Solarexperten sind keine Frösche

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Da mussten die anwesenden Solarunternehmer und Solarexperten tief durchatmen. „Wenn hier die Frösche wie im Teich sitzen, dann ist klar, dass sie sich bei der Trockenlegung mit Applaus etwas zurückhalten.“ So sagte es der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf dem Forum Solarpraxis Mitte November in Berlin und meinte damit, dass er die Solarförderung weiter beschneiden und den Zubau unter zwei Gigawatt pro Jahr halten möchte. Wenn dabei Frösche, sprich Solarfirmen draufgehen – egal. Publikumsbeschimpfung vom feinsten. Es war übrigens kein Wunder, dass das Publikum bei Pfeiffers Aussagen mit dem Applaus zurückhaltend war. Wer will sich schon wiederholt vorhalten lassen, zu teure Produkte zu verkaufen. Die Fronten verliefen wie erwartet, und die Replik kam von Hans-Joseph Fell, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Es seien Beschlüsse der Koalition, die die Preise treiben, nicht die Photovoltaik. Die Schmerzgrenze lasse sich nicht daran festmachen, ob die EEG-Umlage über einen bestimmten Betrag steige. Sie sei vielmehr dann erreicht, wenn es mit der Energiewende nicht voran gehe. Und das ist derzeit der Fall. Nachzuhören und zu sehen ist die Podiumsdiskussion zur aktuellen Energiepolitk auf unserer Internetseite (www.photovoltaik.eu, Spezial Forum Solarpraxis).

Wie ambivalent die Entwicklung zur Zeit ist, zeigt auch unser Jahresrückblick (Seite 16). Auf der einen Seite hat die Branche einen riesigen Erfolg eingefahren und einen Solarstromanteil im ersten Halbjahr von 3,5 Prozent erreicht. Außerdem fallen diePreise wieder weit schneller als erwartet, so dass Photovoltaik immer kostengünstiger wird. Auf der anderen Seite kämpft sie gegen politische Vorbehalte, den Vorwurf der Kostentreiberei, enormen Wettbewerbsdruck und befindet sich zum Jahresende wieder in einer Diskussion um einen Deckel (Seite 16).

Auch wenn der Zubau dieses Jahr vermutlich weit unter dem von 2010 bleibt, können Projektierer in dem momentanen Marktumfeld gute Geschäfte machen. Die Erfolgsrezepte sind dabei sehr unterschiedlich. Der Größte schwört darauf, möglichst viel selbst zu machen, der schnellste Aufsteiger will dagegen schlank bleiben. Er erzielte den Durchbruch, weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war (Seite 34). Fallende Preise und immer mehr Erfahrung im Anlagenbau – das ist wieder einmal ein Anlass, die Qualität im Blick zu haben. Als besonders kritisch gelten Banker, die Angst um ihr verliehenes Geld haben. Sie haben eigene Abläufe entwickelt, nach denen sie überprüfen, wie hoch das Risiko einer geplanten Photovoltaikanlage ist (Seite 42).

Was wagemutig ist, machen übrigens gerade Solaringenieure aus der Schweiz vor. Dort planen Experten, Solarmodule entlang der Lawinenabsperrungen zu montieren (Seite 104).

Viel Spaß beim Lesen wünscht Michael Fuhs Chefredakteur