Im Namen der Sonne

Eigentlich ist heidnischer Sonnenkult nur schwer mit der christlichen Lehre zu vereinbaren. Doch wenn es um Solarenergie geht, ist Pfarrer Michael Ipolt Feuer und Flamme. Was ihn zum Solarbotschafter qualifiziert, ist nicht nur die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Burgwalder Kirche. Mittlerweile stehen auch im Pfarrgarten und anderen kirchlichen Einrichtungen schon Solaranlagen. Manchmal wirbt er sogar in der Kirche für die erneuerbaren Energien, gesteht er. Doch normalerweise versucht er sich während des Gottesdienstes zurückzuhalten, um seine Schäfchen nicht zu verschrecken. „Meine Botschaft ist, dass es wichtig ist, Gottes Schöpfung zu bewahren. Dazu kann die Solarenergie zumindest einen Teil beitragen“, sagt Ipolt. „Es geht nicht nur darum zu beten, sondern auch darum zu handeln.“ Zumindest was das Handeln angeht, ist Pfarrer Ipolt bei den Solarbotschaftern in guter Gesellschaft. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hat sie ausgewählt, um als Vorbilder für dieSolarenergie zu werben. Die Auswahl fiel nicht leicht, denn 80 Bewerber wollten sich gerne engagieren.

Fahrrad statt Limousine

Theodor Röhm, ebenfalls vom BSW-Solar berufen, ist Solarinstallateur in Bremen und Vorbild, wenn es um das Thema Energieeffizienz geht. Um die Verbrennung fossiler Energieträger noch weiter zu minimieren, entschied er sich im Jahr 2000, seinen Firmenwagen gegen ein Lastenfahrrad einzutauschen. Seitdem radelt er mit seinen Kollegen zu den Baustellen, auf denen er Solaranlagen installiert. Seine Botschaft: „Wir müssen uns um eine klimafreundlichere Zukunft bemühen. Dafür müssen wir versuchen, auch den Energiebedarf, den wir bislang mit Gas und Öl decken, mit vielen verschiedenen Techniken zu reduzieren.“ Ganz ungefährlich ist dies allerdings nicht. Einem seiner Mitarbeiter sei auf dem Weg zur Baustelle schon mal die Radgabel gebrochen. „Er war aber zum Glück relativ langsam unterwegs und konntenoch rechtzeitig absteigen“, beruhigt Röhm.

Die meiste Erfahrung in der Solardiplomatie bringt wohl die Bürstädterin Jasmin die Erste mit. Sie ist nicht nur Solarbotschafterin der Woche der Sonne, sondern auch amtierende Sonnenbotschafterin von Bürstadt. In dieser Position hat sie schon an vielen Empfängen teilgenommen und unzählige Menschen von den Vorteilen der Solarenergie überzeugt. „Im letzten Jahr hatte ich ungefähr 50 Veranstaltungen. Dieses Jahr wird es wahrscheinlich noch ein bisschen mehr sein“, erklärt sie mit einem Lächeln. Man merkt, dass sie sich wohlfühlt in ihrer Rolle. „Wir brauchen die erneuerbaren Energien jetzt sehr dringend. Man sieht es ja in Japan, was es für Auswirkungen haben kann, wenn man auf Atomkraft setzt.“ Zur Mission der Solarbotschafter sagt sie: „Ich denke, wir sind in Deutschland ein gutes Vorbild für andere Länder. Und als Solarbotschafter können wir dafür sorgen, dass die Diskussion um den Ausbau der Erneuerbaren weiter vorangetrieben wird.“ Neben den bereits erwähnten gehören noch elf weitere Gesandte zum diplomatischen Corps des BSW-Solar. Darunter Solararchitekten, Solarsportler, Solartankstellenbetreiber und viele mehr. Zur Auftaktveranstaltung der Woche der Sonne kamen sie nun zur Botschafterversammlung nach Berlin, um zu zeigen, dass die vermeintliche Zukunftstechnologie Solarenergie längst in der Bevölkerung angekommen ist. Ihr gemeinsames Credo: Solarenergie ist sauber, sicher und unerschöpflich.

Dieser Meinung sind auch die Solarbotschafter vom gemeinnützigen Verein Einleuchtend e. V. Sie haben ein Solar Sound System entwickelt, mit dem sie die Veranstaltung mit einschlägiger Musik beschallen. „Solarenergie, Dünger für die Fantasie“, tönt ein Song von Culcha Candela aus den Aktivboxen. „Ich habe es grad schon getwittert“, sagt einer der Solar-DJs. „Illegaler Solar-Rave auf der Berliner Palastwiese. Vielleicht kommen ja noch ein paar Leute.“ Diplomatische Immunität genießen die Solargesandten allerdings nicht. Solarbotschafter Guido Röers, Gründer der Installationsfirma Sonnja, bedauert dies. „Hätten wir diplomatische Immunität, wäre das natürlich auch nicht schlecht.“