Boom bei großen Anlagen

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Der britische Privatkundenmarkt ließ im vergangenen Jahr etwas an Fahrt nach. Jetzt zeigt er jedoch stetiges Wachstum, was die Branche zuversichtlich stimmt, so Finlay Colville, Vizepräsident von NPD Solarbuzz. Er geht von einer Stabilisierung des Zubaus „bei 200 bis 300 Megawatt im Jahr 2013“ aus. Suzannah Wood, Vertriebsdirektorin von Solar Century, äußert sich ähnlich: „2012 war für die Installateure ein schwieriges Jahr. Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der 4.000 Installateure nicht länger im Geschäft ist. Wir rechnen jedoch damit, dass sich die Lage demnächst einpendelt, da das neue Vergütungssystem mehr Stabilität bietet. Die Erträge bleiben gut. Mit der sinkenden Einspeisevergütung gehen sinkende Kosten einher.“ Eine Sprecherin des Department for Energy and Climate Change (DECC) sagt dazu: „Es ist klar, dass die Anzahl der Installationen pro Woche in der letzten Zeit zurückgegangen ist. Wir erwarten jedoch zum Frühling hin wieder einen Anstieg.“ Die Endjahresstatistik des DECC ergibt eine installierte Gesamtleistung von fast 1,6 Gigawatt Photovoltaikleistung. Das sind rund elf Prozent der Gesamtleistung an erneuerbaren Energien im Vereinigten Königreich. „Das Degressionsmodell zeigt genau die beabsichtigte Wirkung. Es läuft automatisch ab und ist vollständig transparent. Die Sache steht noch am Anfang, und wir beobachten die Entwicklung genau: Wir veröffentlichen wöchentliche Statistiken, so dass sich jeder danach richten kann“, so die DECC-Sprecherin.

Die Einspeisevergütung wird in unregelmäßigen Abständen gesenkt werden. Das neue Modell lässt nur zwei aufeinanderfolgende Dreimonatszeiträume ohne Senkung zu, und eine Erhöhung der Einspeisevergütung ist nicht vorgesehen. Colville meint, dass kommerzielle Aufdachanlagen weiterhin vor einer Herausforderung stehen und von den Veränderungen bei der Einspeisevergütung 2012 am stärksten betroffen waren. „Im Mittelpunkt stehen Anfang 2013 Freiflächenanlagen im Megawattbereich, wobei die Installateure darauf aus sind, die ROC-Frist Ende März einzuhalten“, so Colville in Übereinstimmung mit Prognosen seines Unternehmens im kürzlich veröffentlichten Bericht „UK PV Market Entry Guide: New Revenue Opportunities“.

Das gesetzliche Quotensystem in Großbritannien verpflichtet jeden Energieerzeuger dazu, einen bestimmten Anteil der produzierten Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Dafür wurden 2002 die Renewables Obligation Certificates (ROCs) eingeführt. In der Regel erhält jede erneuerbar produzierte Megawattstunde ein ROC. Teure Technologien, wie zum Beispiel Offshore-Anlagen, verdienen zwei ROCs pro Megawattstunde. Energielieferanten mit zu geringem Anteil erneuerbarer Energien müssen ROCs einkaufen, um ihre Quote zu erfüllen.

ROCs als Anreiz

„Mit der Gewissheit über die angebotenen ROCs könnten großtechnische Freiflächenanlagen 2013 durchaus den Großteil der Installationen ausmachen“, meint Colville. „Es ist noch etwas früh. Aber gegen Ende des Quartals wird es losgehen. In vier Wochen wissen wir, wer alles die ROCs bis Ende März erhält. Der Einschnitt bei den ROCs ist ab April jedoch nicht so stark wie befürchtet, weshalb eventuell einige Projekte durchrutschen und später im Jahr fortgesetzt werden.“ Wood schließt sich an: „Die Energieversorger bauen inzwischen großflächige Solaranlagen im Vorfeld einer Änderung des ROC-Werts am 1. April, wenn der Wert von 2 auf 1,6 fallen wird – niedriger als bei Offshore-Wind, was die Kostenwettbewerbsfähigkeit zeigt.“ Man war weitgehend von 1,5 ausgegangen. Somit ist der Schnitt durch die Regierung etwas geringer ausgefallen. Jeder Erzeuger muss eine gewisse Anzahl von ROCs erwerben, die vom DECC verliehen, gekauft oder erzeugt werden können. Colville drückt seine leichte Besorgnis darüber aus, dass sich im Zusammenhang mit den ROCs ein Boom- und Bust-Szenario wiederholen könnte, wie es über die vergangenen Jahre bei der Einspeisevergütung für Privathaushalte der Fall war. Seiner Ansicht nach wird die Solarbranche in den zwei Jahren nach 2013 hauptsächlich „von der Entwicklung der ROCs abhängen und davon, ob es zusätzliche Einschnitte geben wird, wenn das Segment stärker wächst als vom DECC prognostiziert“.

