Aufträge für das Handwerk bleiben aus

Teilen

Die Stimmung unter Solarteuren ist schlecht. Die Auftragslage sei im Januar und Februar mager gewesen, so das Ergebnis einer Befragung unter Handwerksbetrieben in Deutschland. Wo sich Angst und Resignation breit machen, denken einige Handwerker über eine Umorientierung nach oder haben sich bereits vom Photovoltaik-Markt abgewendet. Die Branche befinde sich in einer Phase der Marktbereinigung.

„Der Markt wird sich verkleinern, die Konkurrenz ist groß – besonders, wenn die Einspeisevergütung erneut abgesenkt wird. Es wird ums Überleben gehen, für Hersteller genauso wie für Monteure“, so Andreas Schick, Prokurist der W. Müller GmbH Solartechnik aus Baden-Württemberg. „Durch unsere sehr günstigen Einkaufspreise könnten wir eine erneute Kürzung bei der Solarstromförderung allerdings kompensieren.“ Der Betrieb, der gemeinsam mit seiner Muttergesellschaft aus dem Bedachungsgewerk 80 Angestellte und rund 40 freie Mitarbeiter unterhält, bietet neben Photovoltaik-Komponenten auch Planungsdienstleistungen an und tritt selbst als Projektierer auf. „Für das Jahr 2011 benötigen wir einen Zubau von drei bis vier Megawatt durch unsere Firma, eventuell werden wir hierfür auch weitere Mitarbeiter einstellen.“ Für die Branche erwartet der studierte Geotechniker, der als Bauingenieur zunächst mehrere Jahre Flughäfen in aller Welt gebaut hat, dagegen ein bis zwei harte Jahre. „Die Stimmung im Handwerk ist schlecht, alle betrachten die aktuelle Situation skeptisch. Das reicht von der Schockstarre bis hin zu denen, die die Flinte ins Korn werfen und sich wieder auf andere Bereiche wie den Elektronikmarkt konzentrieren oder ihren Betrieb aufgeben“, so Schick weiter. Die Verunsicherung darüber, wie sich die Förderpolitik weiter entwickelt, sei groß. 

„Komplett tote Hose“

Ähnlich beschreibt Wolfgang Müller, Geschäftsführer eines Kölner Solarfachbetriebs, die Stimmung im Solarhandwerk. „Vielen und auch uns stellt sich momentan die existenzielle Frage, ob die eigene Firma bestehen bleibt oder nicht.“ Während das Unternehmen im Boomjahr 2010 mit 300 Kilowatt und zehn Mitarbeitern fast doppelt so viele Photovoltaik-Anlagen installierte wie im Jahr zuvor, sei bereits im letzten Quartal 2010 die Nachfrage stark eingebrochen. Der frühe, harte Winter habe die Lage zusätzlich verschärft. „Januar und Februar 2011 ist komplett tote Hose, es kommen keine neuen Aufträge rein, obwohl wir über 40 Angebote geschrieben haben.“ Eine wesentliche Ursache hierfür sieht Müller in der negativen Berichterstattung der vergangenen Monate zum Thema Photovoltaik. „Wer heute über eine Photovoltaik-Anlage nachdenkt, fragt sich: Was wird mein Nachbar dazu sagen? Der Nachbar hat keine Lust, meine Anlage über die höheren Strompreise mitzufinanzieren – genau das wird ihm aber durch die Presse suggeriert. Man fühlt sich förmlich schuldig, wenn man heute noch eine Anlage aufs Dach setzt.“ Dieser psychologische Faktor werde bisher unterschätzt, vermutet Müller.

Nachfrage eingebrochen

„Wir sehen, dass die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen seit den Kürzungen der Einspeisevergütung im Oktober 2010 und im Januar 2011 deutlich zurückgegangen ist“, so Jens Oenicke, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Quotatis.de. Das Unternehmen vermittelt monatlich rund 8.000 Anfragen mit einem Volumen von insgesamt 300 Mio. Euro, insbesondere im Bereich Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen. „Im letzten Quartal 2010 sind die Anfragen nach Photovoltaik-Anlagen im Vergleich zu den Boom-Monaten in der ersten Jahreshälfte stark eingebrochen und haben sich Anfang 2011 auf einem niedrigen Niveau gehalten.“ 

Wenige Anfragen erhält derzeit auch ein Modulhersteller, der im vergangenen Jahr europaweit Module mit einer Gesamtleistung von 120 Megawatt verkauft hat. Eine wesentliche Ursache hierfür seien Pressemeldungen, die die Photovoltaik-Einspeisevergütung als Strompreistreiber anprangern, hieß es auch aus diesem Unternehmen. „Viele Handwerker sind verunsichert, resignieren und etliche orientieren sich bereits um, weg von der Photovoltaik“. Allerdings könnte sich das saisonale Geschäft im Frühjahr wieder beleben und man rechne mittelfristig auch mit neuen Aufträgen für Solarparks, die auf Konversionsflächen installiert werden. Das „richtig große Wachstum“ stehe der Branche nach Ende der Konsolidierungsphase mit Erreichen der Netzparität erst noch bevor. (Vera Neuhäuser)