200 Gigawatt Photovoltaik für Deutschland!

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Liebe Leserin, lieber Leser!

In der Diskussion um die Solarenergie geht es zurzeit nur noch um Nebensächlichkeiten. Die EEG-Umlage steigt durch den diesjährigen Photovoltaikzubau weniger als einen halben Cent, wenn andere Effekte herausgerechnet werden. Trotzdem wird in einigen Wochen diese Debatte vermutlich wieder an Fahrt aufnehmen, wenn die Netzagentur die EEG-Umlage für 2013 verkündet. Ich finde, es reicht. Dieser Diskussion fehlt der Kompass.

Die Bundesregierung will bis 2050 lediglich 80 Prozent des Stromes aus erneuerbaren Energien decken, und die Leitstudie des Bundesumweltministeriums sieht nur zwischen 60 und 80 Gigawatt Photovoltaik im Jahr 2050 vor. Beides ist nicht sinnvoll. Es ist möglich, ohne Strompreisexplosion 2050 bereits nahezu 100 Prozent des Stromes erneuerbar zu produzieren. Die Leitstudie sieht nur deshalb so wenig Photovoltaik vor, weil sie die Kosten der einzelnen Energieformen falsch und die Entwicklung der Speichertechnologien sehr zurückhaltend einschätzt.

Um über Alternativen zu diskutieren, haben wir drei Experten der Solarbranche eingeladen. Warum 200 Gigawatt ein sinnvolles Ausbauziel für Deutschland ist und wie es erreicht werden kann, lesen Sie ab Seite 16 und Seite 20. 200 Gigawatt sind siebenmal mehr Solarleistung, als heute installiert ist, und entspricht einem Zubau von sechs bis acht Gigawatt pro Jahr, wenn das Ziel zwischen 2030 und 2040 erreicht werden soll.

Wir wollen dabei mithelfen und schaffen dazu die Plattform 200 Gigawatt. Wir stellen zur Diskussion, wie viel Photovoltaik Deutschland im Zuge der Energiewende braucht, was sich alles ändern muss und was das für die Beteiligten bedeutet. Eines zeichnet sich dabei ab: Die Regeln des EEG-Zeitalters, die Betreibern eine einfach zu berechnende Rendite versprechen, werden nicht mehr gelten.

Deshalb sind Projekte, die ohne Einspeisevergütung funktionieren, so wichtig. Im Einzelfall ist das schon heute möglich. Ein Beispiel: Im Gewerbe sind die individuellen Stromtarife umso höher, je höher die Verbrauchsspitzen sind. Wenn es gelingt, mit einer Kombination von Solaranlagen und Speichern die Stromverbrauchsspitzen zu kappen, sinken die Stromtarife. Das verdeutlicht zum einen, dass Photovoltaik tatsächlich zur Netzentlastung beiträgt, zum andern ist es ein großer Hebel, um neue Solaranlagen zu finanzieren. Mehr dazu ab Seite 32.

Wir laden Sie ein, auf unserer Plattform 200 Gigawatt mitzudiskutieren und Ihre Projekte vorzustellen, die ohne Einspeisevergütung finanziert werden. Wenn Sie solche Anlagen planen oder realisieren, möchten wir sie gerne vorstellen. Informationen finden Sie auf der Plattformseite unter www.photovoltaik.eu/spezial/200gw.

Auch die internationale Entwicklung wird häufig unterschätzt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der Weltmarkt bis 2025 verzehnfacht und dann pro Jahr 300 Gigawatt Photovoltaik zugebaut werden – was natürlich auch hiesigen Firmen riesige Chancen eröffnet. Um mitzuhelfen, dass dieses Ziel erreicht wird, starten die Solarpraxis und unser internationales Schwestermagazin pv magazine die Kampagne 300 Gigawatt pro Jahr.

Viel Spaß beim Lesen Michael Fuhs (Chefredakteur)

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