nicht „chinesische Billigware“, sondern eine katastrophale Politik in Berlin hat den Erfolg der deutschen Technik jetzt kaputt gemacht.

Die Solarbranche ist weltweit nicht am Ende, sondern erst am Anfang. Der Strom vom Hausdach ist bereits in vielen Ländern billiger als der alte fossil-atomare Stoff. Das ist ein Geschenk Deutschlands an die Welt, vor allem an die Menschen in den sonnreichen Ländern der Dritten Welt.

Dieses EEG hat die effizienteste Entwicklungspolitik zustande gebracht. Anstatt mit diesem Pfund zu wuchern und die Chancen der solaren Weltrevolution zu propagieren und zu nutzen, machen Regierungspolitiker diesen Erfolg madig. An der solaren Weltrevolution führt kein Weg vorbei. 

Wenn „Made in Germany“ dabei zu den Gewinnern zählen will, dann brauchen wir eine intelligentere Politik und intelligentere Politiker. Die sitzen aber zurzeit eher in Peking als in Berlin.

– Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte aufwww.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. –

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