Kurz vor dem Ziel

Wechselrichter, die in das Mittelspannungsnetz einspeisen, benötigen ein Zertifikat. Wie stark betrifft das die verschiedenen Wechselrichtertypen?

Wir haben Wechselrichter vom Typ Solarmax 330TS-SV, die direkt für die Mittelspannungsanbindung ausgelegt sind. Sie haben eine Leistung von 330 Kilowatt, bis zu vier Einheiten können in einer Station mit total 1,32 Megawatt kombiniert werden. Diese Zentralwechselrichter betrifft die Richtlinie besonders, da sie in großen Solarkraftwerken eingesetzt werden, die oft direkt in das Mittelspannungsnetz einspeisen. Kleinere Geräte, die für Niederspannung vorbereitet sind, müssen unter Umständen auch die Mittelspannungsrichtlinie erfüllen. Wir zertifizieren deshalb nicht nur die großen, sondern auch die kleineren Wechselrichter unserer TS-Serie.

Ursprünglich wollte der Energiewirtschaftsverband BDEW bereits ab letzten Juli Zertifikate verlangen. Wann haben Sie gemerkt, dass es knapp würde, die Frist einzuhalten?

Wir sind über Gremien und Arbeitsgruppen immer in Kontakt mit anderen Herstellern. Dadurch wussten wir, wie die anderen Hersteller mit der Zertifizierung vorankommen. Dabei hat sich schon 2009 offenbart, dass es Probleme gibt, gerade was die Testkapazitäten anbelangt. Zudem wurden die damals vorliegenden Testrichtlinien ursprünglich für Windenergieanlagen geschrieben. Man hat erst gemerkt, wo es noch Defizite gibt, als man konkret die Photovoltaikwechselrichter getestet hat. In den letzten Monaten wurden einige Anpassungen nötig.

Wann hat sich abgezeichnet, dass die Frist bis nächsten April verlängert wird?

Das war im Juli, da gab es die ersten konkreten Anzeichen, dass es eine Fristverlängerung geben soll. Offiziell war es erst im September. Während dieser Zeit gab es gewisse Unsicherheiten, wie die Richtlinie angewandt wird. Die Netzbetreiber verhielten sich aber sehr ruhig, so dass man nicht davon ausgehen musste, dass die Richtlinie von heute auf morgen hart angewandt würde. Bisher kennen wir keinen Fall, wo ein Zertifikat explizit vorgeschrieben war.

Warum ist es bei großen Zentralwechselrichtern besonders schwierig, die Richtlinie zu testen?

Das Hauptproblem ist das Durchführen von Netzspannungseinbrüchen, um die Fault-Ride-Through-Eigenschaft zu testen. Man kann mit kommerziell erhältlichen Netzsimulatoren bis zu 15 Kilowatt solche Netzeinbrüche simulieren. Aber bei den größeren Wechselrichtern ist das mit den hauseigenen Testeinrichtungen nicht mehr möglich. Deshalb sind wir auf externe Partner angewiesen. Der daraus entstehende Aufwand und die Kosten sind nicht vernachlässigbar.

Können Wechselrichterhersteller nicht auch die Dienstleister engagieren, die für Windkraft zertifizieren und mit mobilen Testeinrichtungen direkt bei den Anlagen messen?

Es ist eine Lösung für Wechselrichterhersteller, und es gibt auch welche, die das machen. Wir haben uns damals dagegen entscheiden, weil wir mit dem Fraunhofer ISE einen sehr kompetenten Partner an der Hand haben, der auch Erfahrung im Photovoltaikbereich hat und nicht nur in der Windkraft. Ein Labor bietet im Vergleich zu mobilen Testeinrichtungen außerdem eine reproduzierbare Umgebung, und dort kann man auch testen, wenn die Sonne nicht scheint.

Werden Sie es schaffen, die neue Frist zu halten?

Unsere SolarMax 50-100TS sind fertig getestet, aber die Zertifikate sind noch nicht ausgestellt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das nun zügig gehen sollte. Bei den großen Zentralwechselrichtern SolarMax 300TS und 330TS-SV sind wir momentan mitten in den Messungen. Auch bei ihnen sind wir zuversichtlich, dass wir die Frist bis April einhalten.

Rechnen Sie damit, dass die Frist noch mal verschoben wird oder werden die Netzbetreiber weiterhin kulant bleiben?

Ich gehe davon aus, dass die Kulanz bei den Netzbetreibern stark abnimmt, weil namhafte Wechselrichterhersteller die Zertifikate haben werden. Die Hersteller ohne Zertifikate haben dann unter Umständen Nachteile.

Das Gespräch führte Michael Fuhs.

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