Mit dem DFIT-System zielt die britische Regierung darauf ab, die Höhe der Einspeisevergütung an den Kapazitätsausbau zu koppeln und somit die Stabilität zu erhöhen. Wird der für ein Quartal angestrebte Kapazitätsausbau überschritten, dann wird die Einspeisevergütung ab dem Folgequartal für den betreffenden Kapazitätsbereich um 3,5 Prozent reduziert. Der Theorie nach werden weitere Senkungen der Einspeisevergütung somit langsam im Einklang mit sinkenden Kosten eingeführt, wodurch ein stabiler interner Zinsfuß gegeben ist.

In den drei Monaten bis November wurden circa zusätzliche 73,5 Megawatt in Aufdachanlagen im Wohnbereich installiert, weit unter den etwa 100 Megawatt, die nach den geltenden Richtlinien zu einer Senkung der Einspeisevergütung um 3,5 Prozent führen würden. Im vergangenen Quartal führte das Wachstum zu Senkungen der Einspeisevergütung ab dem 1. November im Privat-sektor sowie in den Sektoren unter 50 Kilowatt, jedoch nicht im Sektor über 50 Kilowatt. Am 1. Februar wird es keine Einschnitte geben, und für Mai ist nur im obersten Bereich mit Einschnitten zu rechnen.

Wood fügt hinzu, dass der MarktFür viele Haushalte und kleine Unternehmen im Vereinigten Königreich kann Preisstabilität aufgrund einer stabilen und berechenbaren Einspeisevergütung ein ausschlaggebender Faktor für den Einsatz der Photovoltaik sein.auch davon beflügelt wurde, dass die Regierung kürzlich die Solarenergie in ihrem Fahrplan für erneuerbare Energien als „Schlüsseltechnologie“ mit aufgenommen hat. Die britische Solar Trade Authority hat dies deutlich begrüßt: „Im gewerblichen Bereich kommt die Solarenergie inzwischen mit weniger Unterstützung als andere erneuerbare Energietechnologien aus und wird im Jahr 2013 eine eigene Strategie verfolgen mit außergewöhnlichen Kostensenkungen und großer öffentlicher Unterstützung.“ Laut Solarbuzz sollte die damit einhergehende neue Stabilität und das geringere finanzielle Risiko die Lieferanten dazu ermutigen, langfristigere Lieferstrategien mit den verbleibenden – und besser etablierten – nachgelagerten Installateuren und Projektentwicklern zu verfolgen und somit die Situation weiter zu verbessern.

Steigende Energiepreise

Installateure wurden auch zum Umstieg auf die Solarenergie ermutigt, da ihre Kunden steigende Energiepreise aufgrund des instabilen Gasmarkts fürchten. Wood von Solar Century meint, dass dies auf die meisten Dachinstallateure im mittleren Bereich zutrifft. „Kunden im mittleren Bereich wie etwa Supermärkte und Landwirte sind bei den Stromkosten besonders empfindlich. Sie möchten sich bei den Kosten mit Solartechnologie absichern. Die aktuellen Gaspreisschwankungen waren hier deutlich mit ausschlaggebend“, so Wood. Barry Nutley, Partner bei Viridis Energie Consultants, äußert sich ähnlich: „Es gibt ein geringes kommerzielles Wachstum, und diese Kunden erkennen den Wert der konkreten Stromeinsparungen, und nicht nur den Wert der Einspeisevergütung und der ROCs.“ Dennoch halten die meisten Beobachter instabile Gas- und Strompreise künftig für sekundäre Marktfaktoren. Colville und Wood stimmen darin überein, dass sich der Privatkundenmarkt weiterhin hauptsächlich an den guten langfristigen Renditen aus Photovoltaikinvestitionen orientieren wird.

Es gibt kaum Anzeichen für einen Trend hin zu weiter fortgeschrittenen Solarlösungen neben der Photovoltaik, weder im Vereinigten Königreich noch anderswo. Wood meint: „Wahrscheinlich stehen wir vor einer längeren Phase der Konsolidierung der Hersteller in der Photovoltaikbranche. Gegenwärtig ist die reguläre Photovoltaik aufgrund ihrer niedrigen Kosten und ihrer Zuverlässigkeit unantastbar.“ Nutley stimmt zu: „Nur bei Platzmangel oder großem Bedarf nach heißem Wasser wären Alternativen zur Photovoltaik sinnvoll.“ Das DECC fördert nur fünf ausgewählte Technologien. Darunter befindet sich neben der Photovoltaik keine andere Art der Solarenergie und ist nach offizieller Aussage auch nicht geplant.

Nach erheblichen Anfangsschwierigkeiten scheint die Politik des DECC nun den Markt für sich gewonnen zu haben. Wenn die Regierung unerwartete Änderungen bei den ROC-Werten vermeidet, dann sieht es danach aus, dass die offensichtliche Popularität der Photovoltaik entscheidend dazu beitragen wird, dass das Vereinigte Königreich seine Ziele für erneuerbare Energien erreicht. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die installierte Leistung bis 2018 auf circa acht Gigawatt wachsen wird. Wenn die Preise für konventionelle Energie jedoch weiter steigen, dann rückt die Netzparität näher, was zu zusätzlichen Installationen und einer höheren Gesamtleistung führen könnte.