Großbritannien plant massive Kürzungen

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Die britische Regierung wird die Solarförderung massiv kürzen. Energieminister Greg Barker stellte die neuen Einspeisetarife für Photovoltaik-Anlagen am Freitag offiziell vor. Künftig werden sich demnach wohl nur noch kleine Photovoltaik-Installationen mit einer Leistung bis 50 Kilowatt lohnen. Bei diesen Anlagen sollen die Einspeisetarife voraussichtlich weiter gelten, die zuvor für Photovoltaik-Systeme mit einer Kapazität zwischen zehn und 100 Kilowatt vorgesehen waren. Sie belaufen sich derzeit auf umgerechnet 36 Eurocent. Für Anlagen mit einer Leistung ab 50 Kilowatt hat die Regierung in London dagegen drastische Kürzungen vorgesehen. So sieht der Vorschlag von Barker vor, die Vergütung für 50-150 Kilowatt-Anlagen auf knapp 0,22 Euro zu kürzen. Solarstrom aus Photovoltaik-Dachanlagen mit einer Leistung zwischen 150 und 250 Kilowatt soll demnach mit 0,17 Euro. Größere Installationen mit einer Leistung bis fünf Megawatt würden künftig nur noch Einspeisetarife von 9,7 Eurocent erhalten. Die gleiche Vergütung ist auch für alle sogenannte „Stand Alone“-Applikationen, also Photovoltaik-Freiflächenanlagen, vorgesehen. Dies entspreche Kürzungen um etwa 70 Prozent zu den ursprünglich vorgesehenen Einspeisevergütungen.

Der Vorschlag der Regierung soll nun bis zum 6. Mai mit den verschiedenen Beteiligten diskutiert werden. Nach Informationen der Analysten von Jeffries soll der endgültige Gesetzentwurf dann im Juli entschieden werden. Noch sei allerdings unklar, welche Auswirkungen der Atomunfall in Japan auf die Debatte haben wird. Aus Sicht des Jeffries-Analysten Gerard Reid waren die massiven Kürzungen bei der Solarförderung in Großbritannien zu erwarten. Die Einschnitte sollten verhindern, dass der Markt überhitze. Außerdem zeige sie klar die Intention der Regierung, vor allem Photovoltaik-Dachanlagen zu fördern. Mit der Absenkung der Einspeisetarife habe die Regierung das Niveau der Solarförderung zudem auf das der europäischen Nachbarländer gebracht, so Reids Einschätzung. Der britische Photovoltaik-Markt könne auf dieser Grundlage weiter wachsen.

Ganz anders reagierte die Renewable Energy Association (REA). Die Vereinigung der Erneuerbaren-Energien-Branche auf der Insel warf der Regierung einen großen strategischen Fehler bei der Solarförderung vor. Die Regierung mache mit ihrem Vorschlag Investitionen in Photovoltaik-Anlagen mit mehr als 50 Kilowatt wirtschaftlich unrentabel. Die geplanten Einspeisetarife seien „weit schlimmer als erwartet“, so Ray Noble, Photovoltaik-Spezialist bei REA. Der Industrie werde bereits bei ihrer Geburt die Luft zum Atmen genommen.

Das britische Department of Energy and Climate Change (DECC) kündigte Anfang Februar eine umfassende Revision der Einspeisevergütungsregelungen an. Die Tarife für Photovoltaik-Anlagen sind seit April 2010 in Kraft. Ursprünglich war die Überprüfung der Solarförderung erst für April 2012 geplant. (Sandra Enkhardt)